Samstag, 25. Mai 2019

Schulden in Milliardenhöhe US-Solarriese Sun Edison flieht unter Gläubigerschutz

Firmensitz von Sun Edison in Kalifornien: Riskantes Wachstum

Die US-Solarfirma Sun Edison hat einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 gestellt. Die Verbindlichkeiten seien auf einen zweistelligen Milliarden-Dollar-Betrag gestiegen, hieß es. Seit Wochen kämpft der Konzern ums Überleben : Die Insolvenz ist laut "Fortune" die größte Pleite außerhalb des Finanzsektors innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Die Aktie wurde vom Handel ausgesetzt.

Bis vor kurzer Zeit galt Sun Edison als wachstumsstärkstes US-Unternehmen in der boomenden Erneuerbare-Energien-Branche. Inzwischen ist es knapp bei Kasse und hat Schulden in Höhe von 12 Milliarden Dollar angehäuft. Der Aktienkurs ist innerhalb eines Jahres um 99 Prozent eingebrochen.

Wie konnte es so weit kommen? Immerhin sind die Aussichten für alternative Energien in den USA und anderswo zurzeit so rosig wie seit Jahren nicht.

Sinkende Kosten machen Solar- und Windenergie konkurrenzfähig zu Kohle, Gas und Co.. Das Klimaabkommen von Paris erhöht den Druck auf Regierungen weltweit, den Ökostrom-Boom zu beschleunigen. Und in den USA haben die Parlamentarier gerade Steuervorteile für erneuerbare Energien verlängert.

Offensichtlich hat sich Sun Edison in diesem Umfeld hier und dort übernommen, um die Stellung als größter Projektierer von Solar- und Windparks auszubauen. Einer der ärgsten Konkurrenten ist Solarcity, wo Tesla-Chef Elon Musk mitmischt. Das Geschäftsmodell der Branche beruht darauf, Kunden die Solaranlagen vorzufinanzieren.

Die Firmen müssen ständig neue Kunden gewinnen, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. "Wenn man einmal in diesem Hamsterrad ist, hält es nicht mehr an", sagt Analyst Ray Prabhu der Zeitschrift "Technology Review" . Bei einigen Projekten bot Sun Edison ihren Strom zu derart niedrigen Preisen an, dass schon kleinste Abweichungen bei der Projektabwicklung zum Problem wurden.

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