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BMW-Großaktionär: Das Firmenimperium des Stefan Quandt

Foto: Solarwatt / Guenther Reisp

BMW-Großaktionär Stefan Quandt spricht über sein Batterieprojekt So will der Anti-Musk den Energiemarkt aufmischen

Es kommt nicht oft vor, dass BMW-Großaktionär Stefan Quandt das Licht der Öffentlichkeit sucht. Hier eine Hauptversammlung des bayerischen Autobauers, dort eine Journalistenpreis-Verleihung - viel mehr Anlässe für den Kontakt mit der Außenwelt passen nicht zu der verschwiegenen Art, mit der der Milliardär sein Reich an großen und kleinen Beteiligungen regiert.

Doch für sein jüngstes Industrieprojekt macht der 49-Jährige eine seltene Ausnahme: Mit seiner lange angeschlagenen Dresdner Firma Solarwatt will Quandt ein neues Kapitel der deutschen Energiewende aufschlagen. Und so verfolgt der lange und schlanke Unternehmer bei der Münchener Speichermesse EES aus der ersten Reihe, wie seine Manager eine Batterie vorstellen, mit der sie die Stromwelt auf den Kopf stellen möchten.

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BMW-Großaktionär: Das Firmenimperium des Stefan Quandt

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Gekoppelt mit einer Solaranlage soll sie Strom billiger bereitstellen als vom Versorger. Hausbesitzer sollen so unabhängiger werden von RWE , Eon  und Co. Fachleute prophezeien der Technik einen Multimilliardenmarkt, und Quandt spielt nach ihrer Auffassung technisch weit vorn mit. Gelingt ihm mit der Batterie endlich mal wieder einer der großen unternehmerischen Coups, die seine Familie zur reichsten Sippe des Landes machten?

Das Solar-Trauma von 2012 wirkt noch nach

"Der Speicher ist der entscheidende Baustein für die Zukunft von Solarwatt", sagt Quandt am Rande der Präsentation gegenüber manager magazin online. Das lange auf Photovoltaik spezialisierte Unternehmen erholt sich noch von der schweren Krise, die 2012 in der Insolvenz mündete. Zu jener Zeit fegte die chinesische Billigkonkurrenz fast die gesamte deutsche Solarindustrie hinweg. Daraufhin übernahm Quandt, seit 1997 Aktionär, 90 Prozent der Anteile. Die Batterie muss jetzt den Erfolg bringen.

Das Timing für Quandts Akkuwette stimmt jedenfalls. Spätestens seit Tesla-Chef Elon Musk ebenfalls einen günstigen Speicher für den Hausgebrauch präsentiert hat, erwarten viele Analysten einen Umbruch am Energiemarkt: Die Zeit der großen Kraftwerke und Versorger wie RWE und Eon könnte ihrem Ende entgegen gehen, eine Epoche der dezentralen, auf erneuerbaren Quellen basierenden Energiewirtschaft beginnen.

Wenn Stefan Quandt mit seiner Dresdner Firma diesen Umsturz verkörpern soll, fällt die Revolution allerdings sehr friedlich aus. Worte wie Disruption sind ihm fremd, der Vergleich mit Musk ist ihm lästig. "Dass wir ungefähr zur selben Zeit mit einem Speicher an den Markt gehen, ist Zufall. Aber auch ein Indiz dafür, dass nicht nur wir in diesem Markt ein starkes Wachstum erwarten."

Den Ball flachhalten, die eigenen Manager in Ruhe machen lassen - diese Taktik hat Tradition im Hause Quandt. Und ist wohl auch eine Lehre aus dem ersten tragischen Versuchs mit Solarwatt. Doch geht die Strategie auf in einer Zeit, da die US-Konkurrenz zunehmend auf Personenkult setzt?

Stefan Quandt - das ultimative Gegenkonzept zu Tesla-Chef Elon Musk

Startup-Popstar Musk mit seinen Firmen Tesla  (Elektroautos, Energiespeicher), SpaceX (Raumfahrt) und SolarCity  (Solaranlagen) versammelt in den sozialen Netzwerken Millionen Bewunderer hinter sich. Auf der Bühne präsentiert der Milliardär kreischenden Fans seine Neuheiten. Zweifelt die Fachpresse an der Wirtschaftlichkeit der Batterie, entgegnet Musk: "Die Leute werden sie trotzdem kaufen!"

