Solarwatt-Chef über Stromspeicher als Energie-Revolution So lässt Solarwatt aus Sachsen Elon Musk abblitzen

Solardach: Seit Tesla seine Hausbatterie vorgestellt hat, mit der Verbraucher ihren Sonnenstrom selbst nutzen können, redet die Energie-Welt von einem Umbruch in der Branche. Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus sieht den Tesla-Angriff gelassen

Solardach: Seit Tesla seine Hausbatterie vorgestellt hat, mit der Verbraucher ihren Sonnenstrom selbst nutzen können, redet die Energie-Welt von einem Umbruch in der Branche. Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus sieht den Tesla-Angriff gelassen

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mm: Herr Neuhaus, warum zur Hölle soll sich ein Hausbesitzer eine große Batterie in den Keller stellen?

Neuhaus: Unser Gerät ist gar nicht besonders groß, und von "stellen" kann keine Rede sein: Der Installateur hängt es an die Wand. Besitzer von Solaranlagen verbrauchen ihren Sonnenstrom dann ganz überwiegend selbst. So machen sie sich unabhängiger von ihrem Energieversorger und sparen Geld.

Detlef Neuhaus
Foto: Michael Tewes
Foto: Solarwatt

Detlef Neuhaus (Jahrgang 1964) ist seit 2012 Chef der Dresdner Energiefirma Solarwatt. Seit Jahrzehnten in der Haustechnik-Branche tätig, treibt er nun die relativ neue Speichertechnik voran - zusammen mit Solaranlagen und intelligenter Energiesteuerung. Das Unternehmen ist mehrheitlich im Besitz von BMW-Erbe Stefan Quandt.

mm: Wie soll das gehen? Die kleinste Batterie ihrer Firma Solarwatt kostet 5500 Euro brutto.

Neuhaus: Wir bieten als erste Firma ein System, das sich ohne Subventionen lohnt. Legt man eine Standard-Solaranlage und ein typisches Verbrauchsverhalten zugrunde, dann kostet der Strom aus der Batterie 24 Cent pro Kilowattstunde - über eine 15-jährige Batterielaufzeit gerechnet. Versorger verlangen derzeit etwa 28 Cent.

mm: Selbst wenn das hinkommt und alle von Ihnen angenommenen Rahmenbedingungen zutreffen - ohne Batterie lohnt sich eine Solaranlage mehr als mit. Es gibt also streng genommen keinen ökonomischen Anreiz, die Batterie dazuzukaufen.

Neuhaus: Das kann so sein, weil es noch eine feste Einspeisevergütung für überschüssigen Solarstrom gibt, gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Aber es geht nicht für jeden potenziellen Kunden darum, den letzten Cent zu sparen. Eine Batterie macht auch unabhängiger. Wenn die Versorger ihre Preise erhöhen, betrifft das einen Speicherbesitzer weniger. Er kann seinen Strombedarf bis zu 80 Prozent selbst decken. Mit einer Solaranlage allein sind es vielleicht 20 Prozent.

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mm: Auf den Kosten für die Stromnetze bleiben zunehmend die Verbraucher ohne solche Geräte sitzen. Eon-Chef Teyssen hat Strom-Selbstversorger deshalb einmal als "Schwarzbrenner" bezeichnet.

Neuhaus: Das sagen die richtigen! Natürlich entstehen Kosten, über die wir reden müssen. Auch bei den konventionellen Erzeugungsarten gibt es Kosten, die über Steuern auf die Bürger umgelegt werden und die im Vergleich deutlich größer sind. Solche provokativen Sätze sind die letzten Verhinderungstaktiken.

"Wegen Tesla habe ich noch keine Nacht schlecht geschlafen"

mm: Die ganze Energie-Welt fragt sich, ob Speicher bald die Versorger ruinieren - seit Tesla-Chef Elon Musk mit großem Tamtam seine Batterie vorgestellt hat. Gegen dessen Marketing-Macht haben Sie schlechte Karten, auch wenn Ihr Besitzer BMW-Großaktionär Stefan Quandt ist.

