Nach Gerichtsurteil Shell beugt sich dem Druck mit neuen Klimazielen

Der Ölkonzern Shell rutscht im dritten Quartal überraschend in die Verlustzone, zugleich macht ein neuer aktivistischer Investor Druck. Mit verbesserten Klimazielen versucht Shell-CEO Ben van Beurden nun die Wende.
Neue Klimaziele: Shell-CEO Ben van Beurden will die Emissionen bis 2030 halbieren

Neue Klimaziele: Shell-CEO Ben van Beurden will die Emissionen bis 2030 halbieren

Foto: AFP/ROYAL DUTCH SHELL

Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell setzt sich neue Klimaziele. Bis 2030 will Shell die absoluten Emissionen aus seiner Geschäftstätigkeit gegenüber dem Niveau von 2016 halbieren, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Shell beugt sich damit dem Druck von Investoren, Aktivisten und Gerichten.

So hatte ein niederländisches Gericht den Konzern im Mai zu strikteren CO2-Zielen verdonnert. Demnach soll Shell alle seine Emissionen, einschließlich die aus der Verbrennung seiner Produkte durch Kunden, bis 2030 um 45 Prozent reduzieren. Druck übt auch Starinvestor Daniel Loeb (59) auf das Management aus, der zuvor bei dem Ölriesen eingestiegen war

Shell-CEO Ben van Beurden (63) hatte sich ursprünglich vorgenommen, bis 2023 die Emissionen um mindestens 6 Prozent, bis 2030 um 20 Prozent und bis 2035 um 45 Prozent gegenüber 2016 zu senken. Bis 2050 will der Konzern dann komplett klimaneutral werden.

Verluste im dritten Quartal

Die neuen Klimaziele veröffentlichte Shell gemeinsam mit der Bilanz für das dritte Geschäftsquartal, in dem der Ölkonzern wegen der Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten überraschend in die roten Zahlen gerutscht ist. Unter dem Strich stand in den Monaten Juli bis September ein Verlust von 447 Millionen Dollar (385 Millionen Euro) in den Büchern, wie das Unternehmen mitteilte. Grund dafür war eine Abschreibung von 5,2 Milliarden Dollar auf die Bewertung von Terminkontrakten für Rohstoffe, die das Unternehmen zur Absicherung von Schwankungen auf den Märkten abgeschlossen hatte.

Zudem belasteten im vergangenen Quartal die Folgen des Hurrikans "Ida", der zu Ausfällen bei der Förderung führte. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn ging deshalb im Quartalsvergleich trotz höherer Ölpreise um rund ein Viertel auf 4,1 Milliarden Dollar zurück. Das kommt für Analysten überraschend - diese hatten mit einem Gewinn auf dem Niveau des zweiten Quartals gerechnet. Der Umsatz lag wie im zweiten Quartal bei knapp 62 Milliarden Dollar.

Da der Vorjahreswert stark von den Folgen der Corona-Krise und dem Ölpreisverfall belastet war, ist der Quartalsvergleich aussagekräftiger. Inzwischen hat sich der Markt erholt, und Öl kostet so viel wie seit Jahren nicht mehr.

Third Point investiert in Shell und fordert Aufspaltung

Nichtsdestotrotz steigt der Druck auf den Ölgiganten Shell immer weiter. Politik, Gesellschaft und natürlich auch Investoren drängen den Konzern - ebenso wie viele andere  - zu mehr Nachhaltigkeit. So hat gerade erst der aktivistische Investor Third Point von Starinvestor Daniel Loeb (59), der zuvor eine große Beteiligung an dem Ölkonzern erworben hatte, die Aufspaltung des Ölkonzerns in zwei eigenständige Unternehmen gefordert. Dadurch solle die Firma ein besseres Image bekommen und wieder attraktiver für Aktionäre werden, berichtete das "Wall Street Journal " unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Neben dem traditionellen Geschäft mit Raffinerien solle eine neue Firma mit Fokus auf alternative Energien und Investments entstehen.

Nachhaltigkeit

Es ist längst keine Frage mehr, ob Unternehmen ressourcenschonend handeln müssen, sondern wie. Der Druck von Gesellschaft, Regierung und Investoren steigt immer mehr. Wie können Firmen reagieren, welche Konzerne punkten bereits und wie lässt sich damit Geld verdienen? Lesen Sie hier alles zum Thema Nachhaltigkeit.

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Shell bestätigte, ein entsprechendes Schreiben erhalten zu haben. Man habe zuvor Gespräche mit Third Point geführt und werde mit dem Anteilseigner wie mit allen Aktionären in Verbindung bleiben.

Third Point ist mit mehr als 500 Millionen US-Dollar (431 Millionen Euro) bei Shell eingestiegen, heißt es in dem Bericht weiter. Damit sei der Investor einer der größten Anteilseigner. Dabei kommt es nicht unbedingt auf die Größe an, wie das Beispiel Exxon zeigt. Dort hat ein wenige Monate alter Mini-Hedgefonds inzwischen überraschend viel Einfluss auf den Verwaltungsrat und zwingt den Konzern zu mehr Klimaschutz.

mg/dpa-afx, Reuters
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