Und hier das komplette Gegenmodell: Stefan Quandt, die Eminenz im Hintergrund. In weit über Hundert Jahren haben seine Vorfahren und er - nicht zuletzt im Batteriegeschäft - ein Vermögen aufgebaut, das manager magazin zuletzt auf 31 Milliarden Euro taxiert hat. Damit haben die Quandts im jüngsten manager-magazin-Ranking den Titel der reichsten Familie des Landes errungen. Das macht gelassen. Und scheu.

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Ranking der Tesla-Fighter: Diese Batterie-Mittelständler bieten Elon Musk die Stirn

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Dem 49-Jährigen wird etwa ein Drittel des Familienvermögens zugerechnet. Der überragende Teil davon steckt in seinem 16-Prozent Anteil bei BMW . Dort überwacht er die erfolgreichen Geschäfte als stellvertretender Chef des Aufsichtsrats.

Da blitzt sie einmal auf bei Quandt, die Idee von etwas völlig Neuem

Solarwatt erscheint dagegen wie eine zu vernachlässigende Größe. Auf etwa 75 Millionen Euro soll der Umsatz in diesem Jahr wieder wachsen, hofft das Management. Vor einigen Jahren erlöste das Unternehmen ein Vielfaches davon. Von Gewinnen ist derzeit nicht die Rede.

Doch Quandts persönlicher Einsatz für die Firma lässt erahnen, dass er einiges mit ihr vorhat. "Ins Tagesgeschäft mischt er sich nicht ein", sagt Solarwatt-Geschäftsführer Detlef Neuhaus. "Über die Strategie diskutieren wir dagegen mit unserem gesamten Verwaltungsrat, zu dem Herr Quandt zählt."

Ziel Nummer eins: Das freudlose Geschäft mit den Solarpaneelen soll sich endlich wieder lohnen - als Teil eines Gesamtpakets. "Zusammen mit einem Speicher und einer Energiesteuerung sind die Module Teil eines intelligenten Systems", sagt Quandt. Dieses "ermöglicht Solarwatt wieder ein profitables Geschäft".

Sein Plan geht noch weiter: "Richtig interessant wird es, wenn Batterien in Privathäusern und Unternehmen zusammengeschaltet werden - Stichwort Schwarmenergie." Da blitzt sie einmal auf, die Idee von etwas völlig Neuem, einer Zeitenwende in der Energieindustrie.

Daimler stellt Quandts Strategie infrage

Doch Quandt bremst sich gleich wieder. Selbstverständlich könnten dabei auch die traditionellen Anbieter von Energie eine Rolle spielen, seien es Stadtwerke oder die großen Energieerzeuger. Auf der Münchener Messe schaut er später denn auch noch am Stand von RWE auf einen Plausch vorbei.

Wie viel Aggressivität aber ist nötig, um das neue Stromzeitalter auf Dauer zu prägen? Ist es erforderlich, die Welt im Stil von Elon Musk permanent mit Heilsversprechen zu überschütten? Müssen Firmen ihre Wettbewerber mit Kampfpreisen traktieren wie die Asiaten? Oder führt der Ansatz von Solarwatt zum Ziel, die Herzen der Kunden mit einem technisch anerkannten Produkt aus deutscher Herstellung zu gewinnen?

Der Weg für Quandt in den Olymp der neuen Energiewelt dürfte jedenfalls beschwerlich werden, auch wenn Solarwatt viel Lob für sein günstiges und leicht zu montierendes Gerät bekommt. Die Konkurrenz auf dem noch überschaubaren Markt für Hausbatterien - bisher wurden in Deutschland etwa 20.000 Stück verkauft - ist extrem groß.

