Stromspeicher-Hersteller gehen in die Offensive Der Kampf um Deutschlands Keller ist eröffnet

Der Kampf um Deutschlands Keller ist eröffnet: Dank neuer, billigerer Stromspeicher können sich viele Hausbesitzer unabhängiger von ihrem Versorger machen. Firmen aus verschiedenen Branchen greifen an. Eine Übersicht.
Sehen Chancen im Batterie-Geschäft: Stefan Quandt (Solarwatt, o.l., im Uhrzeigersinn), Wang Chuanfu (BYD), Dieter Zetsche (Daimler), Elon Musk (Tesla), Philipp Schröder (Sonnen), Johannes Teyssen (Eon)

Sehen Chancen im Batterie-Geschäft: Stefan Quandt (Solarwatt, o.l., im Uhrzeigersinn), Wang Chuanfu (BYD), Dieter Zetsche (Daimler), Elon Musk (Tesla), Philipp Schröder (Sonnen), Johannes Teyssen (Eon)

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Blockheizkraftwerk, Solaranlage, Batterie: Wie ein Selbstversorger-System funktioniert

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Die Preise für Lithium-Ionen-Batterien sinken kontinuierlich - das erfreut nicht nur Hersteller von Elektroautos. Die Akku-Industrie zielt inzwischen verstärkt auf die Keller von Immobilienbesitzern. Dort könnten zunehmend Heimspeicher einen Platz finden - und Verbraucher unabhängiger von ihrem Versorger machen, wenn sie mit einer Solaranlage kombiniert werden.

Eine umfassende Analyse des Deutschen Cleantech-Instituts in Zusammenarbeit mit manager-magazin.de zeigt, dass die Geräte immer häufiger wirtschaftlich sind - und wie groß das Angebot inzwischen ist.

Anbieter aus ganz verschiedenen Branchen wollen die Energiewende für sich nutzen und möglichst große Stücke vom Kuchen erobern, der beständig wächst. manager-magazin.de identifiziert die wichtigsten Spieler.

Die Energieversorger: Wenn Du Dich nicht selbst kannibalisierst ...

Eon-Chef Johannes Teyssen: Auch die etablierten Versorger mischen beim Akku-Geschäft mit

Eon-Chef Johannes Teyssen: Auch die etablierten Versorger mischen beim Akku-Geschäft mit

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RWE in Trümmern: Aufstieg und Absturz einer westdeutschen Industrie-Ikone

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Energiewende und Energieversorger - das hat lange überhaupt nicht zusammengepasst. RWE (Kurswerte anzeigen), Eon und Co. leiden seit Jahren unter der staatlich geförderten Flut von Solaranlagen und Windrädern. Und jetzt auch noch Speicher? Diese könnten endgültig dazu führen, dass die Platzhirsche, zu denen auch Stadtwerke gehören, kaum noch gefragt sind.

Doch anders als zu Beginn des Ökostrombooms mischen die etablierten Versorger bei Akkus voll mit. "Wir möchten unsere Kunden dabei unterstützen, zu selbständigen Energie-Managern zu werden", sagt beispielsweise Eon-Vorstand Karsten Wildberger. Dazu bietet das Unternehmen Solaranlagen, Heimakkus und die Möglichkeit, Strom virtuell in einer Cloud zu speichern.

Vor- und Nachteil zugleich für die Unternehmen dürfte ihre Vergangenheit als Quasi-Oligopolisten sein. Einerseits haben sie den Draht zu Millionen Kunden, kennen deren Gewohnheiten und wissen um technische (Un-) Möglichkeiten vor Ort. Andererseits sind die Firmen und ihre Mitarbeiter oft wenig geübt darin, Kunden Produkte effektiv zu verkaufen - und kämpfen trotz des Gesinnungswandels mitunter noch mit ihrem alten Ruf als Energie-Dinos.

Die etablierten Autohersteller: Mercedes-Stern im Heizungskeller

Dieter Zetsche (Daimler): Mecerdes-Benz Energy vertreibt Hausakkus aus Sachsen

Dieter Zetsche (Daimler): Mecerdes-Benz Energy vertreibt Hausakkus aus Sachsen

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Batteriefabriken für Elektroautos: Um diese Wertschöpfungskette streitet Auto-Deutschland

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Die Idee ist bestechend einfach: Wenn sich Elektroautos zunehmend durchsetzen, werden Fahrzeughersteller zugleich zu Batterie-Spezialisten. Was liegt da näher, Skaleneffekte zu erzeugen, indem die Firmen nicht nur Autoakkus, sondern auch Heimspeicher anbieten?

Am weitesten vorgewagt von den etablierten Herstellern hat sich bei diesem Thema Daimler . Unter dem Namen Mercedes-Benz Energy vertreibt der Autobauer Hausakkus aus der eigenen Batteriefabrik in Sachsen. Die Geräte sollen auch Lastspitzen abfedern, wenn Elektroautos in der Garage geladen werden.

Konkurrent BMW  hegt ähnliche Pläne. Außerdem wollen die Münchener älteren Akkus aus ihren Fahrzeugen ein zweites Leben in Häusern geben, wo sie weniger stark beansprucht werden.

