Dienstag, 10. Dezember 2019

Dresdner Firma produziert künstlichen Diesel Der Treibstoff, aus dem die Träume sind

Power-to-Liquids: So entsteht der wundersame Ölersatz
Sunfire

2. Teil: Der Klima-Clou: Das benötigte Kohlendioxid wird einfach aus der Luft gesaugt

• Die Konvertierung reduziert mithilfe des erzeugten Wasserstoffs zugeführtes Kohlendioxid (CO2) zu Kohlenmonoxid. Der Clou: Das CO2 kommt nicht wie üblich aus Brennstoffen wie Kohle oder Holz - sondern aus der Luft. Dazu baut Sunfire eine Art überdimensionalen Staubsauger der Schweizer Firma Climeworks ein

• Das Kohlenmonoxid plus wiederum Wasserstoff werden per Fischer-Tropsch-Synthese in einem Reaktor verflüssigt. Dies ist ein altes Verfahren, zu dem Sunfire-Gründer Bodo Wolf bereits in der DDR forschte. Nach der Wende setzte er es - ohne wirtschaftlichen Erfolg - in der Pleitefirma Choren ein. Bei Sunfire ist er inzwischen ausgeschieden. Ursprünglich ermöglichten Franz Fischer und Hans Tropsch in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit der Synthese die Verflüssigung von Kohle.

Doch anders als damals steht heute am Ende ein künstlicher Rohstoff, der klimaneutral hergestellt worden ist - weil das Kohlendioxid aus der Luft kommt. Zudem soll ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien die Anlage speisen. Der Wirkungsgrad liegt laut den Betreibern unterm Strich bei 70 Prozent.

Kraftstoffe für den Autoverkehr und die Luftfahrt

Aus dem Rohstoff entstehen Kraftstoffe für den Autoverkehr und die Luftfahrt, er dient aber potenziell auch als Grundstoff für die Chemieindustrie. Als Kunden stehen bereits der Autobauer Audi und die Lufthansa bereit.

Kurzfristig zahlt sich die Anlage für alle Beteiligten vor allem über den Imagegewinn aus. "Wir wollen zeigen, dass es geht", begründet ein Audi-Sprecher das Engagement seines Konzerns.

Vor allem die Gewinnung von Kohlendioxid aus der Luft war zuletzt noch enorm teuer. Laut einer Studie der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft aus dem Jahr 2011 kostet es 7,5 Mal mehr, das Klimagas aus der Luft als aus Kraftwerksabgasen abzutrennen.

Langfristig hoffen die beteiligten Firmen dennoch auf ein Geschäftsmodell, in dem der künstliche Treibstoff zumindest als ökologisch wertvolle Beimischung für Benzin, Diesel und Kerosin dient. Das Kalkül: Wenn der Gesetzgeber die Anforderungen an Biokraftstoffe weiter verschärft, könnte der Dresdner Kraftstoff beispielsweise im Super E10 den umstrittenen Sprit aus Pflanzen verdrängen.

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