Samstag, 14. Dezember 2019

Solar, Wind, Elektroautos Wie China den grünen Markt abwürgt

Solarkraftwerk nahe der Stadt Xianning

In den Überresten des "Solar Valley" von Bitterfeld könnte sich jetzt Schadenfreude ausbreiten - oder Sorge, dass nach der deutschen Solarindustrie nun auch die globale vor dem Kollaps steht. Denn die chinesischen Hersteller, einst die Sieger in einem brutalen Preiswettbewerb und Subventionswettlauf, fegt es nun selbst vom Markt.

Yingli, einst als "nationaler Champion" gefeiert und zur globalen Marke bis hin zum Sponsoring der Fußball-Weltmeisterschaften 2010 und 2014 aufgebaut, ist insolvent. Hanergy, dessen Aktienboom Gründer Li Hejun zeitweise zum reichsten Chinesen machte, wurde im Juni nach vier Jahren ausgesetztem Handel von der Börse Hongkong genommen. Die Rangliste der größten Modulhersteller dominieren weiterhin chinesische Firmen, aber sie kämpfen um Anteile auf einem schrumpfenden Weltmarkt.

Das liegt vor allem an einem abrupten Kurswechsel in der Heimat. Mitte 2018 stoppte der chinesische Staat plötzlich die Subventionen für neue Solaranlagen. Laut dem Branchendienst "Bloomberg New Energy Finance" brachen die Investitionen in erneuerbare Energien in China daraufhin von 122 Milliarden auf 86 Milliarden Dollar 2018 ein, in der ersten Jahreshälfte 2019 schrumpften sie um weitere 39 Prozent.

"Das ist wahrscheinlich ein Tiefstand", beruhigt der verantwortliche Politiker Li Junfeng vom Planungsministerium gegenüber der "Financial Times". "Die neue Politik ist noch nicht da, und die alte Politik wurde gestoppt." Die neue Politik der Planer heißt Netzparität: Solarprojekte sollen sich dort durchsetzen, wo sie auch ohne Einspeisevergütung mit den Produktionskosten von Strom aus fossilen Quellen mithalten können. Wegen des Preisverfalls für die Module ist das vielerorts schon heute möglich. Allerdings hat sich auch Kohlestrom erheblich verbilligt.

Vorbild Deutschland - Eine gute Zeit, um auf die Bremse zu treten?

Ein Motiv der Planer war wohl auch, die Staatskasse zu schonen. Denn der Solar- und Windkraftboom der vergangenen Jahre hat ein Defizit von 200 Milliarden Yuan (25,5 Milliarden Euro) in dem Fonds für die Einspeisevergütung hinterlassen. Zugleich konnte das Umweltministerium an diesem Mittwoch stolz melden, China habe das selbstgesetzte CO2-Sparziel für 2020 (gemessen an der CO2-Intensität der Wirtschaft) bereits jetzt vorzeitig erreicht.

Die grüne Industrie scheint reif, um ohne Staatshilfe am Markt zu bestehen, zugleich geraten die Kosten außer Kontrolle - wohl ein guter Zeitpunkt, um auf die Bremse zu treten; ganz ähnlich wie Deutschland sein Erneuerbare-Energien-Gesetz vor drei Jahren reformierte.

Zur laufenden Klimakonferenz in Madrid beteuert die Pekinger Führung, man halte an den Klimaschutzzielen fest. Die Entwicklung am Markt spreche aber eine andere Sprache, warnt Ted Nace, Leiter der Organisation Global Energy Monitor. China "ersäufe" den globalen Fortschritt im Klimaschutz "im Alleingang".

Hunderte Kohlekraftwerke, die seit 2016 gestoppt wurden, würden nun doch gebaut, mit einer Kapazität in Höhe des gesamten EU-Bestands. Oft stünden dahinter Provinzregierungen, die sich um Verluste ebenso wenig scherten wie um die Ziele aus Peking, sehr wohl aber um den drohenden Abschwung. Gegen diese Konkurrenz dürften die Erneuerbaren es in Zukunft schwer haben, so kostengünstig sie auch inzwischen sein mögen.

Was in der Solarindustrie begann, steht nun auch in anderen Greentech-Branchen an: bei Elektroautos und in der Windkraft.

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