Sonntag, 25. August 2019

Versicherer kritisieren Styropor Der Dämmstoff, aus dem die Albträume sind

Dämmung mit Styropor-Platten

2. Teil: Das Inferno von Düsseldorf

Das krasseste bekannte Beispiel einer brennenden Styropor-Wärmedämmung war die Feuerkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen im Jahr 1996. Damals starben 17 Menschen, als sich die Flammen zunächst kaum bemerkt durch die Zwischendecken des Gebäudes fraßen. Das Styropor war bereits Jahrzehnte zuvor unsachgemäß verbaut worden.

In der jüngeren Vergangenheit hat es mehrere Großbrände in der Lebensmittelindustrie gegeben, die nun Teile der Versicherungsbranche auf den Plan rufen. Bei den Firmen Westfleisch, Wiesenhof und Pfalzgraf standen Betriebsstätten zuletzt in Flammen.

Manche Branchen- und Brandschutzexperten gehen davon aus, dass Styropor zumindest in einigen Fällen für das Ausmaß des Brandes mitverantwortlich war. Offiziell ist Styropor jedoch in keinem Fall als Brandbeschleuniger genannt worden. Auf Nachfragen zur Rolle von EPS-Hartschaum oder anderen Dämmstoffen beim Feuer erhielt manager-magazin.de von den betroffenen Firmen keine oder lediglich ausweichende Antworten.

Für die Versicherungsbranche besteht jedenfalls Handlungsbedarf

Für die Versicherungsbranche besteht jedenfalls Handlungsbedarf. Unternehmen mit hohem Styropor-Anteil und auch unmoderner Brandschutztechnik haben bei ihnen zunehmend schlechte Karten.

"Je mehr Nahrung das Feuer findet, umso intensiver ist das Brandgeschehen", sagte ein Sprecher des Versicherers Talanx gegenüber manager-magazin.de. "Es liegt daher in der Natur der Sache, dass das Ausmaß an Brandlasten weitestgehend reduziert werden sollte. Das betrifft also auch die Dämmung." Sein Unternehmen empfehle "grundsätzlich, nicht brennbare Baustoffe zu verwenden".

Folgt eine Firma diesem Ratschlag nicht, wird die Versicherung zumindest teurer. "Polystyrol ist brennbar, aber Standard bei bestimmten Industriebauten", sagt ein Sprecher des Hannoveraner Versicherers VGH gegenüber manager-magazin.de. "Wir berücksichtigen dies selbstverständlich bei der jeweiligen Risikobewertung und Kalkulation."

VGH hatte im vergangenen Jahr angekündigt, keine Unternehmen der Wiesenhof-Gruppe mehr zu versichern, nachdem es bei dem Geflügelzüchter zwei Großbrände gegeben hatte. Zu einem möglichen Zusammenhang mit Dämm-Materialien wollten sich weder VGH noch Wiesenhof äußern.

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