Mit Ex-BP-Chef Lord Browne Wie Michail Fridman aus RWE Dea einen Weltkonzern schmieden will

Für RWE ist Dea-Käufer Michail Fridman ein Retter in der Not, ansonsten schlägt dem russischen Milliardär im Westen viel Misstrauen entgegen. Nun soll Ex-BP-Chef Lord Browne Fridmans Ölkonzern L1 Energy salonfähig machen - und für den Angriff auf internationale Multis vorbereiten.
Will die Öl- und Gasszene aufmischen: Der russische Oligarch Michail Fridman stößt auf Widerstand

Will die Öl- und Gasszene aufmischen: Der russische Oligarch Michail Fridman stößt auf Widerstand

Foto: imago

Hamburg - Michail Fridman wäre wohl nicht Michail Fridman, wenn er in dieser Situation aufgibt: Von allen Seiten bekommt er Gegenwind bei seinem Versuch, quasi aus dem Nichts einen Öl- und Gaskonzern zu erschaffen, der es schon bald mit den ganz Großen aufnimmt.

Noch immer stellt sich die britische Regierung gegen das Herzstück von Fridmans Expansionsplan - die heute endgültig besiegelte Übername der RWE-Tochter Dea. Verschärft die Staatengemeinschaft die Sanktionen gegen Russland - so erwartet London - müsse die Öl- und Gasproduktion von Dea in der britischen Nordsee faktisch unterbrochen werden. Vor allem beim Gas, das 20 Prozent des 5,1-Milliarden-Euro-Deals ausmacht, fürchtet die britische Regierung dann Versorgungsengpässe. Fridman droht eine lange juristische Auseinandersetzung, er will notfalls klagen.

Der Kauf von RWE Dea erscheint recht teuer

Ebenfalls ungünstig für Fridman: Der drastisch gefallene Ölpreis lässt den Dea-Kauf trotz einiger Nachjustierungen reichlich teuer erscheinen. Schließlich wurde er bereits vor knapp einem Jahr beschlossen. Damals war der Rohstoff noch fast doppelt so teuer wie heute.

Doch das alles weckt offenbar erst recht Fridmans Kampfeslust. Der Mann (geboren 1964) hat sich in Russland vom Teppichhändler zum Ölmilliardär emporgearbeitet. Forbes schätzte sein Vermögen auf 18 Milliarden Dollar. Da sollte er mit den Bedenkenträgern in der Downing Street und den Preiskapriolen noch zurechtkommen.

Denn trotz der vielen Steine, die beim RWE-Dea-Geschäft im Weg liegen, locken glänzende Geschäfte: Die globale Großwetterlage in der Öl- und Gasbranche scheint gar nicht so übel für den Plan, einen neuen Spieler im Rohstoff-Monopoly zu erschaffen. Die eher teure RWE Dea mit Sitz in Hamburg - künftiger Name: DEA Deutsche Erdoel AG - soll ja nur der Anfang einer Reihe von Akquisitionen sein.

Das Startkapital stammt auch vom TNK-BP-Verkauf an Rosneft

Alles, was nun dazu kommt, könnte Fridman für relativ kleines Geld unter seine Fittiche nehmen. Bei einem Comeback des Ölpreises würde er dann mächtig absahnen, so das Kalkül. Sein Startkapital stammt nicht zuletzt vom Verkauf seines 14-Milliarden-Dollar-Anteil am britisch-russischen Ölkonzern TNK-BP, den der russische Staatsgigant Rosneft 2013 für 50 Milliarden übernahm.

Fridman will unter dem Namen L1 Energy nun "eine Firma von dauerhaftem Wert erschaffen". So formuliert er es nicht selbst, sondern sein wichtigster Helfer, der ehemalige Chef des britischen Ölriesen BP, Lord Browne.

Fridmans Expansionspläne: "Erst Nordamerika, dann den Rest der Welt"

Browne ist schon seit 2013 bei Fridman an Bord. Zunächst als Berater, seit heute nun als operativ tätiger Chef von L1 Energy. Dieses Unternehmen ist nur ein Teil von Fridmans Imperium, zu dem auch Beteiligungen am russischen Mobilfunkbetreiber VimpelCom sowie türkischen und ägyptischen Telekommunikationsanbietern gehören.

Fridmans Mann für Öl und Gas: Ex-BP-Chef Lord John Browne

Fridmans Mann für Öl und Gas: Ex-BP-Chef Lord John Browne

Foto: Getty Images

Browne ist für Fridman so etwas wie die Eintrittskarte in die Welt des globalen Öl- und Gasgeschäfts. Er führte BP von 1995 bis 2007 und darf nun auf Shoppingtour in der Branche gehen.

"Zuerst werden wir uns Deas besonders starke Bereiche ansehen und sehen, wir wir in ihnen expandieren können", sagte Browne gegenüber der Financial Times . Dea ist nicht zuletzt in Deutschland stark: Fridman hat über Dea 20 Prozent der deutschen Gas- und 25 Prozent der deutschen Ölförderung erworben.

Den Blick wird Fridman nun aber wohl auch nach Nordamerika wenden. Dort sind strauchelnde Ölfirmen billig zu haben. Ihnen macht der Ölpreis-Absturz derart zu schaffen, dass sich ihre Börsenkurse zum teil halbiert haben.

Unternehmensberater erwarten wegen des Preisrückgangs eine allgemein zunehmende Aktivität bei Übernahmen und Fusionen  in den USA und Kanada. "Diesen Bereich werden wir uns als zweites ansehen", so Browne. Danach komme "der Rest der Welt".

Wird es so kommen? Oder macht die Ukraine-Krise Fridman einen Strich durch die Rechnung? Bisher ist er Sanktionen und Reisebeschränkungen geschickt umgangen. Zum Teil verdankt er dies seiner Strategie, sich aus der russischen Innenpolitik sowie dem Mediensektor herauszuhalten. Gleichwohl gelten seine Verbindungen in die höchsten politischen Kreise als exzellent.

Sein Adjutant Lord Browne wiederum hat mit Blick auf Russland ein Problem. Als lautstarker Verfechter offen gelebter Homosexualität in Führungsetagen (Buch: "The Glass Closet: Why Coming Out Is Good for Business") gilt er in seiner Heimat inzwischen als angesehener Tabubrecher.

Russlands Präsident Putin dagegen profiliert sich mit Gesetzen gegen Schwule und Lesben. Doch Browne hat rhetorisch bereits vorgebaut : Putins homophobe Ausfälle seien als taktisches Politmanöver zu sehen. Nicht, dass durch dieses Thema noch die geplanten Milliardengeschäfte in Gefahr geraten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.