Ehemalige Eon-Tochter Sun Edison US-Solarriese kämpft ums Überleben

Firmensitz von Sun Edison in Kalifornien: Riskantes Wachstum

Firmensitz von Sun Edison in Kalifornien: Riskantes Wachstum

Foto: REUTERS
Fotostrecke

Gates, Plattner und Co.: Diese Milliardäre investieren in die Energie-Revolution

Foto: © Charles Platiau / Reuters/ REUTERS

Als selbsternannter Anführer einer weltweiten Energie-Revolution greift die US-Solarfirma Sun Edison naturgemäß zu großen Worten. "Willkommen auf einer helleren Welt" begrüßt das Unternehmen Besucher der Website, und: "Wir sind hier, um Leben zu verändern."

Doch vor der Welt müssen die Sun-Edison-Manager erst einmal ihr Unternehmen retten. Der Konzern kämpft ums Überleben. Endet der Kampf in der Insolvenz, wäre es laut "Fortune"  die größte Pleite außerhalb des Finanzsektors innerhalb der vergangenen zehn Jahre.

Bis vor kurzer Zeit galt Sun Edison als wachstumsstärkstes US-Unternehmen in der boomenden Erneuerbare-Energien-Branche. Inzwischen ist es knapp bei Kasse und hat Schulden in Höhe von 12 Milliarden Dollar angehäuft. Der Aktienkurs ist innerhalb eines Jahres um 98 Prozent eingebrochen.

Wie konnte es so weit kommen? Immerhin sind die Aussichten für alternative Energien in den USA und anderswo zurzeit so rosig wie seit Jahren nicht.

Sinkende Kosten machen Solar- und Windenergie konkurrenzfähig zu Kohle, Gas und Co.. Das Klimaabkommen von Paris erhöht den Druck auf Regierungen weltweit, den Ökostrom-Boom zu beschleunigen. Und in den USA haben die Parlamentarier gerade Steuervorteile für erneuerbare Energien verlängert.

Die bewegte deutsche Geschichte der Vorgänger von Sun Edison

Fotostrecke

Wohlhabend dank Subventionen: Diese Menschen haben die Ökostrom-Milliarden reich(er) gemacht

Foto: Jochen Lübke/ picture-alliance/ dpa

Offensichtlich hat sich Sun Edison in diesem Umfeld hier und dort übernommen, um die Stellung als größter Projektierer von Solar- und Windparks auszubauen. Einer der ärgsten Konkurrenten ist Solarcity, wo Tesla-Chef Elon Musk mitmischt. Das Geschäftsmodell der Branche beruht darauf, Kunden die Solaranlagen vorzufinanzieren.

Die Firmen müssen ständig neue Kunden gewinnen, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. "Wenn man einmal in diesem Hamsterrad ist, hält es nicht mehr an", sagt Analyst Ray Prabhu der Zeitschrift "Technology Review"  . Bei einigen Projekten bot Sun Edison ihren Strom zu derart niedrigen Preisen an, dass schon kleinste Abweichungen bei der Projektabwicklung zum Problem wurden.

Fraglich sind nun unter anderem der Bau von großen Solaranlagen in der texanischen Stadt Georgetown, auf Hawaii und Kalifornien. Wenn Finanzierungspartner skeptisch werden, schafft ein Problem-Projekt gleich das nächste.

Ein Absturz wäre nicht der erste in der Geschichte des Unternehmens, die ihre Wurzeln auch in Deutschland hat. Wer in der Geschichte von Sun Edison stöbert, stößt auf viele deutsche Namen.

Als die Firma noch Monsanto Electronic Materials Company hieß, gehörte sie im Jahr 2000 kurzzeitig zu Eon, zuvor (ab 1989) dem Eon-Vorgängerunternehmen Veba und dessen Töchtern Hüls und Dynamite Nobel Silicon. Der Einstieg ins Solargeschäft gelang später durch Geschäfte mit den gefallenen deutschen Sonnen-Riesen Q-Cells und Conergy.

Eon wollte den Halbleiter-Spezialisten seinerzeit schnell loswerden, weil er sich in wirtschaftlicher Schieflage befand. Schließlich übernahm die Private-Equity-Firma Texas Pacific Group das Ruder und stieg nach geglückter Restrukturierung wieder aus. Eine solche steht nun womöglich bei Sun Edison erneut an.

Mehr lesen über