Shell in Wesseling Größte deutsche Raffinerie verabschiedet sich vom Rohöl

Big Oil ohne Oil: Der Ölriese Shell verkündet einen radikalen Wandel für seine deutsche Treibstoffproduktion. Schon 2025 soll die Raffinerie in Wesseling bei Köln auf Wasserstoff und Biosprit umstellen.
Bald Geschichte: Tanklaster verlässt die Shell-Raffinerie Rheinland in Wesseling bei Köln (Bild von 2012)

Bald Geschichte: Tanklaster verlässt die Shell-Raffinerie Rheinland in Wesseling bei Köln (Bild von 2012)

Foto: DPA

Der Energiekonzern Shell will seine Raffinerie in Wesseling bei Köln zu einem rohölfreien Standort umbauen. Die Verarbeitung von Rohöl soll dort ab 2025 eingestellt werden, wie Shell Deutschland am Donnerstag mitteilte. In neuen oder umgewidmeten Anlagen will das Unternehmen dann unter anderem Wasserstoff oder Biokraftstoffe produzieren. Die Planungen für die Einstellung der Rohölverarbeitung befänden sich noch am Anfang, betonte das Unternehmen. Eine endgültige Investitionsentscheidung solle erst 2023 getroffen werden. Die benachbarte Shell-Raffinerie in Köln-Godorf soll in Betrieb bleiben.

Die bislang unter dem Namen "Rheinland Raffinerie" zusammengefassten Standorte in Godorf und Wesseling firmieren seit Jahresbeginn unter dem Namen "Energy and Chemicals Park Rheinland". Nach Shell-Angaben arbeiten dort insgesamt 3000 Menschen, davon 1600 Shell-Mitarbeiter. Wie viele Mitarbeiter von dem Umbau betroffen sein könnten, wurde am Donnerstag nicht bekannt. "Betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden und Betroffene auf andere Arbeitsplätze versetzt, um- und weitergeschult werden", erklärte das Unternehmen. Die Belegschaft sei am Donnerstag informiert worden. Insgesamt beschäftigt Shell derzeit rund 3600 Menschen in Deutschland.

Der Plan ist ein weiterer Schritt für den Umbau der ehemaligen Shell Rheinland Raffinerie zu einem Energie- und Chemiepark. Im Juli hat Shell dort bereits eine 10-Megawatt-Anlage zur Herstellung von grünem Wasserstoff in Betrieb genommen, eine weitere Elektrolyseanlage mit einer Leistung von 100 Megawatt ist geplant. Daneben soll dort eine Anlage entstehen, in der aus grünem Strom und Biomasse synthetische Flugkraftstoffe und Rohbenzin hergestellt werden können. Shell will bis 2050 oder früher klimaneutral produzieren. Durch die Umbauten in Wesseling spart der Konzern nach eigenen Angaben jährlich eine Million Tonnen CO2-Emissionen ein.

Tempo zur Klimatransformation

Shell-Chef Ben van Beurden (63) hatte in der vorigen Woche ein erheblich beschleunigtes Transformationstempo für den Klimaschutz verkündet. Europas größter Konzern nach Umsatz steht unter Druck durch Investoren, die eine schnellere Abkehr von fossilen Brennstoffen und im Zweifel eine Zerschlagung von Shell fordern. Im Mai wurde der Konzern von einem niederländischen Gericht zu mehr Einsatz fürs Klima verurteilt.

Die Rohöldestillation in Wesseling hat eine Jahreskapazität von knapp acht Millionen Tonnen. In Godorf liegt die Kapazität bei neun Millionen Tonnen. Zusammen waren sie Deutschlands größte Raffinerie zur Herstellung von Benzin, Diesel, Heizöl, Kerosin und anderen Brenn- oder Schmierstoffen. Seine Beteiligung an der Raffinerie PCK im brandenburgischen Schwedt (Oder) hat Shell im Juli an ein estnisches Unternehmen verkauft, der verbliebene Anteil an der nun größten Anlage Miro in Karlsruhe steht laut Presseberichten ebenfalls zur Disposition. Nach wie vor betreibt Shell 1950 Tankstellen in Deutschland, das zweitgrößte Netz hinter BP mit der Marke Aral.

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (56, CDU) nannte die Pläne am Donnerstag "ein eindrückliches Signal" und einen wichtigen "Schritt hin zum angestrebten Ziel eines klimaneutralen Energiesystems".

ak/DPA, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.