Donnerstag, 20. Juni 2019

Kohletagebau Garzweiler RWE bangt um sein braunes Gold

Bedrohter Gewinnbringer: Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler

Für RWE geht es ans Eingemachte: Weil die Energiewende den Konzern immer stärker schmerzt, kokettiert der Versorger sogar mit dem Aus für den Braunkohletagebau Garzweiler. Nun soll der Staat den Goldesel retten.

Hamburg - Auf den ersten Blick war die Reaktion von Peter Terium klar und deutlich. "RWE hält an seinen bisherigen Planungen zur Fortführung des Tagebaus Garzweiler II unverändert fest", ließ der RWE-Chef ausrichten, nachdem die "Süddeutsche Zeitung" zuvor das Gegenteil nahegelegt hatte.

Deren Bericht zufolge prüft RWE Börsen-Chart zeigen intern, den Tagebau schon 2017 oder 2018 statt Mitte des Jahrhunderts zu schließen. Angesichts eines hohen Angebotes an billigem Ökostrom sei selbst die Braunkohle bald nicht mehr wirtschaftlich. Zudem gebe es zunehmend Gegenwind aus der Politik und von Gerichten.

Doch obwohl Terium nun abwiegelt - auf den zweiten Blick wird erneut deutlich, wie sehr die Energiewende seinen Konzern inzwischen ins Mark und damit auch die Braunkohleverstromung trifft. Selbst diese ist offenbar existenziell bedroht von den Verwerfungen am Energiemarkt. Zu den Turbulenzen kommt es, weil stetig wachsende Mengen aus subventioniertem Wind- und Solarstrom die Netze fluten.

Ein Thema für die Koalitionsverhandlungen?

RWE gibt offen zu, dass die Braunkohle langfristig nur eine Zukunft habe, wenn sich die energiepolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland ändern. Das Unternehmen setze darauf, "dass sich der regulatorische Rahmen auf den Energiemärkten so verändern wird, dass auch die konventionelle Stromerzeugung eine Perspektive hat", heißt es in der Mitteilung. Genau deshalb stünden "Ausstiegsplanungen oder Entscheidungen über ein vorzeitiges Ende eines Tagebaus nicht an".

Mit anderen Worten: Ohne Hilfe des Gesetzgebers stünde Garzweiler II womöglich doch zur Disposition. Das deckt sich mit früheren Aussagen des Versorgers, wonach Braunkohlekraftwerke von der vorzeitigen Schließung bedroht sind.

Somit kommt RWE die Aufregung um Garzweiler nicht eben ungelegen - vor allem, wenn der Hilferuf auch in Berlin erhört wird, wo gerade um eine neue Regierungskoalition gerungen wird. In den Verhandlungen spielt die Energiepolitik eine entscheidende Rolle - und damit faktisch auch die Lage der gebeutelten Energiekonzerne.

Möglicherweise geht es dabei schon um Marktregeln, die konventionelle Kraftwerke wieder "ins Geld" bringen sollen. In einem Kapazitätsmarkt etwa würden Versorger eine Vergütung dafür erhalten, dass sie Kraftwerke als Reserve für wind- und sonnenarme Zeiten vorhalten - Ähnliches ist bisher nur über eine Art Notverordnung möglich, die Stilllegungen verhindern soll. Finanzanalysten sehen in einer solchen Regelung eine von ganz wenigen positiven Entwicklungen, die für die Versorger in den nächsten Jahren denkbar sind.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung