Britischer Ölkonzern Shell-CEO Ben van Beurden vor Rücktritt

Nach fast einem Jahrzehnt an der Spitze von Shell bereitet Ben van Beurden offenbar seinen Rücktritt vor. Ein möglicher Nachfolger oder eine Nachfolgerin könnte aus den eigenen Reihen stammen.
Befindet sich so langsam im Rentenalter: Shell-CEO Ben van Beurden ist 64 Jahre alt und will offenbar im kommenden Jahr aufhören

Befindet sich so langsam im Rentenalter: Shell-CEO Ben van Beurden ist 64 Jahre alt und will offenbar im kommenden Jahr aufhören

Foto: Sergio Moraes / REUTERS

Bei dem britischen Ölriesen Shell steht Insidern zufolge ein Führungswechsel an. Der langjährige Chef Ben van Beurden wolle im kommenden Jahr ausscheiden, der Konzern habe bereits vier Kandidaten für die Nachfolge des 64-jährigen Niederländers ausgemacht, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen aus dem Unternehmen der Nachrichtenagentur Reuters. Er habe sich noch nicht auf ein genaues Datum für seinen Rückzug festgelegt.

Die Kontrollgremien bei Shell seien schon zu mehreren Sitzungen zum Thema Chefwechsel zusammengekommen, hieß es weiter. Für die Nachfolge kämen zwei Männer und zwei Frauen aus dem Shell-Management infrage. Dabei handele es sich um Wael Sawan, dem Leiter des Geschäfts mit erneuerbaren Energien, Huibert Vigeveno, der bisher die Raffinerieaktivitäten lenkt, Finanzchefin Sinead Gorman und Zoe Yujnovich, die die Upstream-Sparte führt. Favorit sei Sawan, da er das gewinnträchtigste Geschäft führt. Der Konzern wollte die Angaben nicht kommentieren.

Van Beurden kam 1983 zu Shell und rückte im Januar 2014 zum Vorsitzenden auf. In die Amtszeit des Niederländers fiel unter anderem 2016 die 53 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Rivalen BG Group, die sich heute angesichts der steigenden Erdgaspreise ausgezahlt hat. Zudem war Van Beurden der erste CEO, der seit dem Zweiten Weltkrieg die Dividende des Konzerns reduzierte. Hintergrund war der Gewinneinbruch während der Corona-Pandemie. Im vergangenen Jahr verlegte er dann wegen Streitigkeiten mit den Steuerbehörden und Gerichten den Konzernsitz nach Großbritannien, gab die komplexe Aktienstruktur auf und strich das "Royal Dutch" aus dem Namen.

Inzwischen geht es dem Unternehmen wieder glänzend, allein im zweiten Quartal wies Shell einen bereinigten Gewinn von 11,5 Milliarden Dollar aus. Das war mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Konzern profitiert vor allem von den durch den Ukraine-Krieg gestiegenen Ölpreisen. Van Beurden hat nun den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien angestoßen und das Ziel ausgegeben, dass der Konzern bis 2050 klimaneutral sein soll. Angesichts der Milliarden, die Shell derzeit mit dem Öl verdient, eine durchaus schwierige Transformation .

Shell verkauft Ölproduzenten für vier Milliarden Dollar

Dafür trennt sich der Konzern von seinem Joint Venture Aera, das er gemeinsam mit dem Ölproduzenten Exxon Mobile geführt hat. Aera werde an den deutschen Vermögensverwalter Ikav verkauft, teilte Shell am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss mit. Die Ankündigung besiegelt das Ende einer 25-jährigen Partnerschaft, aus der einer der größten Ölproduzenten Kaliforniens hervorgegangen war. Das Geschäft mit der Ikav-Tochter Green Gate Resources hat ein Volumen von vier Milliarden Dollar und soll im vierten Quartal abgeschlossen werden. Aera förderte der Mitteilung zufolge 2021 etwa 95.000 Barrel Öl und Erdgas pro Tag.

mg/Reuters
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