Dienstag, 23. Juli 2019

Börsengang der Energiesparte Siemens trennt sich von rund 30 Milliarden Euro Umsatz

Siemens-Chef Joe Kaeser baut seinen Konzern weiter um.

Siemens-Chef Joe Kaeser baut den Technologiekonzern radikal um. Die Münchener wollen ihre Energiesparte Gas and Power ausgliedern und bis 2020 an die Börse bringen. Dazu will das Unternehmen seinen Mehrheitsanteil von 59 Prozent an dem Windradhersteller Siemens Gamesa in die neue Gesellschaft einbringen, teilte der Dax-Konzern am Dienstagabend im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mit. Die neu formierte Sparte Gas and Power umfasst die Aktivitäten in den Bereichen Öl und Gas, konventionelle Energieerzeugung, Energieübertragung und die jeweils dazugehörigen Servicegeschäfte. Sie beschäftigt mehr als 80 000 Menschen und setzt etwa 30 Milliarden Euro um.

Dabei will Siemens die Mehrheit an dem neuen Unternehmen, das "Siemens" m Namen führen soll, abgeben, aber starker Ankeraktionär bleiben. Der Anteil soll anfänglich bei etwas weniger als 50 Prozent liegen und auf Sicht die Sperrminorität nicht unterschreiten. Über die Abspaltung und spätere Börsennotierung soll eine außerordentliche Hauptversammlung voraussichtlich im Juni 2020 entscheiden. Siemens werde dabei sowohl Gas and Power als auch Siemens Gamesa dekonsolidieren.

Als Kerngeschäfte von Siemens Börsen-Chart zeigen werden dann die Sparten Digital Industries sowie Smart Infrastructure verbleiben. Flankiert werden sie von der börsennotierten Mehrheitsbeteiligung Siemens Healthineers sowie der Bahntechnik, welches als Wachstumsgeschäft ebenfalls gestärkt werden soll.

Damit trennt sich Siemens nach der Kommunikationstechnik von einem weiteren Traditionsgeschäfts des Unternehmens, das zuletzt allerdings zum Sorgenkind herabgestiegen war: Dem Kraftwerksgeschäft. Vor allem bei großen Gasturbinen war in den letzten Jahren der Markt weggebrochen. Siemens läutete ein Sparprogramm ein, das den Abbau von Kapazitäten und die Streichung tausender Stellen umfasst. Siemens Gamesa entstand 2017 aus der Fusion der Windkraftsparte mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa. Hier verlief der Start eher holprig, der Windmarkt leidet weiterhin unter Preisdruck.

Auch das nun gestutzte Kerngeschäft steht weiter unter Renovierungsdruck: Nach der gescheiterten Fusion mit dem französischen Bahnkonzern Alstom prüft Siemens verschiedene Optionen für das Mobility getaufte Geschäft. Es gebe jedoch keine Eile, eine Entscheidung zu treffen, sagte Kaeser. Früheren Aussagen zufolge ist ein Börsengang eine Erwägung.

Die jetzt gefällte strategische Neuausrichtung ist Teil des Programms "2020+", welches Kaeser in Grundzügen bereits im vergangenen Sommer vorgelegt hatte und mit dem der Konzern Wachstum und Profitabilität ankurbeln will. Siemens wolle "agieren, bevor wir reagieren müssen", so Kaeser. Mittelfristig sollen die jährliche Wachstumsrate des Umsatzes und die Gewinnmarge des Industriellen Geschäfts um jeweils zwei Prozentpunkte steigen. Das Ergebnis je Aktie soll mittelfristig stärker wachsen als der Umsatz. Langfristig soll die Gewinnmarge des Industriellen Kerngeschäfts 14 bis 18 Prozent erreichen.

Dazu will Siemens Kosten sparen. Wie bereits angekündigt, sollen zentrale Konzernfunktionen wie die Verwaltung dezentralisiert und schlanker aufgestellt werden. Dies bedeutet einen Abbau von rund 2500 der insgesamt etwa 12.500 Arbeitsplätze in diesen Zentralfunktionen bis 2023, wie Siemens weiter mitteilte. Die in diesem Zusammenhang anfallenden Kosten bezifferte Siemens auf 400 Millionen Euro, die Aufwendungen für das Effizienzprogramm insgesamt sollen bei rund 1 Milliarde Euro liegen. Bis 2023 will der Konzern durch Effizienzsteigerungen die Kosten um rund 2,2 Milliarden Euro senken. Das bereits bekannte Sparprogramm in der Kraftwerkssparte von 500 Millionen Euro ist darin bereits enthalten.

Insgesamt sollen damit 10 400 Stellen in Verwaltung, Digital Industries und bei Smart Infrastructure abgebaut werden. Gleichzeitig plant das Unternehmen jedoch die Schaffung von 20 500 neuen Stellen.

dpa-afx, soc

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