Eon und RWE wollen auch mitmachen Energieindustrie erwartet Solar-Goldrausch in den USA

Solarkraftwerk im US-Bundesstaat Nevada: Steuererleichterungen bleiben bestehen

Solarkraftwerk im US-Bundesstaat Nevada: Steuererleichterungen bleiben bestehen

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Ein kleines Kapitel, versteckt ab Seite 2005 im US-Haushaltsgesetz, lässt die Solarindustrie vor Freude jauchzen. Um satte fünf Jahre wird der 30-prozentige Steuernachlass für Sonnenenergie-Kraftwerke verlängert und läuft anschließend langsam aus. So haben es Republikaner und Demokraten in der Nacht zu Donnerstag in einem spektakulären Polit-Deal beschlossen. Im Gegenzug hob der Kongress das Exportverbot für Rohöl auf.

Der Beschluss hat es in sich. Denn dank dem Steuer-Kracher  behält die Photovoltaik-Branche in den USA einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Mit dem üppigen Geschenk hatten Investoren offenbar überhaupt nicht gerechnet: Die Aktien von Firmen wie Solarcity, Sunrun oder First Solar  legten mit einem Schlag um bis zu 35 Prozent zu. Auch deutsche Werte wie SMA Solar  (plus 9 Prozent) oder Centrosolar (plus 40 Prozent) gewannen am Donnerstag deutlich.

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Elon Musks Cousin gehört zu den größten Gewinnern

"Wir applaudieren dieser Vereinbarung, die dem Wachstum der Solarenergie Priorität einräumt", jubelte Solarcity-Chef Lyndon Rive, ein Cousin von Tesla  -Boss Elon Musk. Die Freude ist nachvollziehbar: Satte 40 Milliarden Dollar zusätzlich würden Investoren in den Jahren 2016 bis 2020 in den Bau von Solaranlagen in den USA stecken, hat die Beratung GTM Research in einer Schnellanalyse ermittelt.

Die frohe Kunde aus den USA passt ins Bild - zuletzt häufen sich die guten Nachrichten für die Solarindustrie:

• Auf dem Pariser UN-Klimagipfel haben 196 Staaten beschlossen, den Ausstoß von Treibhausgasen in den kommenden Jahrzehnten faktisch auf Null zurückzufahren. Experten rechnen damit, dass viele Länder der Sonnenkraft deshalb einen größeren Stellenwert einräumen

• So will Indien die Solarenergie bis zum Jahr 2022 auf 100 Gigawatt ausbauen. Das entspricht bei maximaler Auslastung der Leistung von 100 Atomkraftwerken. Etwa ein Fünftel der geplanten Anlagen hat die Regierung bereits genehmigt. Die USA, Frankreich und Deutschland unterstützen Indiens Solaroffensive

• Brasilien hat ebenfalls große Solarpläne. Am Dienstag gab die Regierung bekannt, bis 2030 Photovoltaikanlagen mit einer Kapazität von 23,5 Gigawatt zu installieren

• China erhöht seine Solar-Ziele beinahe im Quartalsrhythmus - zuletzt im Oktober auf 150 Gigawatt bis 2020. Zudem hat die Staatsführung gerade ein Programm ins Leben gerufen, mit dem Hausbesitzer Photovoltaikanlagen leasen können anstatt sie zu kaufen.

RWE und Eon planen solaren Großangriff fern der Heimat

Während die Solarindustrie in Europa weiterhin darbt, entdecken vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer die Photovoltaik für sich. Möglich macht das auch der rasante Preisverfall der Technik.

In Indien bieten Solarkraftwerks-Betreiber ihre Elektrizität bereits zu Preisen an, die auf dem Niveau von Kohlestrom liegen . Oft lassen sich Dörfer zudem einfacher mit Strom aus dezentralen Photovoltaikanlagen versorgen als mit Elektrizität aus Großkraftwerken, die durch lange und teure Leitungen transportiert wird.

Angesichts all dieser Entwicklungen fassen Anleger wieder Vertrauen in die Branche. Zuletzt hatten die Aktienkurse unter dem niedrigen Preis für den Konkurrenz-Energieträger Öl gelitten. Doch nun haben sich beispielsweise Anteile von Wechselrichter-Hersteller SMA in den vergangenen Monaten vervierfacht.

Eon baut Aktivitäten in den USA aus

Aufmerksam registrieren die deutschen Energieversorger den Trend. "Das ist auch gut für uns", sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Eon-Konzerns gegenüber manager-magazin.de mit Blick auf den Steuer-Deal in den USA. Eon ist dort hauptsächlich im Windsektor tätig, der ebenfalls vom neuen Haushaltsgesetz profitiert.

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"Wir verstärken aber auch unsere Solar-Aktivitäten", sagte der Unternehmenssprecher. Eon hat demnach in den USA Photovoltaikkraftwerke mit einer Kapazität von einem Gigawatt im Bau oder in Planung. Die Vereinigten Staaten erlebten gerade einen "Solar-Goldrausch", weil die Technik dank Kostensenkungen gerade konkurrenzfähig werde und daher boome.

Laut GTM könnten Solaranlagenbetreiber ihren Strom bald schon für weniger als vier US-Cent pro Kilowattstunde anbieten. Das ist billiger als Strom aus Gaskraftwerken - trotz historisch niedriger Gaspreise. Diese These stützt unter anderen auch die Investmentbank Lazard.

Gut möglich, dass Eon den Einsatz in Nordamerika daher erhöht: Die Beratung GTM rechnet dort mit einer Solarhausse, die den deutschen Boom der Jahre 2010 bis 2012 locker in den Schatten stellt. "Bis zum Jahr 2020 wird der jährliche Solarzubau auf 20 Gigawatt wachsen", schreiben die Analysten.

Droht eine Solar-Blase? Zellhersteller bauen schon wieder viele Fabriken

Auch RWE-Chef Peter Terium hat zuletzt die Chance der Solartechnik für sein Unternehmen betont. "Denkbar ist, dass wir in Zukunft wieder eine Milliarde Euro im Jahr in erneuerbare Energien investieren", sagte Terium und erwähnte große Solarprojekte im arabischen Raum.

Ähnlich wie Eon spalten sich die Essener demnächst auf. Dabei bündeln sie das Geschäft mit konventioneller Stromerzeugung in dem einen Unternehmen und die Aktivitäten mit erneuerbaren Energien, Netzen und Vertrieb in dem anderen.

So vielversprechend die Aussichten für Versorger scheinen, so gefährlich könnte die Lage dagegen für die Hersteller von Solarmodulen werden. Die Manager erinnern sich noch allzu gut an den Boom vor etwa fünf Jahren, dem ein harter Aufprall folgte, bei dem deutsche Firmen wie Q-Cells und Solon in die Pleite rutschten.

Doch wie damals investieren Trina, Jinko, Canadian Solar und Co. wieder munter in neue Fertigungslinien. Die fünf größten Hersteller erweitern ihre Kapazitäten derzeit um sieben Gigawatt, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg ermittelt hat .

"Wir sind wirklich sehr zuversichtlich", sagt Jinkos Marketingchef Arturo Herrero. "Wir können die Nachfrage unserer Kunden ohne neue Fabriken einfach nicht bedienen."