Braunkohletagebau RWE dementiert vorzeitiges Aus für Garzweiler

RWE-Chef Peter Terium hat einen Bericht zurückgewiesen, wonach der Braunkohletagebau Garzweiler bereits 2017/18 geschlossen werden könnte. Dafür will Deutschlands zweitgrößter Energieversorger im Vertrieb sparen.
Braunkohlebagger: Laut "SZ" könnte der Tagebau Garzweiler 2017/18 geschlossen werden

Braunkohlebagger: Laut "SZ" könnte der Tagebau Garzweiler 2017/18 geschlossen werden

Foto: A3250 Oliver Berg/ dpa

Frankfurt am Main/Düsseldorf - Der Energiekonzern RWE hat Spekulationen über ein vorzeitiges Aus für seinen umstrittenen Braunkohletagebau in Nordrhein-Westfalen zurückgewiesen. "RWE hält an seinen bisherigen Planungen zur Fortführung des Tagebaus Garzweiler II unverändert fest", erklärte Vorstandschef Peter Terium. Die Braunkohle sei ein wichtiger Teil der Stromerzeugung des Konzerns.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet, RWE werde womöglich den Tagebau in Garzweiler 2017/18 beenden. Das Bergwerk könnte noch so lange betrieben werden, bis die Kohle in den Regionen gefördert ist, aus denen die Anwohner dem Abbau bereits weichen mussten.

Laut Bericht prüfe RWE, den Abriss weiterer Orte und neue Investitionen in den Ausbau des Reviers zu stoppen. Nach bisheriger Planung sollen bis 2045 für den Tagebau Garzweiler II weitere 7000 Menschen umgesiedelt werden, damit auf einer Fläche von 48 Quadratkilometern rund 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle abgebaut werden können.

Aktie dreht ins Plus

Das wachsende Angebot von Wind- und Solarenergie lässt die Preise an den Strombörsen so stark fallen, dass Kraftwerke immer seltener am Netz sind.

Die Aktie von RWE  schwankte auf Grund der Nachrichtenlage stark. Am Morgen notierte die Aktie zunächst knapp zwei Prozent im Minus. Nachdem der Konzern das Aus für Garzweiler jedoch dementiert hatte, drehte das Papier in die Gewinnzone und notierte zuletzt 1,8 Prozent im Plus.

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Kahlschlag: Diese Konzerne streichen Tausende Jobs

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Vor allem für Nordrhein-Westfalen ist die Braunkohle ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. An ihr hängen laut Experten im Umfeld der Tagebaue und Kraftwerke etwa 35.000 Jobs in NRW.

Die Gewerkschaft Verdi warnte vor dem Verlust Tausender Stellen. "Es muss gelingen, die Braunkohle in die Energiewende einzubauen, sonst sieht es hier düster aus", warnte der Verdi-Funktionär und RWE-Aufsichtsrat Hans-Peter Lafos in der "SZ".

Das Bundesverfassungsgericht prüft seit Anfang Juni, ob die Zwangsenteignungen für deutsche Tagebaue rechtens sind. Viele Experten rechnen laut "SZ" damit, dass Kohlekraftwerke bei einer Neujustierung der Energiewende durch die künftige Bundesregierung angesichts dieser Probleme keine führende Rolle spielen werden.

RWE will Vertrieb in Holding bündeln

Im Zuge des Konzernumbaus will RWE offenbar den Vertrieb in einer neuen Holding bündeln. Ähnlich wie das Kraftwerksgeschäft, das RWE-Chef Terium bereits zum Jahreswechsel in der europäischen Aktiengesellschaft RWE Generation zusammengefasst hat, solle nun auch der Verkauf von Strom und Gas in einer Dachgesellschaft gebündelt werden, berichtete das "Handelsblatt". Eine Konzernsprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die Vorbehalte unter den Arbeitnehmervertretern sind laut Zeitung noch groß. Sie fürchten einen weiteren Stellenabbau und zweifeln, ob sich mit der Zusammenlegung die gewünschten Synergieeffekte erzielen lassen. Laut Zeitung sollen die gesamten Vertriebsaktivitäten in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Belgien von der neuen Holding geführt werden.

Dabei deute sich an, dass das gesamte Geschäft der Tochter RWE Deutschland unter das Dach der neuen Einheit gehe. Dazu gehören nicht nur klassische Vertriebsgesellschaften, sondern etwa auch das Verteilnetz, die vier eigenen Regionalversorger sowie ein Dutzend Mehrheits- und knapp 50 Minderheitsbeteiligungen an Regional- und Kommunalversorgern.

Warnung vor Gewinneinbrüchen

Vorbild für den Zusammenschluss ist die Gründung der RWE Generation, die laut Zeitung bereits ohne die laufenden Sparprogramme und den geplanten Stellenabbau von bis zu 3.500 Arbeitsplätzen Kostenvorteile im dreistelligen Millionenbereich gebracht hat. RWE will im November über die Details des Sparprogramms informieren.

Zuletzt hatte der Vorstand auch eine Halbierung der Dividende auf einen Euro je Aktie angekündigt. Das trifft insbesondere zahlreiche Kommunen in Nordrhein-Westfalen schwer, die zusammen rund 24 Prozent der RWE-Aktien halten und die Ausschüttung des Konzerns fest in ihre Haushalte eingerechnet haben. Einige Städte haben bereits Widerstand angekündigt.

Laut "Handelsblatt" wirbt der Konzern in einer speziellen Präsentation für die kommunalen Aktionäre nun um Verständnis und warnt deutlich vor einbrechenden Gewinnen. Zugleich macht RWE laut Zeitung in der Präsentation den Aktionären aber auch Hoffnung, dass es über die Dividendenkürzung hinaus keine weiteren Belastungen für sie etwa durch eine Kapitalerhöhung geben soll.

ts/rtr/afp/dpa-afx
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