"BMW und Solarwatt sind zwei verschiedene Themen für mich"

Auf der Messe ist der Tesla-Stand nur ein paar Schritte von Solarwatt entfernt. In Reichweite sind zahllose weitere mittelständische Wettbewerber wie Sonnenbatterie, Senec-ies, E3DC oder Varta platziert. Dazu kommen große Anbieter wie Samsung  und Panasonic , die unter eigenem Namen sowie als Zulieferer auftreten.

Und gleich neben der Quandt-Firma hat sich kein geringerer als die Deutsche Accumotive aufgebaut. Die Daimler-Tochter will den Hausbatterie-Hype ebenfalls mit ihrem eigenen Speicher nutzen. Auf dem Gerät prangt der Mercedes-Stern. Eine Mitarbeiterin erklärt die Logik mit einer simplen Kugelschreiber-Zeichnung: Die gleichen Module finden Platz im Elektro-Smart, der Plugin-S-Klasse wie auch im Keller.

Damit stellt Daimler  faktisch Quandts Batterie-Strategie infrage. Denn die Solarwatt-Akkus sind offiziellen Angaben zufolge völlig andere als die in den Elektroautos von BMW. Synergien? Gibt es offiziell (fast) keine.

"BMW und Solarwatt sind zwei verschiedene Themen für mich", sagt Quandt. Als die Dresdner Firma einmal den Zuschlag für den BMW-Solar-Carport bekommen hatte, habe er davon erst nach der Vertragsunterzeichnung erfahren. Die große Elektrorevolution aus einer Hand, stationär und mobil? Da winkt der Großinvestor ab.

Volles Risiko - das ist nichts für Stefan Quandt

Bisher läuft das Geschäft aber auch ohne Universalvision im Stil von Elon Musk gut an. Die Zahl der Batterie-Bestellungen übertreffe die Produktionskapazitäten bei weitem, sagt Solarwatt-Finanzvorstand Carsten Bovenschen.

Letztere tendieren allerdings auch noch gegen Null. Am Dresdener Firmensitz, wo Solarwatt den Speicher vor zwei Wochen erstmals vorstellte, suchten die Gäste vergeblich nach einer Fertigungslinie. Die Verhandlungen über einen Ort für die Endmontage liefen auf Hochtouren, heißt es aus der Firmenleitung. Sie werde auf jeden Fall in Deutschland erfolgen.

Im kommenden Jahr will Solarwatt zunächst 4000 bis 6000 Geräte herstellen und damit einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent erreichen. "Wir fahren die Produktion langsam hoch und werden nicht hektisch", sagt Geschäftsführer Neuhaus.

Zu gut erinnern sich Quandt und seine Leute an das Fiasko, das die deutsche Solarindustrie hinter sich hat. Fabrik um Fabrik zogen Solarworld , Q-Cells, Conergy  und Co. hoch - und eben auch Solarwatt. Dann ruinierten die Chinesen das Geschäft mit ihren Billigpaneelen. Deshalb heißt es nun abwarten, sich langsam vortasten, so viele Produktionsaufträge wie möglich an andere Firmen vergeben. Volles Risiko - das ist eben nichts für einen Stefan Quandt, der außer einem Vermögen einen guten Namen zu verlieren hat.

Exitus oder Wendepunkt

Droht dieser Fall, wenn bald die Billigakkus aus Asien den Markt erobern, wie von Experten prognostiziert? Wiederholt sich die Geschichte der deutschen Solarindustrie? Quandt sagt, er sei vorbereitet. "Ein drastischer Preisverfall bei Batteriezellen wäre nicht schlimm, eher im Gegenteil: Diesen Bestandteil unseres Systems kaufen wir ja zu."

Er glaubt nicht daran, dass eines Tages containerweise komplette Solarstrom-Selbstversorgersysteme aus China kommen: "Wir können hier vor Ort die Bedürfnisse der Kunden viel besser erkennen und die Produkte danach ausrichten."

Liegt Quandt mit dieser Prognose falsch, würde es wohl das Aus für seine Dresdner Firma und weite Teile der verbliebenen deutschen Solarindustrie bedeuten. Behält er Recht, könnte sein Investment ein Wendepunkt in der von vielen Pleiten geprägten Geschichte der deutschen Energiewende sein.

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