Fachleute sind sich nicht einig darüber, ob sich die gewünschten Synergien so einfach heben lassen, wie es den Automanagern vorschwebt. So benötigen Fahrbatterien prinzipiell eine andere Zellchemie und eine andere Zell-Architektur als Hausspeicher. Auf der anderen Seite sind die Rohstoffe oft dieselben.

Die Batterie-Angreifer aus Asien: Machen die Chinesen alles platt?

Wang Chuanfu (BYD): Die Firmen aus Fernost wollen Kostenvorteile nutzen

Wang Chuanfu (BYD): Die Firmen aus Fernost wollen Kostenvorteile nutzen

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Lithium: Das weiße Gold

Foto: Doc Searls / CC BY 2.0

In China konzentriert sich die Batterie-Branche derzeit stark auf Elektroautos. Firmen wie BYD, Baic oder Geely sehen in der aufstrebenden Technologie die große Chance, endlich zu den Großen der weltweiten Autoindustrie aufzuschließen. Strom daheim zu speichern lohnt sich in der Volksrepublik in den allerwenigsten Fällen.

Allerdings haben Chinesen und andere Asiaten wie LGChem aus Korea längst erkannt, dass Europa, Teile der USA und Australien sehr attraktive Märkte für Zuhause-Akkus sind. Dort bieten sie bereits vergleichsweise günstige Geräte an.

Die Firmen in Fernost sehen ebenfalls Verbindungen zum Autogeschäft und wollen Kostenvorteile nutzen. Allein in China sind derzeit dutzende Batteriefabriken im Bau - sie dürfen zunehmend auch Kraftpakete für den Keller ausstoßen.

Die deutschen Mittelständler: Überraschend erfolgreich

Philipp Schröder (Sonnen): Energiewende früh weitergedacht

Philipp Schröder (Sonnen): Energiewende früh weitergedacht

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Ranking der Tesla-Fighter: Diese Batterie-Mittelständler bieten Elon Musk die Stirn

Foto: E3/DC

Deutschland blickt auf eine große Geschichte der Batterie-Industrie zurück. Siemens, AEG, Afa, Varta - die Industrialisierung brachte eine Reihe von Akkumulatoren-Herstellern hervor, die Geräte für völlig unterschiedliche Anwendungsbereiche lieferten. Zum Teil erklärt sich die große Anzahl deutscher Mittelständler auf dem Heimspeicher-Markt auch mit der Historie - so greift BMW-Eigner Stefan Quandt die Batterie-Tradition der Familie mit seinem Engagement bei Solarwatt in Dresden auf.

Auch andere Start-ups wie Sonnen aus Bayern oder E3/DC aus Osnabrück (Ausgründung von Karmann) haben die deutsche Energiewende früh weitergedacht. Sie machten sich rechtzeitig an die Entwicklung praktikabler Speicher für den unregelmäßig anfallenden Strom aus Wind- und Solaranlagen.

Von diesem Vorsprung profitieren die Unternehmen und dominieren den Markt hierzulande immer noch. Oft haben sie exzellente Beziehungen zur deutschen Handwerkerschaft, die die Geräte oft verkauft und installiert. Ausgestattet mit diesem Heimvorteil machen sich die Firmen teils daran, Märkte im Ausland zu erobern.

Tesla: Eine Gigafactory ist nicht genug

Elon Musk (Tesla): Batteriespeicher Powerwall 2 soll den Durchbruch bringen

Elon Musk (Tesla): Batteriespeicher Powerwall 2 soll den Durchbruch bringen

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Teslas Gigafactory: Hier entsteht die größte Fabrik der Welt

Foto: Tesla

Die von Multi-Unternehmer Elon Musk geführten Kalifornier nehmen für sich in Anspruch, die Energiewelt komplett auf den Kopf zu stellen. Neben Elektroautos und Solaranlagen (Solarcity-Übernahme) stellen Speicher einen entscheidenden Baustein in dieser Strategie dar. Die im Bau befindliche Gigafactory in Nevada soll derartige Akkus in riesiger Zahl produzieren.

Abgesehen von der angestrebten Schlagkraft durch Größe dürfte die Marke des Unternehmens inzwischen Teslas wichtigster Pluspunkt sein. Vor allem in den USA hängen Tech-Fans an den Lippen von Musk und feiern Neuheiten schon einmal, bevor diese ihre Qualität bewiesen haben.

Bei Batteriespeichern für zu Hause führte das zu einem wenig beachteten Fiasko: Die erste so genannte Powerwall war technisch und ökonomisch ein echter Flop. Doch die Kundschaft nahm es gelassen und wartet nun auf die Powerwall 2, die ab Mai nach Deutschland kommen soll.

Aufgrund einer recht großen Kapazität und dem Kampfpreis von unter 7000 Euro (ohne Installation) könnte der Akku den Durchbruch bringen - für Tesla und die Heimspeicher allgemein. Zumal die Konkurrenz bald mit ähnlichen Preisbrechern nachziehen dürfte.

Stöbern Sie hier in den Listen mit den Top-Stromspeichern!

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