Meldeschwelle unterschritten Gründerfamilie zieht sich als Großaktionärin bei Siemens Energy zurück

Die Siemens-Gründerfamilie taucht bei der Hauptversammlung von Siemens Energy am Mittwoch nicht mehr als Großaktionärin auf. Dabei erhielten die Familienmitglieder beim Börsengang der Schwestergesellschaft automatisch mehr als 3 Prozent der Aktien in ihre Depots gebucht.
Vertritt die Familie im Siemens-Aufsichtsrat: Gründerururenkelin Nathalie von Siemens

Vertritt die Familie im Siemens-Aufsichtsrat: Gründerururenkelin Nathalie von Siemens

Foto: Siemens Stiftung

Die Siemens-Gründerfamilie hat sich bei der kürzlich abgespaltenen Siemens-Schwestergesellschaft Siemens Energy als Großaktionärin zurückgezogen. Anders als beim Dax-Schwergewicht Siemens treten die Nachkommen der Firmengründer um Werner von Siemens auf der ersten Energy-Hauptversammlung am morgigen Mittwoch nicht mehr mit einem nennenswerten Anteilspaket als Groß- und Ankeraktionär auf, wie Recherchen von manager magazin belegen.

An der 1847 gegründeten Siemens AG halten etwa 300 Familienmitglieder über verschiedene Vehikel seit vielen Jahren insgesamt 6,0 Prozent oder etwas mehr; dies geht aus Angaben der Siemens AG, des Datenanbieters Refinitiv und der Stimmrechtsvertretung ISS hervor. Die Gründerfamilie hat ihre Stimmen seit jeher gepoolt und ist damit neben dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock Siemens' größter Aktionär. Wegen ihres langfristigen Bekenntnisses zu ihrem Engagement bei Siemens hat die Sippe auch einen Sitz im zwanzigköpfigen Siemens-Aufsichtsrat, den Gründerururenkelin Nathalie von Siemens (50) einnimmt.

Mit der Abspaltung des Siemens-Energiegeschäfts Ende September erhielten die Familienmitglieder insgesamt etwa 3,5 Prozent der Siemens-Energy-Aktien in ihre Depots gebucht. Da sie damit die Meldeschwelle von 3 Prozent überschritten, hätten sie den Anteil eigentlich melden müssen, wie Juristen dem manager magazin bestätigten.

Dass die Meldung unterblieb, lässt nur zwei Schlüsse zu: Die Sippe hat sofort mindestens 3,6 Millionen Siemens-Energy-Aktien oder mehr veräußert, um unter die 3-Prozent-Schwelle zu gelangen. Und/oder die Nachkommen haben für die Energy-Aktien keinen Poolvertrag mehr geschlossen. Beides ermöglicht ihnen seither jedenfalls, völlig ohne Meldepflichten und damit unbemerkt weitere Energy-Aktien zu verkaufen.

Siemens-Energy-Aktie legte bisher rund 40 Prozent zu

Die Von Siemens Vermögensverwaltung ließ mm-Fragen hierzu unbeantwortet und teilte am Dienstag lediglich mit, dass die Familie noch Energy-Anteile halte: "Die Mitglieder der Familie Siemens haben den Prozess der Abspaltung und Börsennotierung der Siemens Energy AG mit großem Interesse verfolgt und sehen langfristig Chancen für das Unternehmen. Sie werden gemeinsam bei der Hauptversammlung der Siemens Energy AG mit ihren Stimmen präsent sein."

Fakt ist: Ein gemeinsames Engagement der Sippe als Großaktionärin von Siemens Energy vergleichbar mit dem bei der Siemens AG wird es zumindest nach jetzigem Sachstand nicht mehr geben. Insbesondere für die 90.000 Energy-Mitarbeiter dürfte dies eine Enttäuschung sein, gilt die Familie doch als sehr langfristig orientierte Aktionärin (wenn auch als durchaus interessiert an den bei Siemens stets üppigen Dividenden). Vergangene Woche kündigte der Energy-Vorstand an, bis 2025 rund 7800 Stellen weltweit abzubauen.

Auf der ersten Hauptversammlung von Siemens Energy, geleitet von Aufsichtsratschef Joe Kaeser (63), wird ohnehin die Siemens AG als mit 35,1 Prozent größter Aktionär die Entscheidungen dominieren.

Sollten die Familienmitglieder Ende September schnell und in großem Umfang verkauft haben, hätten sie jetzt Grund sich zu ärgern: Seit dem ersten festgestellten Kurs von 22,01 Euro nach dem Spin-off hat sich der Wert der Energy-Aktie um mehr als 40 Prozent auf gut 31 Euro erhöht.

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