Freitag, 13. Dezember 2019

Neue Ausschüttungspolitik RWE verweigert Dividendengarantie

RWE-Zentrale: Im Ringen mit kommunalen Eignern und zwei Gewerkschaften fallen radikale Schritte schwerer als bei Wettbewerber Eon

Der Energiekonzern RWE ändert seine Dividendenpolitik. Doch anders als von den kommunalen Anteilseignern gefordert, soll es keine Mindestausschüttung von einem Euro geben. Weitere große Entscheidungen stehen noch an.

Essen - Der unter Druck stehende Energiekonzern RWE ändert die Berechnung seiner Dividende. Die Ausschüttung werde sich ab dem Geschäftsjahr 2015 nicht mehr allein an dem "nachhaltigen Nettoergebnis" orientieren, teilte der Versorger am Freitag nach einer Vorstandsentscheidung mit. Vielmehr sollte sich die Berechnung auch an den operativen Mittelzuflüssen, der Verschuldung und der Ertragslage orientieren.

Einen konkreten Wert nannte der Konzern nicht. Er wollte sich auch nicht auf eine Mindestdividende festlegen. Für 2013 hatte RWE einen Euro je Aktie gezahlt, im Jahr zuvor war es noch doppelt so viel gewesen. Die Aktie baute nach der Mitteilung ihre Verluste aus und notierte gut 4 Prozent im Minus.

Für 2013 hatte RWE die Dividende auf einen Euro pro Aktie halbiert - selbst dies musste der Konzern angesichts des ersten Jahresverlustes der Nachkriegszeit aus der Substanz bezahlen. 2014 soll das für die Dividendenberechnung bisher maßgebliche "nachhaltige Nettoergebnis" nach den Unternehmensplanungen noch einmal von 2,3 Milliarden auf 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro schrumpfen.

Forderungen nach einer demnach fälligen weiteren Dividendenkürzung treten aber die kommunalen RWE-Aktionäre entschieden entgegen. Vor allem die überschuldeten Städte im Ruhrgebiet sind auf die Dividendeneinnahmen angewiesen. Sie wollen den Betrag von einem Euro als Untergrenze festschreiben, unabhängig vom Konzernergebnis. Die zusätzlich eingeführten Kriterien scheinen eine hohe Ausschüttung in der aktuellen Lage eher noch weiter zu erschweren. Details nannte RWE jedoch nicht.

Kompliziertes Gerangel mit Kommunen und zwei Gewerkschaften

Die Kommunen halten rund ein Viertel der Anteile und stellen vier der 20 Aufsichtsratsmitglieder. 10 weitere sind vom Arbeitnehmerlager benannt, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist Verdi-Chef Frank Bsirske. Auch die IG BCE als Vertreterin der Bergleute im für RWE wichtigen Braunkohletagebau ist in dem Gremium vertreten.

Ebenfalls am Freitag berät der Aufsichtsrat über den künftigen Kurs. Angesichts massiv eingebrochener Gewinne aus der Stromerzeugung muss das Kontrollgremium über mögliche neue Einsparungen nachdenken.

Allein im zu Ende gehenden Jahr hatte der Konzern rund 3600 Vollzeitstellen abgebaut - bislang ohne betriebsbedingte Kündigungen, entsprechend einer zum Jahresende auslaufenden Vereinbarung. Die Gewerkschaften fordern von der Konzernspitze, die Garantie bis mindestens Ende 2018 zu verlängern. Das hatte RWE bisher aber verweigert. Kompliziert wird es dadurch, dass die Gewerkschaften Verdi und IG BCE getrennt voneinander mit dem Konzern verhandeln. Neben den Tariflöhnen geht es auch um eine flexiblere Versetzung des Personals zwischen den einzelnen Konzernsparten.

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