Sonntag, 5. April 2020

Bundesweite Proteste gegen Stellenabbau Siemens-Beschäftigte demonstrieren - Kaeser verteidigt Job-Abbau

Protest nicht nur in Berlin: Mitarbeiter von Siemens demonstrieren am Dienstag in der Hauptstadt und anderen Orten in Deutschland gegen den geplanten Stellenabbau des Konzerns. 5100 Stellen sollen allein in Deutschland wegfallen

Die Gewerkschaft IG Metall protestiert heute mit einem bundesweiten Aktionstag gegen die Streichung von Arbeitsplätzen beim Industriekonzern Siemens. Vorstandschef Joe Kaeser hält den geplanten Stellenabbau im Konzern gleichwohl für unvermeidlich. Dieser werde aber "überlegt und sozialverträglich" verwirklicht, sagte Kaeser der Deutschen Presse-Agentur.

Den Plänen zufolge sollen allein in Deutschland insgesamt 5100 wegfallen. Den Abbau von 2200 dieser 5100 Stellen hatte Kaeser erst im Mai bekanntgegeben. Hintergrund dieser "zweiten Welle" sei die neue Situation im Stromerzeugungsgeschäft. "In Deutschland ist im Wesentlichen vor dem Hintergrund der Energiewende die Nachfrage für große Gaskraftwerke eingebrochen. Und auch im restlichen Europa ist es so, dass durch das geringe Wachstum dieser Länder und eine höhere Energieeffizienz der Bedarf insgesamt sinkt", sagte Kaeser. Deshalb sei der europäische und deutsche Markt für fossile, große Turbinen "nicht mehr existent". Das Unternehmen müsse "entsprechend eingreifen".

Nach Gewerkschaftsangaben von heute sollen allein 1400 Arbeitsplätze in Berlin bedroht sein. 800 Jobs fielen im Gasturbinenwerk weg, weitere 600 Arbeitsplätze stünden im Schaltwerk auf dem Prüfstand, teilte die IG Metall am Dienstag mit. "Auf dem Prüfstand, das heißt bei denen: Der Abbau ist intern bereits geplant", sagte der Erste Bevollmächtigte Klaus Abel.

Siemens will auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten

Siemens werde das aber nicht überhastet tun. "Wir verzichten auf betriebsbedingte Kündigungen. Dazu gibt es eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft und dem Betriebsrat, aber das ist auch einfach eine Frage des respektvollen Umganges mit hervorragenden Arbeitskräften", fügte der Vorstandsvorsitzende hinzu. "Es ist wirklich tragisch, dass wir in Deutschland hervorragend ausgebildete Leute haben, die aber jetzt hier keine Zukunftsbasis mehr haben und woanders gebraucht werden."

Auf die Energiewende und den Trend zu dezentraler Energieversorgung habe man unter anderem mit dem Kauf des Gasturbinen-Geschäfts von Rolls-Royce reagiert. Nun habe Siemens die dafür benötigte "flexible, kompatible Turbinentechnik", die zuvor gefehlt habe. "Damit sind wir ein Komplettanbieter in der Branche wie sonst keiner auf der Welt."

Versetzung von Kollegen für Siemens kein Thema

Der Stellenabbau solle gemeinschaftlich mit den Arbeitnehmervertretern bewältigt werden. Die Versetzung deutscher Mitarbeiter auf andere Stellen im Inland werde aber "nicht immer klappen". Kaeser wies auf die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland von 2,5 Milliarden Euro in diesem Jahr hin. Zudem werde in die deutschen Fabriken 700 Millionen Euro investiert, in ähnlicher Größenordnung werde das auch 2016 so sein.

"Daraus entsteht natürlich auch Bedarf", sagte Kaeser. "Die Zahl unserer Mitarbeiter ist weltweit zuletzt gestiegen, in Deutschland zumindest gleich geblieben." Ende März waren es nach Siemens-Angaben weltweit 342 000, rund 2000 mehr als ein Jahr zuvor. In Deutschland blieb die Zahl konstant bei 114.000.

"Überlegt und sozialverträglich": Siemens-Chef Joe Kaeser will beim geplanten Stellenabbau auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten

rei/dpa

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