Freitag, 6. Dezember 2019

Aktie im Minus trotz höherer Prognose RWE enttäuscht mit Ausblick für Erneuerbare Energien

RWE-Zentrale in Essen, Nordrhein-Westfalen: Der Konzern blickt nach einem guten dritten Quartal optimistischer in die Zukunft

Trotz steigender Konzerngewinne machen Anleger bei RWE Börsen-Chart zeigen Kasse. Die Aktien fielen am Donnerstag um 4,5 Prozent auf 25,36 Euro. Damit markierten sie den niedrigsten Stand seit mehr als zweieinhalb Monaten. Den Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs zufolge dürfte der Ausblick des Energiekonzerns für den Geschäftsbereich Erneuerbare Energien enttäuscht haben. Die anvisierte Spanne für das Ergebnis vor Steuern und Zinsen liege mit 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro etwas unter den Erwartungen. Laut den Experten der Investmentbank Jefferies existiert keine allgemeine Prognose für das Geschäft für 2019, allerdings für 2020. Diese liege bei 1,9 Milliarden Euro.

Wegen des Handelsgeschäfts und der Aussicht auf Nachzahlungen aus Großbritannien wird RWE für das Gesamtjahr 2019 jedoch optimistischer. Der Dax-Konzern erhöhte nach dem dritten Quartal seine Jahresprognose für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 'RWE Stand Alone' auf 1,8 bis 2,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Essen mitteilte. Bisher erwartete der Vorstand 1,4 bis 1,7 Milliarden. Das bereinigte Nettoergebnis sieht das Management jetzt bei 0,9 bis 1,2 Milliarden Euro. Bisher lag die Spanne bei 0,5 bis 0,8 Milliarden Euro. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel 2,1 Prozent zu.

Nachzahlungen aus Großbritannien

Positive Effekte erwartet RWE im vierten Quartal aus Großbritannien. Der Energiekonzern erhält nach der EU-Entscheidung im Oktober wieder Zahlungen aus dem britischen Kapazitätsmarkt. Der Energiekonzern Uniper Börsen-Chart zeigen hatte aus diesem Grund in dieser Woche bereits seine Ziele für das laufende Jahr angehoben.


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Mit diesem Modell des Kapazitätsmarktes entlohnt Großbritannien die Stromproduzenten, wenn sie Kapazitäten für Stromengpässe bereithalten. Diese Regelung für staatliche Beihilfen war im November vergangenen Jahres nach einer richterlichen Entscheidung ausgesetzt worden. Die EU-Kommission wollte prüfen, ob der Kapazitätsmarkt mit den EU-Vorschriften und Leitlinien für staatliche Beihilfen vereinbar ist. Das hat die EU nun im Oktober in Brüssel bejaht.

Dividendenziel bestätigt

In den ersten neun Monaten stieg das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,3 auf 1,5 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis verbesserte sich von 645 Millionen auf 854 Millionen Euro. Aufgrund der bevorstehenden Neuaufstellung legt RWE weiter zunächst Zahlen für "Stand Alone" vor, also ohne operative Beiträge der früheren Tochter Innogy.

Der noch vor wenigen Jahren wankende Energieriese bestätigte sein Dividendenziel für 2019 von 80 Cent je Aktie. "Wir haben eine finanzielle Basis, die wieder Wachstum ermöglicht - gerade im Geschäft mit Erneuerbaren Energien, wo wir über eine hervorragende Perspektive verfügen. Das sind gute Gründe, die anstehenden Aufgaben mit großem Optimismus anzugehen", sagte Finanzchef Markus Krebber.

RWE will führender Ökostromerzeuger werden

Mit den steigenden Gewinnen im Rücken kann der RWE-Konzern seinen Umbau zu einem großen Ökostromerzeuger weiter vorantreiben. Im September hatte die EU die Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy genehmigt. RWE erhält durch den Deal mit Eon die erneuerbaren Energien von Innogy und Eon Börsen-Chart zeigen und wird damit bei Strom aus Windkraftanlagen auf See nach eigenen Angaben sogar weltweit die Nummer zwei. Der Ex-Rivale Eon übernimmt im Zuge dieses fast verrückten Deals von Innogy die beiden Sparten Netze und Vertrieb.

In Deutschland produziert RWE derzeit aber noch viel Strom aus der als besonders klimaschädlich geltenden Braunkohle. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Der Energiekonzern will bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden. Neben Strom aus Wind und Sonne will der Energieriese künftig auf Biomasse und auf "grünes" Gas setzen.

Anleger honorieren neue Strategie: 40 Prozent Plus seit Januar

Anleger honorieren die strategische Neuaufstellung. Mit einem Anstieg von rund 40 Prozent seit Jahresbeginn gehört die RWE-Aktie zu den besten Werten im deutschen Leitindex. Nach der Genehmigung der Zerschlagung von Innogy im September stieg die Aktie von RWE bis Ende September auf den höchsten Stand seit knapp fünf Jahren und erreichte einen Kurs von 28,81 Euro. Anschließend gab das Papier allerdings wieder etwas nach und kostete zuletzt noch etwa 26 Euro. Aber schon vor der Bekanntgabe der EU hatte die RWE-Aktie ordentlich von dem Vorhaben profitiert.

Zum Vergleich: Für den ehemaligen Konkurrenten Eon hat sich der Deal nicht ganz so gut ausgewirkt. Das Papier des Energiekonzerns legte seit Jahresbeginn nur um gut 5 Prozent zu.

mg/dpa-afx, rtr

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