200 Gigawatt im Jahr 2030 Das 200-Milliarden-Dollar-Ding - Softbank und Saudis planen weltgrößten Solarpark

Sie haben Großes vor: Softbank-Chef Masayoshi Son und Saudi Arabiens oberster Modernisierer, Kronprinz Mohammed bin Salman

Sie haben Großes vor: Softbank-Chef Masayoshi Son und Saudi Arabiens oberster Modernisierer, Kronprinz Mohammed bin Salman

Foto: Bloomberg via Getty Images

Neben dem jungen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman wirkt Masayoshi Son im wahrsten Wortsinn klein. Doch was der Gründer des japanischen Technologiekonzerns Softbank auch anfasst - in der Regel ist es groß, sehr groß sogar. Das zeigte sich etwa Mitte vergangenen Jahres, als Softbank erklärte, von Investoren 93 Milliarden Dollar für seinen Technologiefonds "Vision Fund" eingesammelt zu haben .

Fotostrecke

In diese Firmen pumpt Masayoshi Son Geld: Vom mobilen Bezahlen bis zum Vertical Farming

Foto: Fabrizio Bensch/ REUTERS

Seitdem strömte das Geld in diverse Projekte. Zuletzt investierte der Fonds für hiesige Verhältnisse sensationelle 460 Millionen Euro in das Berliner Start-up Auto1, den Betreiber der Gebrauchtwagenplattform "wirkaufendeinauto.de". Zu den ersten Geldgebern des Vision Fund zählt auch Saudi Arabien, das über seinen Staatsfonds "PIF" (Public Investment Funds of the Kindom of Saudi Arabia) investiert ist.

Mit den Saudis will Masayoshi nun ein 200 Milliarden Dollar schweres Solarprojekt angehen - das weltweit größte seiner Art, wie Son am Mittwoch in New York versichert. Der Kronprinz und Son unterzeichneten eine entsprechende Absichtserklärung.

An Sonne und Platz für riesige Solaranlagen mangelt es in Saudi-Arabien bekanntlich nicht. Das Projekt werde die Abhängigkeit des Landes vom Öl reduzieren und Saudi Arabien zu einem bedeutenden Stromlieferanten machen, zeigt sich Son überzeugt. Bis 2030 sollen die Solaranlagen auf eine installierte Leistung von 200 Gigawatt wachsen, was in etwa der Leistung von 20 Atomkraftwerken entspricht, heißt es. Der über die Anlagen erzeugte Strom soll zu einem Teil auch verkauft werden, berichten die Nachrichtenagenturen Bloomberg  und AP über ihre englischsprachigen Dienste.

Zunächst wollen die Investoren die Sonnenkollektoren importieren, später sollen die Solarmodule auch im Land selbst produziert und montiert werden. Mit dem Bau der Anlage werde man sofort beginnen und die Stromproduktion im nächsten Jahr starten.

Son gilt als Kritiker der Kernenergie, nachdem ein Tsunami im Jahr 2011 in Fukushima im Nordosten Japans die schlimmste Nuklearkatastrophe seit Tschernobyl ausgelöst hatte. Solarenergie ist seitdem ein wichtiger Teil seiner Unternehmensstrategie.

Saudi Arabien würde seine Stromerzeugung nahezu verdreifachen

Bin Salman als mächtiger Thronfolger des größten Rohölexporteurs der Welt versucht seit geraumer Zeit, die Wirtschaft zu diversifizieren und die Abhängigkeit des Landes vom Öl zu reduzieren. Das für die saudische Wüste geplante Projekt wäre etwa 100-mal größer als die nächstgrößte geplante Entwicklung in dem Land und würde ein Drittel mehr Strom liefern als die weltweite Photovoltaik-Industrie letztes Jahr insgesamt erzeugte, rechnet Bloomberg . vor. Im Zuge des Projekt sollen in Saudi Arabien auch 100.000 Jobs neue entstehen.

Angesichts solcher Dimensionen ist der Kronprinz dann um große Worte auch nicht verlegen: "Es ist ein großer Schritt in der Geschichte der Menschheit", sagt Mohammed und fügt an: "Es ist mutig, riskant und wir hoffen, dass uns das gelingt."

Saudis würden Stromerzeugungskapazität verdreifachen

Sollte das Projekt gelingen, würde Saudi Arabien seine Stromerzeugungskapazität von zuletzt 77 Gigawatt dann nahezu verdreifachen. Die Stromerzeugung basiert zu einem Drittel auf Erdgas und zu zwei Dritteln auf Erdöl. Das Land könnte dann nicht nur "überschüssiges" Gas und Öl exportieren, sondern würde zugleich die Stromkosten um 40 Milliarden Dollar senken, rechnet Son am Mittwoch vor. In Deutschland ist laut Fraunhofer-Institut die Solarenergie mittlerweile die günstigste aller Stromerzeugungsformengeworden.

Fotostrecke

Kleinfeld und die Saudis: 500 Milliarden für die Roboterstadt in der Wüste

Foto: REUTERS

Für Bloomberg-Analystin Jenny Chase  stellt sich das Projekt trotz noch offener detaillierter Planung als vergleichsweise logisch dar: "Softbank will investieren und die Saudis brauchen neue Energie." Allerdings merkte die Neue-Energien-Expertin an, dass es in der Vergangenheit schon öfter bei den Absichtserklärungen geblieben war.

Softbank selbst will nach früheren Berichten in den kommenden drei bis vier Jahren bis zu 25 Milliarden Dollar in Saudi Arabien investieren - 15 Milliarden davon sollen allein in die neue Stadt Neom an der Küste des Roten Meeres fließen. Hier will der Kronprinz auf einer Fläche von 26.500 Quadratkilometern mit Hilfe des ehemaligen Siemens-Chefs Klaus Kleinfeld den modernsten Technologiepark der Welt und eine komplett neue Stadt schaffen. Weitere 10 Milliarden Dollar wolle Son in die staatlich kontrollierte Elektrizitätsgesellschaft Saudi Electricity stecken.