Probleme bei der Windkrafttochter Siemens Energy kassiert Jahresprognose

Die Windkrafttochter Siemens Gamesa belastet den Energietechnikkonzern Siemens Energy erneut schwer. Nach einer Gewinnwarnung von Gamesa streicht der Mutterkonzern seine Jahresziele zusammen.
Tochter mit Qualtitäsmängeln: Siemens-Energy-Chef Christian Bruch reduziert die operative Ergebnismarge

Tochter mit Qualtitäsmängeln: Siemens-Energy-Chef Christian Bruch reduziert die operative Ergebnismarge

Foto: SVEN SIMON / IMAGO

Die Probleme der Windkrafttochter Siemens Gamesa reißen nicht ab und machen dem Energietechnikkonzern Siemens Energy weiter schwer zu schaffen. Nun hat Siemens Gamesa erneut Qualitätsmängel bei bestimmten Komponenten festgestellt, was zu millionenschweren Belastungen im ersten Geschäftsquartal (per Ende Dezember) führt. Gamesa schreibt damit weiter rote Zahlen – als Konsequenz muss Siemens Energy die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2022/23 senken. Die Aktien der Münchener reagierten am Freitag mit starken Schwankungen: Nach schwachem Start drehte die Aktie zuletzt um rund 3 Prozent ins Plus.

Gamesa habe in einer Überprüfung der installierten Windkraftanlagen "eine negative Entwicklung der Ausfallraten bei bestimmten Komponenten festgestellt, die zu höheren Garantie- und Wartungskosten führen als zuvor geschätzt", teilte der spanische Konzern am Donnerstagabend mit. Die finanzielle Belastung bezifferte Gamesa dabei auf 472 Millionen Euro, was zu einem Verlust des operativen Ergebnisses (Ebit) vor bestimmten Kaufpreisallokationen von rund 760 Millionen Euro im Quartal führte.

Als Folge dieser Gewinnwarnung musste Siemens Energy bei der Prognose für 2022/23 zurückrudern. So soll die operative Ergebnismarge vor Sondereffekten nun nur noch bei 1 bis 3 Prozent liegen, nach zuvor in Aussicht gestellten 2 bis 4 Prozent. Der Nettoverlust dürfte zudem auf Vorjahresniveau liegen und nicht wie bisher angepeilt stark sinken, hieß es weiter.

Im vergangenen Geschäftsjahr (per Ende September) hatten die Windkrafttochter Siemens Gamesa sowie Belastungen in Zusammenhang mit dem Rückzug aus Russland beim Energietechnikkonzern den Verlust nach Steuern um 15,5 Prozent auf 647 Millionen Euro anschwellen lassen. Auch hohe Kosten, Lieferkettenengpässe, Projektverschiebungen, Qualitätsmängel bei älteren Anlagen sowie hausgemachte Probleme mit der neuen Landturbine 5.X Gamesa verhagelten die Bilanz. Das Unternehmen ist zu einem Schadensfall der deutschen Industrie mutiert .

Umsatz und Auftragseingang übertreffen Erwartungen

Abseits von Gamesa lief es im ersten Quartal aber zuletzt besser für Siemens Energy. Der Konzernauftragseingang wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte auf 12,7 Milliarden Euro und der Umsatz stieg um rund 19 Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Euro. Beide Werte übertreffen damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Das operative Ergebnis von minus 384 Millionen Euro blieb indes deutlich unter der Markterwartung, ebenso wie das operative Ergebnis vor Sondereffekten von minus 282 Millionen Euro.

Die Umsatzprognose hielt Konzernchef Christian Bruch (53) dennoch unverändert: Das vergleichbare Umsatzwachstum – also ohne Wechselkurs- und Portfolioeffekte – soll im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr weiterhin 3 bis 7 Prozent erreichen.

Gamesa steht vor der Komplettübernahme durch Energy, die nach Ende des Angebots mehr als 90 Prozent halten. Eine außerordentliche Hauptversammlung des an der spanischen Börse notierten Unternehmens muss in der kommenden Woche dem Unterfangen noch zustimmen, was aber als Formsache gilt. Danach will Energy Gamesa von der Börse nehmen. Energy erhofft sich so einen besseren Durchgriff bei dem Windkraftbauer, der in den letzten Jahren nach dem Auftauchen immer neuer Probleme mehrfach seine Ziele verfehlte. Der von Energy entsandte Gamesa-Chef Jochen Eickholt hat dem Konzern ein weitreichendes Sanierungsprogramm verpasst.

Wegen der zahlreichen Probleme waren die Siemens-Energy-Aktien  2022 mit einem Minus von rund 22 Prozent fast doppelt so schwach wie der Dax. Dabei hatten sie aber nach einem Rekordtief Mitte Oktober bei 10,25 Euro kräftig aufgeholt.

mg/dpa-afx
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