Neuhaus: Wegen Tesla habe ich noch keine Nacht schlecht geschlafen. Ich bin davon überzeugt, dass wir das bessere Produkt auf den Markt bringen. Elon Musk hat allen erzählt, dass er mit der Batterie die Welt erobert. Aber der Speicher wird noch gar nicht ausgeliefert. Und was er können wird, ist ziemlich unklar.

mm: Tesla berichtet dennoch, dass Kunden bereits zehntausende Batterien bestellt haben .

Neuhaus: Ein Speicher ist durchaus ein emotionales Produkt. Und es ist natürlich keinesfalls sicher, dass das beste Gerät sich auch am besten verkauft. Fakt ist aber, dass wir ein überlegenes, verkaufsfähiges und lieferbares Produkt vor dem Wettbewerber auf den Markt bringen. Dann werden wir sehen, was passiert.

mm: Wie viele Batterien wollen Sie überhaupt absetzen?

Neuhaus: Mittelfristig wollen wir in Deutschland Marktführer werden, mit etwa 20 bis 25 Prozent. Im kommenden Jahr streben wir 10 bis 15 Prozent an. Bezogen auf das geschätzte Marktvolumen von 40.000 Stück wären das 4000 bis 6000 Geräte. Wir fahren die Produktion langsam hoch und werden nicht hektisch.

mm: Welche Rolle spielt Stefan Quandt in Ihrem Unternehmen? Ist er ungeduldig?

Neuhaus: Herr Quandt engagiert sich seit 17 Jahren in unserem Unternehmen. Ihn treibt das unternehmerische Interesse. Und er ist überzeugt, dass regenerative Energien an Bedeutung gewinnen. Ins Tagesgeschäft mischt er sich nicht ein. Über die Strategie diskutieren wir dagegen mit unserem gesamten Verwaltungsrat, zu dem Herr Quandt zählt.

Ein Marketing-Feuerwerk wie von Musk? "Wir möchten halten, was wir versprechen"

mm: Stefan Quandt ist auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei BMW, und Solarwatt kooperiert mit BMW  im Bereich Elektroautos. Planen Sie zusammen die große Auto- und Energierevolution, so wie es Tesla-Chef Elon Musk nach eigenem Verständnis mit seinen Cousins bei Solarcity tut?

Neuhaus: Die Portfolien unterscheiden sich. Aber es gibt tolle Synergien zwischen BMW und Solarwatt. Solaranlagen, die das Elektroauto aufladen; das Auto, das Strom zurück ins Netz speist - das sind spannende Themen.

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mm: Sind Sie auch ein wenig die Resterampe von BMW? Verscherbeln Sie die Batterien, die wegen geringer Nachfrage nach Elektroautos übrig sind?

Neuhaus: Nein, wir haben unterschiedliche Quellen. Von wem wir die Batteriezellen beziehen, darf ich nicht sagen - aber es ist jedenfalls nicht Samsung  (Lieferant von BMW, Anm. d. Red.). Eine Hausbatterie ist auch etwas völlig anderes als eine Batterie für ein Elektroauto.

mm: Herr Neuhaus, Sie arbeiten an demselben Produkt wie Tesla-Chef Elon Musk und klingen doch ganz anders. Musk will die Energiewelt revolutionieren und die Welt retten, darunter macht er es nicht. Sollten Sie ihre Rhetorik da nicht etwas anpassen, um medial nicht unter die Räder zu kommen?

Neuhaus: Wir möchten ja halten, was wir versprechen. Aus meiner Sicht setzt sich die neue Energie-Technologie kontinuierlich durch. Eine Revolution oder einen plötzlichen Umbruch sehe ich nicht, anders als mancher im Silicon Valley.

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