Gaslieferungen zu teuer Eon prüft Kündigung aller Gazprom-Verträge

Die Preissenkungen, die Eon im vergangenen Jahr durchgesetzt hat, waren nicht genug: Einem Bericht zufolge stellt Eon alle langfristigen Gaslieferträge mit dem russischen Versorger Gazprom auf den Prüfstand - denn das russische Gas ist Eon zu teuer.
Zentrale von Eon Ruhrgas in Essen: Eon erwägt offenbar eine vollständige Kündigung seiner Gaslieferverträge mit Gazprom

Zentrale von Eon Ruhrgas in Essen: Eon erwägt offenbar eine vollständige Kündigung seiner Gaslieferverträge mit Gazprom

Foto: Martin Meissner/ ASSOCIATED PRESS

Düsseldorf - Der Energieriese Eon stellt einem Magazinbericht zufolge seine Gaslieferverträge mit dem russischen Versorger Gazprom auf den Prüfstand. Eon erwäge, eine vollständig Kündigung der teilweise über zehn und zwanzig Jahre laufenden Verträge, berichtete die "WirtschaftsWoche" vorab unter Berufung auf Konzernkreise.

Stattdessen würde Eon  Erdgas künftig nur noch über die westeuropäischen Spotmärkte beziehen, da das russische Gas zu teuer sei. Ein Eon-Sprecher sagte dazu, dass Eon als Teil eines diversifizierten Gasbezugs "auch langfristig auf Lieferungen zu wettbewerbsfähigen Konditionen aus Russland" setze. "Zu einzelnen Verträgen und Verhandlungen nehmen wir keine Stellung", betonte der Sprecher.

Eon hatte im Juli vergangenen Jahres bei Gazprom  Preissenkungen durchgesetzt. Deutschlands größter Versorger schrieb im Gasgeschäft teilweise hohe Verluste. Dies lag daran, dass Eon Ruhrgas Gas teurer einkaufte als er es verkaufen konnte. Der Düsseldorfer Energieriese musste seinem Lieferanten Gazprom in den langfristig festgelegten Verträgen noch hohe Preise zahlen, während die eigenen Großkunden wie Stadtwerke nur noch die wegen des inzwischen herrschenden Überangebots gefallenen Marktpreise berappen wollen.

EU-Wettbewerbsverfahren gegen Gazprom läuft

Auch der Eon-Rivale RWE , der ebenfalls einen Großteil seiner Erdgaslieferungen aus Russland bezieht, setzt auf ein Entgegenkommen Gazproms bei den Gaspreisen. Der Streit wird vor einem Schiedsgericht verhandelt. RWE strebt früheren Angaben zufolge eine Lösung bis Ende 2013 an. Gazprom ist der wichtigste Erdgaslieferant Europas und deckt etwa ein Drittel des dortigen Bedarfs.

Die EU-Kommission hatte im September 2012 ein Wettbewerbsverfahren gegen Gazprom eröffnet, weil der Konzern ihrer Ansicht nach seine Marktdominanz in Ost- und Mitteleuropa missbraucht.

Zudem prüft Eon dem Magazinbericht zufolge, ob sich der Konzern von seiner 54-prozentigen Beteiligung am südschwedischen Atomkraftwerk Oskarshamn im nächsten Jahr zurückzieht. Die Düsseldorfer betreiben den Meiler zusammen mit dem finnischen Versorger Fortum.

wed/rtr
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