Feindliche Übernahme von Suez Frankreichs Regierung und Justiz stellen sich Veolia in den Weg

Der feindliche Übernahmeversuch von Suez durch den französischen Entsorger Veolia stößt nicht nur beim betroffenen Unternehmen selbst auf heftigen Widerstand. Auch die französische Regierung und die Justiz kritisieren das Angebot.
Keine Lust mehr auf Spielchen: Veolia-Chef Antoine Frérot unterbreitet den Suez-Aktionären nun ein direktes Angebot

Keine Lust mehr auf Spielchen: Veolia-Chef Antoine Frérot unterbreitet den Suez-Aktionären nun ein direktes Angebot

Foto: ERIC PIERMONT / AFP

Der französische Versorger Veolia stößt mit seinem feindlichen Übernahmeangebot für den nationalen Konkurrenten Suez auf Widerstand. Ein Gericht hat Veolia in einer Eil-Entscheidung zur Aussetzung des Angebots angewiesen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag mit Verweis auf das französische Gericht in Nanterre bei Paris berichtet. Zudem hat die französische Regierung sich zu Wort gemeldet und verlangt einen gemeinsamen Weg der beiden Unternehmen.

Zuvor hatte sich Veolia mit einem Angebot direkt an die Aktionäre gewandt. Das Suez-Management habe in den vergangenen vier Monaten mit vielen Maßnahmen versucht, die Kaufofferte zu behindern, teilte Veolia mit. Auch beim jüngsten Treffen mit dem Suez-Chef Bertrand Camus (53) und dem Veolia-Chef Antoine Frérot (62) am 5. Februar habe man keine Fortschritte erzielen können, hieß es in der Mitteilung weiter. Man ziehe deshalb die Konsequenzen und mache die Übernahme nicht mehr von der Zustimmung des Suez-Verwaltungsrates abhängig.

Für die Suez-Aktionäre liegt nun das Angebot von 18 Euro je Aktie auf dem Tisch. Mit der neuen Offerte wird das Suez-Aktienkapital mit 11,3 Milliarden Euro bewertet. Das Unternehmen ist aber auch mit zehn Milliarden Euro verschuldet. Veolia hatte Anfang Oktober dem Energiekonzern Engie dessen 29,9 Prozent-Anteil an Suez für 3,4 Milliarden Euro abgekauft. Die Aktien von Veolia  lagen am Morgen gut 1,3 Prozent im Minus, während die Anteilsscheine von Suez  gut ein Prozent schwächer bei 17,09 Euro notierten.

Frankreichs Wirtschaftsminister will Aufsichtsbehörde einschalten

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire (51) kündigte an, die französische Finanzmarktaufsicht einzuschalten. "Dieses Angebot ist nicht freundlich und verstößt gegen die Zusagen, die Veolia bei mehreren Gelegenheiten gemacht hat. Es wirft auch Fragen der Transparenz auf. Warum wurde dieses Angebot plötzlich auf den Tisch gelegt?", sagte er dem Sender Europe 1. Das Angebot sei übereilt. Er forderte alle Beteiligten auf, auf den Weg des Dialogs zurückzukehren.

Französische Gewerkschaften sprachen von einer "Kriegserklärung". Suez nannte die Offerte an die Aktionäre "illegal", da sich Veolia zuvor vor Gericht verpflichtet habe, nicht feindlich vorzugehen.

Veolia hatte im Sommer den Kampf um die Übernahme von Suez gestartet. Das ursprüngliche Angebot von 15,50 Euro wurde Ende September erhöht. Es ist für Veolia der zweite Versuch, Suez zu übernehmen. 2012 war die Suez-Übernahme durch Veolia unter anderem an kartellrechtlichen Bedenken gescheitert.

Eine Fusion würde einen Abfall- und Abwasserentsorger mit einem Jahresumsatz von 40 Milliarden Euro schaffen. Suez setzte 2019 mit rund 90.000 Mitarbeitern insgesamt 18,05 Milliarden Euro um. Veolia verbuchte mit 171.000 Mitarbeitern im gleichen Zeitraum 27,19 Milliarden Euro.

mg/dpa-afx, Reuters
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