Montag, 21. Oktober 2019

Insolventer Windanlagenbauer Siemens Gamesa will Hauptgeschäft von Senvion übernehmen

Senvion: Der insolvente Windanlagenbauer hat sich mit Siemens Gamesa auf die Übernahme des wesentlichen Geschäfts geeinigt
picture alliance / Patrick Pleul
Senvion: Der insolvente Windanlagenbauer hat sich mit Siemens Gamesa auf die Übernahme des wesentlichen Geschäfts geeinigt

Der deutsch-spanische Anlagenbauer Siemens Gamesa soll wesentliche Teile des insolventen Windanlagenbauers Senvion übernehmen. Dabei handele es sich um ausgewählte europäische Service- und Onshore-Bereiche, teilte Senvion am Montag in Hamburg mit. Der Gläubigerausschuss habe einer entsprechenden Exklusivitätsvereinbarung zugestimmt. Damit würden die Parteien nunmehr in die Schlussphase der Verhandlungen eintreten, die bis Ende September dauern könne.

Siemens Gamesa interessiert sich dabei laut Verhandlungskreisen für das Geschäft mit der Wartung und Instandhaltung von Windanlagen an Land sowie die Produktion von Rotorblättern in Portugal. Damit könnten gut die Hälfte der rund 3500 verbliebenen Arbeitsplätze gerettet werden, sagte einer der Insider.

Für die übrigen Geschäftsfelder prüfe das Unternehmen weiterhin Optionen und setze die Verhandlungen mit Investoren fort, hieß es weiter. Dabei geht es unter anderem um Serviceverträge für Windräder auf hoher See und das Geschäft außerhalb Europas. Damit bleibt auch fast eine Woche nach der zweitägigen Gläubigerversammlung von Senvion weiter unklar, wie viele Arbeitsplätze bei dem Konzern insgesamt und in Deutschland wegfallen. Hierzulande beschäftigt Senvion noch 1400 bis 1500 Mitarbeiter.

Senvion-Aktie nur noch 10 Cent wert

"Die heutige Ankündigung bedeutet, dass wir kurz davor stehen, einen sicheren Hafen für einen wesentlichen Teil des Unternehmens und seiner Mitarbeiter zu finden", sagte Vorstandschef Yves Rannou. "Unter diesen schwierigen Umständen sind das positive Nachrichten." Mit Blick auf die kommenden Wochen werde das Managementteam weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, um die bestmöglichen Lösungen für den Rest des Unternehmens zu finden.

Senvion hatte im April wegen Schwierigkeiten bei der Abwicklung von Großprojekten Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet und sich auf die Suche nach Investoren begeben. Schnell hatte sich abgezeichnet, dass sich Interessenten nur die Rosinen herauspicken würden. Rannou hatte Ende August eingeräumt, dass sich für die Produktion kein Käufer gefunden habe. Die vorliegenden Aufträge für Windräder sollen aber noch abgewickelt werden. Das sichere Arbeit teilweise bis in den Sommer 2020, erklärte Senvion.

Seit drei Wochen ist klar, dass Senvion aufgeteilt wird und Teile seines Geschäftsbetriebs stilllegen muss. Die Turbinenfertigung in Bremerhaven mit 200 Mitarbeitern steht zum Jahresende vor der Schließung. Bereits in diesem Monat werden die ersten Kündigungen ausgesprochen.


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Die Senvion-Aktie war an der Börse zuletzt nur noch rund 10 Cent wert. Im März 2016 war das Unternehmen für einen Ausgabepreis von 15,75 Euro je Aktie an die Börse gegangen. Das Rekordhoch markierte das Papier im Oktober des gleichen Jahres bei 16,71 Euro. Seit Mitte 2018 ging es in der Tendenz dann nur noch bergab.

mg/dpa-afx, rtr

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