Samstag, 7. Dezember 2019

Gewinneinbruch RWE beklagt "Blutspur in der Bilanz"

VoRWEg gehen? Der Essener Versorger leidet derzeit eher unter VerRWErfungen in der Bilanz

Der Energiekonzern RWE ächzt unter der Energiewende. Nach dem Rekordverlust 2013 kam der Konzern auch im ersten Quartal nicht in die Spur. Wegen schlechter Auslastung werden zudem noch mehr Gas- und Kohlekraftwerke stillgelegt als bisher geplant.

Düsseldorf - Der Nettogewinn brach um ein Viertel auf 995 Millionen Euro ein. "Die niedrigen Strompreise hinterlassen ihre Blutspur in unserer Bilanz", sagte Finanzchef Bernhard Günther am Mittwoch während einer Telefonkonferenz.

RWE Börsen-Chart zeigen machen wie auch Eon Börsen-Chart zeigen und zahlreichen Stadtwerken die Verwerfungen des Marktes zu schaffen. Durch den Ausbau des Ökostroms werden die Kohle- und Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt, an den Strombörsen fallen die Preise.

RWE erwartet auch im Gesamtjahr schrumpfende Erträge.Das schwache Ergebnis der Stromproduktion verhagelte dem Konzern das Geschäft. "Hinzu kam, dass die Wintertemperaturen - nach der extremen Kälte im Vorjahr - dieses Mal ungewöhnlich mild waren", erklärte Vorstandschef Peter Terium in einem Brief an die Aktionäre. Dies habe der Versorger vor allem im Gasgeschäft zu spüren bekommen.

Gas und Kohle: Kraftwerkskapazitäten werden stillgelegt

Angesichts der Neuordnung auf dem Energiemarkt legt RWE wegen schlechter Auslastung und niedriger Börsenstrompreise noch mehr Kraftwerkskapazitäten still als angekündigt. Statt wie bisher geplant 6,6 Gigawatt sollen nun 7,4 Gigawatt vorübergehend oder komplett vom Netz genommen werden, sagte Finanzvorstand Günther. Das entspricht etwa einem Zehntel des bundesdeutschen Spitzenverbrauchs.

Betroffen sind vor allem Gaskraftwerke. Außerdem habe RWE Verträge für Steinkohlekraftwerke mit externen Anbietern gekündigt. Zusätzlich über den Sommer stillgelegt wurde am 1. Mai das Gaskraftwerk in Lingen mit mehr als 800 Megawatt. Beim niederländischen Steinkohlekraftwerk in Eemshaven mit insgesamt rund 1,6 Gigawatt verzögere sich die Fertigstellung wegen eines Kesselschadens um ein halbes Jahr, sagte Günther. Die Ursache werde untersucht. Das Kraftwerk mit zwei Blöcken sollte in zwei Stufen Mitte und Ende 2014 ans Netz gehen.

Mit seinen konventionellen Kraftwerken erzielte RWE von Januar bis Ende März einen operativen Gewinn von 780 Millionen Euro - ein Minus von 23 Prozent. Im Konzern fiel der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 15 Prozent auf 2,6 Milliarden. "Die Zahlen waren mau", sagte Heino Ruland von Ruland Research.

Die RWE-Aktie gab am Mittwoch zeitweise fast zwei Prozent nach und war damit größter Verlierer im Dax.

Konzern will mit DEA-Verkauf Schulden senken

Der Energieriese hatte bereits das vergangene Geschäftsjahr nach hohen Abschreibungen auf seine ausländischen Kraftwerke mit einem Minus von fast drei Milliarden Euro abgeschlossen - der höchste Verlust eines börsennotierten Versorgers in Deutschland überhaupt. Die Anleger mussten sich mit einem Euro Dividende begnügen nach zwei Euro im Vorjahr.

RWE passte nun wegen des geplanten Verkaufs seiner Öl- und Gasfördertochter Dea seine Jahresprognose an. So soll ohne operativen Beitrag von Dea der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bei 6,4 bis 6,8 Milliarden Euro liegen. Bislang hatte RWE inklusive Dea 7,6 bis 8,1 Milliarden veranschlagt.

Eigene Ökostromtochter erst 2007 gegründet

Der größte deutsche Stromerzeuger leidet allerdings nicht nur an den Folgen der Energiewende. Einige Probleme sind hausgemacht. Teriums Vorgänger Jürgen Großmann und Harry Roels setzten noch auf Kohle- und Kernkraftwerke, als der ursprüngliche Atomausstieg schon längst beschlossen was. Sie hofften, diesen umkehren zu können. 2005 hatte RWE ein milliardenschweres Programm zum Bau neuer konventioneller Kohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien gestartet. Diese Anlagen werfen wegen der Konkurrenz durch den Ökostrom kaum noch Gewinn ab.

Eine eigene Ökostromtochter gründete der Konzern erst 2007. Diese gehörte nun zu den wenigen Sparten, die ihren operativen Gewinn im ersten Quartal steigern konnte. RWE drücken zudem Schulden von über 31 Milliarden Euro.

Vorstandschef Terium kündigte an, diese vor allem mit dem rund fünf Milliarden Euro teuren Dea-Verkauf bis Ende des Jahres auf 26 Milliarden Euro zurückfahren. Dies ist dringend nötig, kommen die Schulden RWE wegen der Zinslast doch teuer zu stehen. 2013 musste das Unternehmen Finanzaufwendungen von 2,7 Milliarden Euro stemmen.

la/rei/dpa/reuters

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