Sonntag, 15. Dezember 2019

Nach dem Kurssturz bei RWE Wie RWE und Eon gegen den Niedergang kämpfen

RWE und Eon: Der deutsche Strommarkt erlebt gerade eine doppelte Revolution

Deutschlands Versorger erleben eine doppelte Revolution: Bei der Kohlekraft zeichnet sich eine europaweite Fusionswelle ab - mit den Deutschen als Getriebene. Bei den Erneuerbaren greifen neue Gegenspieler an, der Strommarkt zersplittert. Haben Eon und RWE noch eine Zukunft?

Manchmal fällt Freitag, der 13. auf einen Mittwoch. Für Rolf Martin Schmitz, Vorstandschef von RWE Börsen-Chart zeigen , war der 13. Dezember 2017 so ein Tag: Eine Gewinnwarnung der Ökostromtochter Innogy ließ die RWE-Aktie zwischenzeitlich um bis zu 13 Prozent einbrechen. Am Donnerstag und Freitag setzte die RWE-Aktie ihren Kurssturz fort - der Konzern verlor binnen drei Handelstagen etwa ein Viertel seines Börsenwertes. Erst am Montag setzte in einem freundlichen Gesamtmarkt eine zarte Erholung ein.

Dabei hatten die Papiere von RWE und Eon Börsen-Chart zeigen im Börsenjahr 2017 zu den großen Gewinnern gehört. Die Eon-Aktie notierte im November mehr als 50 Prozent über ihrem Wert vom Jahresanfang und liegt immer noch 37 Prozent im Plus; das Papier von RWE kostete zeitweilig sogar 90 Prozent mehr als Anfang Januar und ist selbst nach dem Absturz von vergangener Woche noch 39 Prozent teurer als vor zwölf Monaten.

Die Unsicherheit der Investoren ist groß, denn der deutsche Strommarkt erlebt gerade eine doppelte Revolution. Bei Kohle und Gas steht 20 Jahre nach der Liberalisierung eine neue Fusionswelle bevor. Bestes Beispiel ist die Eon-Tochter Uniper, in die der Essener Konzern seine konventionellen Kraftwerke ausgelagert hat. Für 22 Euro pro Anteilsschein will der finnische Konkurrent Fortum im kommenden Jahr den 47-Prozent-Anteil von Eon übernehmen - Anfang des Jahres lag der Kurs bei weniger als 12 Euro.

Bei den Erneuerbaren Energien drängen zeitgleich immer neue Wettbewerber auf den Markt mit dem erklärten Ziel, die großen Versorger überflüssig zu machen. "Da passiert etwas ganz Substanzielles", sagt Patrick Graichen, Direktor des Berliner Thinktanks Agora Energiewende. "Bei den großen konventionellen Kraftwerken sehen wir Konzentrationstendenzen, bei den Erneuerbaren Energien dreht sich der gesamte Markt. Beide Seiten stehen vor einem fundamentalen Wandel - auf sehr unterschiedliche Weise."

"Beide Seiten stehen vor einem fundamentalen Wandel"

Die fossilen Energieträger haben im auslaufenden Jahr ein erstaunliches Comeback hingelegt. Bis vor kurzem als schmutzige Auslauftechnologien quasi abgeschrieben, haben steigende Strompreise und günstige Wechselkurse das Geschäft mit Kohle und Gas wieder attraktiv gemacht. Zudem setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass konventionelle Kraftwerke trotz aller Fortschritte bei regenerativen Quellen und Speichertechnologien noch lange unverzichtbar bleiben werden.

Konzerne wie Fortum, der tschechische Energieversorger EPH oder auch RWE wittern ein durchaus langfristig lukratives Geschäft - und wollen die von der grün gewendeten Konkurrenz verschmähten vermeintlichen Altlasten einsammeln.

Auch auf der anderen Seite, bei den Erneuerbaren Energien, hat der Wettlauf um die Zukunft begonnen - allerdings unter gänzlich anderen Vorzeichen. Hier treffen die Großen wie Eon, das RWE-Spin-off Innogy oder EnBW auf innovative neue Player wie den Allgäuer Ökostrompionier Sonnen oder das Hamburger Start-up Enyway, die günstigen Grünstrom aus der Nachbarschaft versprechen.

"In Deutschland existieren gerade zwei Energiemarktsysteme parallel", sagt Thomas Fritz, Partner beim Beratungshaus Oliver Wyman. "In den nächsten zwei bis drei Jahren werden wir eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle erleben, in fünf bis zehn Jahren werden sie international skalierbar sein und danach werden wir den Markt nicht wiedererkennen." Und ob die deutschen Versorger zu den Gewinnern gehören werden, ist fraglich.

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