Sprudelnde Gewinne RWE will eventuell auf Gasumlage verzichten

RWE profitiert vom Trend zu neuen Energien und legt für das erste Halbjahr erfreuliche Zahlen vor. Die Einnahmen des Versorgers sprudeln so kräftig, dass er erwägt, die von Berlin geplante Umlage für Verluste im Gasgeschäft nicht in Anspruch zu nehmen.
RWE-Windräder in der Nordsee: Der Versorger macht gute Geschäfte mit neuen Energien

RWE-Windräder in der Nordsee: Der Versorger macht gute Geschäfte mit neuen Energien

Foto: Ben Birchall / dpa

Der Energiekonzern RWE will vor dem Hintergrund sprudelnder Gewinne die geplante Umlage für die Verluste aus der Ersatzbeschaffung von Gas möglicherweise nicht nutzen. "RWE ist ein finanzstarkes und robustes Unternehmen. Wir erwägen daher, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, unsere Verluste aus der Gasersatzbeschaffung für diese Umlage geltend zu machen", sagte RWE-Chef Markus Krebber (49) am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten laut Redetext. "Wir würden diese dann, genauso wie die Verluste von 750 Millionen Euro infolge der Sanktionierung russischer Kohlelieferungen, selber tragen."

RWE hatte Ende Juli vorläufige Zahlen vorgelegt, diese wurden nun bestätigt. Ebenso wie die bereits zu diesem Zeitpunkt erhöhte Prognose. Treiber war auch im ersten Halbjahr RWEs Kerngeschäft, in dem der Konzern die Bereiche Windkraft an Land und auf See, Solar, Energiehandel sowie Wasser, Biomasse und Gas bündelt.

Gewinn im ersten Halbjahr, Verlust im zweiten Quartal

Unter dem Strich entfielen im ersten Halbjahr auf die Aktionäre mit knapp 2,1 Milliarden Euro Gewinn 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis je Aktie belief sich auf 3,08 Euro nach 2,12 Euro. Im abgelaufenen zweiten Quartal schrieb RWE dabei rote Zahlen. Es fiel ein Verlust von 83 Millionen Euro an. Grund waren vor allem gestiegene Kosten für Material und Personal.

RWE profitiert von den Bestrebungen zu mehr Klimaschutz und erneuerbarer Energieerzeugung. RWE werde dieses Jahr mehr als fünf Milliarden Euro in den Ausbau des grünen Portfolios investieren, so Konzernchef Krebber. Das seien 30 Prozent mehr als ursprünglich geplant.

Im ersten Halbjahr haben der Kapazitätszubau und bessere Windverhältnisse bei RWE dazu geführt, dass rund 20 Prozent mehr Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt werden konnte als im Vorjahreszeitraum.

Zum Kerngeschäft zählt RWE neben dem Energiehandel die Stromerzeugung aus Alternativ-Energien und Erdgas. Nicht mehr zum Kerngeschäft zählen die Essener die Kohle- und Kernenergie. RWE betreibt im Emsland noch ein Atomkraftwerk.

AKW-Laufzeitverlängerung: RWE will politische Entscheidung abwarten

RWE hält sich zu einer möglichen Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke bedeckt. "Wir warten die politische Entscheidung ab", sagte Krebber.

Konkurrent Eon hatte sich am Vortag zu Gesprächen über längere Laufzeiten bereit erklärt: "Sollte die Bundesregierung im Rahmen des laufenden Stresstests zu einer Neubewertung der Lage kommen, sind wir zu Gesprächen bereit", hatte Eon-Finanzchef Marc Spieker am Mittwoch gesagt. Bislang ist vorgesehen, dass in Deutschland die drei letzten Meiler Ende des Jahres stillgelegt werden. Sie werden von Eon, RWE und EnBW betrieben. EnBW-Chef Frank Mastiaux hatte gesagt, im Falle einer deutlichen Verlängerung würden neue Brennstäbe gebraucht.

In den vergangenen Wochen sind die Rufe nach einer Laufzeitverlängerung immer lauter geworden. Befürworter verweisen auf die gekürzten russischen Gaslieferungen und fordern, mit den Kernkraftwerken den Einsatz von Gaskraftwerken zu reduzieren.

cr/dpa-afx, Reuters
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