Sonntag, 17. November 2019

Saudi Aramco schließt Deal mit Mukesh Ambani Die saudi-indische Giga-Allianz

Reliance-Raffinerie in Jamnagar, Indien (undatiertes Archivbild)
AFP PHOTO/HO/RELIANCE INDUSTRIES
Reliance-Raffinerie in Jamnagar, Indien (undatiertes Archivbild)

Der Drohnen-Angriff auf die größte Ölraffinerie Saudi-Arabiens rückt den saudischen Ölkonzern Saudi Aramco erneut in den Blick. Der größte Öllieferant der Welt plant den Gang an die Börse und hat erst vor wenigen Monaten einen Deal der Superlative geschlossen: Die Firma mit dem weltweit höchsten Gewinn trifft auf den reichsten Mann Asiens, dem die größte Raffinerie des Globus gehört - und heraus kommt die größte ausländische Direktinvestition, die Indien je gesehen hat.

Bei dem Gewinnweltmeister handelt es sich um den saudi-arabischen Staatskonzern Saudi Aramco. Für die erste Jahreshälfte 2019 wies Saudi Aramco einen um 12 Prozent auf 46,9 Milliarden Dollar gesunkenen Gewinn aus - immer noch mehr als doppelt so viel wie Apple Börsen-Chart zeigen, bisher das Maß der Dinge unter den börsennotierten Konzernen.

Um sich selbst für die Börse fein zu machen, feilt Aramco eifrig an seiner Story. "Wir maximieren die Profitabilität aus jedem Molekül, das wir produzieren", prahlt Konzernchef Amin Nasser. Außerdem wachse sein Unternehmen durch Zukäufe wie die Mehrheit am saudischen (ebenfalls staatlichen) Chemiekonzern Sabic - und nicht zuletzt auch international. Denn ein Global Player, das war die in der verschlossenen Welt des Königreichs Saudi-Arabien agierende Aramco trotz aller Größe bisher nicht.

Mit dem indischen Multimilliardär Mukesh Ambani (62) hat sich Nasser nun darauf geeinigt, 20 Prozent der Raffinerie- und Petrochemiesparte von dessen Mischkonzern Reliance Industries zu übernehmen. Laut Ambani wird das Unternehmen dabei mit 75 Milliarden Dollar einschließlich Schulden bewertet. Zu dem Deal gehöre auch ein fester Liefervertrag über eine halbe Million Fass Rohöl pro Tag aus Saudi-Arabien für die riesige Reliance-Raffinerie in Jamnagar an der indischen Westküste.

"Wir haben unsere zwei Jahrzehnte zurückreichende Beziehung, auf der Basis gegenseitigen Vertrauens, in eine Partnerschaft für potenzielles Wachstum über viele Jahre umgewandelt", schwärmte Ambani am Montag auf der Reliance-Hauptversammlung.

Der Gewinn des Mischkonzerns, der Ambani laut "Forbes" 46 Milliarden Dollar Nettovermögen beschert hat, beruht vor allem auf der Weiterverarbeitung saudi-arabischen Öls. Die Saudis wiederum sind vom asiatischen Absatzmarkt abhängig. Der nun geschlossene Liefervertrag für Reliance macht alleine schon 5 Prozent der gesamten Aramco-Förderung aus.

Die Verbindung ist also logisch: Die Saudis können ihre Börsenträume über alle Hindernisse hinweg weiterverfolgen, und Ambani bekommt freie Mittel für seine Ambitionen jenseits der Ölwelt. Bedingung für den Erfolg ist allerdings, dass der Handel über die umkämpfte Seestraße von Hormus frei bleibt.


Lesen Sie auch: Warum ein Krieg um die wichtigste Ölroute nur Verlierer hätte

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung