Freitag, 22. November 2019

Eon, RWE und Co. Schrumpfen sich die Energieversorger zu Tode?

Schlechte Aussichten: Die deutschen Energieversorger gehen harten Zeiten entgegen

Tausende Stellen fallen weg, Investitionen werden zusammengestrichen, Unternehmensanteile verkauft: Energieversorger wie Eon und RWE überbieten sich in einem beispiellosen Schrumpfwettlauf. Mit welchem Ende?

Hamburg - Es ist nicht viele Jahre her, da waren die Auftritte von führenden deutschen Energiemanagern machtvolle Demonstrationen der Stärke. Von neuen Kraftwerken, neuen Märkten und neuen Gewinnrekorden wussten Altvordere wie Jürgen Großmann (RWE), Wulf Bernotat (Eon) oder auch Utz Classen (EnBW) zu berichten. Potenzielle Übernahmeziele konnten gar nicht groß genug sein.

Aus. Vorbei.

Die heutigen Chefs Peter Terium, Johannes Teyssen und Frank Mastiaux müssen die Konzerne vor dem Totalschaden bewahren. Ihre jüngsten Worte drücken den historischen Niedergang der Unternehmen am besten aus:

"Unser traditionelles Geschäftsmodell bricht uns unter den Füßen weg", klagt RWE-Mann Terium und sieht sich angesichts eines massiven Ergebniseinbruchs im "Tal der Tränen".

Einen Tag zuvor konstatierte Eon-Chef Teyssen: "Unser traditionelles Kraftwerksgeschäft leidet nach wie vor unter Verwerfungen des Marktes."

Wenig Illusionen gibt sich der EnBW-Vorstandsvorsitzender Frank Mastiaux hin. "Niemand ist auf uns angewiesen", stellte er unlängst fest.

Einschläge treffen bereits ins Herz

In diesen Tagen wird so deutlich wie noch nicht zuvor: Die Einschläge bei RWE Börsen-Chart zeigen, Eon Börsen-Chart zeigen und Co. kommen näher. Im Grunde ist es noch schlimmer - sie treffen teilweise bereits ins Herz der Unternehmen. So erwirtschaften die Kraftwerke nur noch ein Bruchteil ihrer einstigen Gewinne oder rutschen gar in die roten Zahlen.

Die Liste der Ursachen ist inzwischen lang: Atomausstieg, Siegeszug der erneuerbaren Energien, Liberalisierung des Strommarktes, Wirtschaftskrise und sinkende Strompreise, dazu behördenartige Strukturen und Denkmuster in den Unternehmen.

Verschärfend kommt die Tatsache hinzu, dass die Konzerne mit Tausenden gut bezahlten Managern auf die wenigsten dieser Entwicklungen und Missstände entschieden reagiert oder sie gar zum Vorteil genutzt haben. Stattdessen setzten sie viel zu lange stur auf ihr altes Geschäftsmodell.

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