Mittwoch, 20. November 2019

RWE-Generation-Chef Hartung "Die Braunkohle steht gewaltig unter Druck"

Braunkohlekraftwerk in Neurath: Für RWE Hoffnungsträger oder das nächste Milliardengrab?

2. Teil: Wie Orkan "Xaver" die Stromerzeugung bei RWE beeinflusst hat

mm.de: Ihre Braunkohlenkraftwerke regeln Sie aber schon heute immer wieder herunter, wenn das Stromangebot aus erneuerbaren Energien hoch ist.

Hartung: Insbesondere unsere Neuanlagen sind sehr gut ausgelastet. Das liegt daran, dass sie im Vergleich zu Kraftwerken mit anderen Energieträgern niedrigere Erzeugungskosten haben.

mm.de: Liefen die Anlagen auch bei Orkan "Xaver" auf vollen Touren, als die Windkraftanlagen so viel Strom eingespeist haben wie noch nie?

Hartung: "Xaver" führte zwar zu einer hohen Einspeisung durch Windkraftanlagen. Parallel leistete die Fotovoltaik aber nur einen sehr geringen Beitrag. Deshalb lief unser Kraftwerkspark im rheinischen Revier mit hoher Auslastung.

mm.de: Dennoch: Wenn Braunkohlekraftwerke künftig noch eine Chance haben wollen, müssen sie mal mehr, mal weniger Strom produzieren anstatt nahezu 365 Tage rund um die Uhr Grundlast zu liefern. Dann lohnt sich ihr Bau doch gar nicht mehr.

Hartung: Die beiden neuen Neurather Blöcke sind die modernsten Anlagen zur Braunkohlenverstromung weltweit. In puncto Flexibilität stehen sie Gaskraftwerken nicht nach. Die Leistung unserer Kraftwerksflotte im rheinischen Revier mit einer Gesamtkapazität von mehr als 10.000 Megawatt können wir heute innerhalb von 30 Minuten um rund 5000 Megawatt anheben oder senken, je nach Einspeisung der Erneuerbaren. Richtig ist aber auch, dass bei heutigen Strompreisen die Margen deutlich geschrumpft sind. Eine Investition in weitere Kraftwerke rechnet sich mit heutigen Preisen deshalb nicht. Das gilt auch für das Kraftwerk BoAplus [geplantes, besonders effizientes Kraftwerk in Niederaußem, d.Red.], das sich zurzeit im Genehmigungsverfahren befindet.

mm.de: Helfen könnten wohl nur neue Regeln für den Strommarkt, die flexible Back-up-Kraftwerke belohnen - da ist der Staat gefragt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Koalitionsvertrag?

Hartung: Wir erkennen in den Aussagen zur Energiepolitik ein ausgewogenes Konzept, das die Interessen der erneuerbaren als auch der konventionellen Erzeugung berücksichtigt. Eine detaillierte Analyse läuft derzeit in unserem Haus.

mm.de: Morgen verkündet das Bundesverfassungsgericht sein Urteil zum Tagebau Garzweiler. Es könnte die Rechte von Menschen stärken, die Sie umsiedeln. Zittern Sie schon?

Hartung: Zunächst einmal werden wir das Urteil abwarten. Wir begrüßen, dass das oberste Gericht sich mit der Thematik befasst und für Planungssicherheit aller Betroffenen sorgen wird.

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