SKW Piesteritz AdBlue-Hersteller warnt vor leeren Lagern

SKW Piesteritz ist einer der größten Hersteller des Dieselreinigers AdBlue. Doch aufgrund der hohen Gaspreise steht die Produktion seit zwei Wochen still. Das könnte gravierende Folgen für die Logistik in Deutschland haben.
Energieintensive Produktion: Bei der Herstellung des Dieselreinigers AdBlue wird viel Gas benötigt

Energieintensive Produktion: Bei der Herstellung des Dieselreinigers AdBlue wird viel Gas benötigt

Foto: FrankHoermann/SVEN SIMON / imago/Sven Simon

Die Lager bei einem der wichtigsten Produzenten des Dieselreinigers AdBlue sind so gut wie leer. "Wir laufen trocken", sagte ein Sprecher des Chemieunternehmens SKW Piesteritz am Mittwoch. "Da wir nichts mehr produzieren, leeren sich unsere Lager." Das Unternehmen aus der Lutherstadt Wittenberg gehört mit BASF und Yara zu den größten Herstellern von AdBlue in Deutschland. Ohne den Abgasreiniger fährt kaum ein LKW. Doch wegen der drastisch gestiegenen Gaspreise steht die Produktion bei SKW Piesteritz seit bereits zwei bis drei Wochen vollständig still, da sie für das Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich ist.

Der Bundesverband Gütertransport und Logistik (BGL) hat inzwischen vor massiven Folgen wegen des wachsenden AdBlue-Mangels gewarnt. "Kein AdBlue bedeutet keine Brummis. Und das bedeutet keine Versorgung für Deutschland", hatte BGL-Hauptgeschäftsführer Dirk Engelhardt der "Bild"-Zeitung gesagt und dabei auch auf den Produktionsstillstand bei SKW verwiesen. Bereits in zwei Wochen könne es zu ersten Engpässen im Handel kommen.

SKW Piesteritz hat mit dem BGL zwar eine Notfallreserve vereinbart. Von dieser waren aber zuletzt nur noch rund eine Million Liter AdBlue übrig, wie der SKW-Sprecher sagte. Doch nach Angaben des Konzerns benötigt die Logistik in Deutschland 2,5 Millionen Liter AdBlue pro Tag, alle Pkw allein fünf Millionen Liter pro Tag.

Wirtschaftsministerium sieht keine Mangellage in Deutschland

Der Konzern ist massiv auf Gas angewiesen, da es dieses als Rohstoff in der Produktion einsetzt und nicht ersetzen kann. Jährlich benötigt das Unternehmen 14 Terrawattstunden Gas, die explodierten Preise treffen SKW daher ins Mark. Zudem müsse der Konzern monatlich voraussichtlich 30 Millionen Euro Gasumlage zahlen. Das sei finanziell nicht zu stemmen. Eigentlich sei SKW ein "kerngesundes" Unternehmen, sagte der Sprecher.

Von der Politik fordert SKW Piesteritz – das nach eigenen Angaben Deutschlands größter Ammoniak- und Harnstoffproduzent ist und auch Stickstoff-Düngemittel herstellt – eine Deckelung des Gaspreises und eine Ausnahme bei der Gasumlage für Unternehmen, die Gas als Rohstoff einsetzen. "Wenn nichts passiert, müssen wir zum 1. Oktober Kurzarbeit anmelden." SKW Piesteritz beschäftigt 850 Mitarbeiter, den Großteil davon in der Produktion.

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht derzeit allerdings keine Mangellage bei der Produktion von AdBlue. Falls es wirklich dazu kommen sollte, werde man reagieren, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch in Berlin. Es gebe aber mehrere Hersteller in Deutschland und es bestehe auch die Möglichkeit von Importen. Der Sprecher verwies auf die Hilfsinstrumente für Unternehmen, mit denen die Regierung für ausreichende Liquidität der Firmen sorgen wolle. Diese würden auch noch ausgeweitet.

mg/Reuters
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