Zentrale in der Hauptstadt Siemens Energy wird ein Berliner Unternehmen

Wenige Tage vor dem Börsenstart ist klar: Die Energietochter des Siemens-Konzerns wird künftig von Berlin aus geführt. An der Börse könnte sie sogar mit mehr als 20 Milliarden Euro bewertet werden.
Frischer Wind aus der Hauptstadt: Windrad von Siemens.

Frischer Wind aus der Hauptstadt: Windrad von Siemens.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Der neu an die Börse kommende Konzern Siemens Energy wird sein Hauptquartier in Berlin aufschlagen. Die Konzernleitung wird künftig in der Bundeshauptstadt sitzen, der Verwaltungssitz bleibe nach Siemens-Angaben aber München. Das Hauptquartier werde mit einem schlanken Team betrieben. Siemens Energy-Chef Christian Bruch (50) sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" : "Wir müssen die öffentliche und politische Debatte um die Energiewende als Unternehmen aktiv und intensiver mitgestalten", das habe den Ausschlag für Berlin gegeben.

Siemens Energy kehrt damit zurück zu den Wurzeln. Werner von Siemens und Johann Georg Halske hatten in Berlin 1847 den Grundstein für den heutigen Siemens-Konzern gelegt. Die Siemens AG  war nach dem Zweiten Weltkrieg nach München umgezogen, hat aber in der Hauptstadt formal einen zweiten Unternehmenssitz. Insgesamt sollen ab kommendem Jahr rund 150 der etwa 91.000 Siemens Energy-Mitarbeiter am neuen Standort einziehen, dessen Adresse noch nicht feststeht.

Neben Bruch soll auch Finanzvorständin Maria Ferraro (47) von Berlin aus arbeiten. Vorstandsmitglied Joachim Eickholt arbeitet am größten Standort in Erlangen, Tim Holt behält ein Büro in Orlando in Florida. Auch die Zentralfunktionen soll auf mehrere Standorte verteilt werden. Neben Berlin waren Erlangen, München und die Rhein-Ruhr-Region um Mülheim in die engere Wahl um das Hauptquartier gewesen.

Kandidat für den Dax-Aufstieg

Siemens  hat sein milliardenschweres Energiegeschäft abgespalten und bringt es als Siemens Energy an die Börse. An kommenden Montag sollen die Aktien erstmals gehandelt werden. Das Unternehmen könnte nach der Abspaltung vom Mutterkonzern an der Börse mit mehr als 20 Milliarden Euro bewertet werden – auch wenn der Konzern intern einen Buchwert von rund 17 Milliarden Euro veranschlagt hatte, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters mit Bezug auf Insider. Die jüngsten Schätzungen der Analysten lägen im Schnitt zwischen 21 und 22 Milliarden Euro. Allein das 67-Prozent-Paket am spanischen Windanlagen-Hersteller Siemens Gamesa ist an der Börse zehn Milliarden Euro wert. Die Analystenschätzungen entsprächen einem Aktienkurs von 29 bis 30 Euro für Siemens Energy.

Die Siemens-Aktionäre erhalten bei der Abspaltung für je zwei Aktien ein Siemens-Energy-Papier. Die Siemens AG will zunächst 35,1 Prozent der Anteile an der bisherigen Tochter behalten, hat aber angekündigt, den Aktienbesitz innerhalb von zwölf bis 18 Monaten "signifikant zu reduzieren". Der Münchner Industriekonzern wolle aber auch danach eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent behalten, jedenfalls in den nächsten fünf Jahren, heißt es. Bei einem Streubesitz von 65 Prozent gilt der Hersteller von Kohle- und Gaskraftwerken und von Windrädern auch als Kandidat für einen Aufstieg in den Leitindex Dax.

Die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (42, Grüne) zeigte sich angesichts der Standort-Wahl erfreut. "Berlin ist der perfekte Standort für Siemens Energy, um Innovationen und die Energietechnik der Zukunft zu entwickeln." Die Stadt biete "Spitzenforschung, internationale Talente, ein starkes Cluster Energietechnik und eine wachsende Digitalwirtschaft."

lhy/Reuters, dpa