Wirtschaftsinstitute Forscher sagen Rezession für Deutschland im Winter voraus

Die wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung im Winter. Damit würde Deutschland in die Rezession rutschen. Der Staat müsse jetzt massiv gegensteuern, fordern sie.
Energiekrise: Die Wirtschaft rutscht wegen der Energiekrise im Winterhalbjahr in eine konjunkturelle Talsohle

Energiekrise: Die Wirtschaft rutscht wegen der Energiekrise im Winterhalbjahr in eine konjunkturelle Talsohle

Foto: Axel Heimken/ dpa

Deutschland kann nach Einschätzung der führenden Forschungsinstitute eine Rezession nicht verhindern. Die Wirtschaft rutscht wegen der Energiekrise im Winterhalbjahr in eine konjunkturelle Talsohle und werde dann schrumpfen, erwarten die Regierungsberater. Deshalb hätten die Ökonomen ihre Frühjahrsprognose massiv gekappt, wie die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Sache vertrauten Personen am Dienstag erfuhr.

Für dieses Jahr erwarten die Fachleute demnach nur noch ein Wirtschaftswachstum von rund 1,4 Prozent und für 2023 einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts um etwa 0,4 Prozent. Die Inflation werde von 8,4 Prozent im Jahresschnitt 2021 dann im nächsten Jahr auf 8,8 Prozent klettern.

Im Frühjahr hatten die Fachleute für 2022 noch mit einem Wachstum von 2,7 und 2023 von 3,1 Prozent gerechnet. Wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs und der Auswirkungen auf die Energie-, Rohstoff- und Verbraucherpreise schraubten die Institute ihre Schätzung nun allerdings deutlich zurück. Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose stammt vom Essener RWI, Münchner Ifo, Kieler IfW und dem IWH aus Halle. Das Berliner DIW pausiert derzeit und wird 2023 wieder am Gutachten mitarbeiten.

"Die deutsche Wirtschaft rutscht in die Rezession"

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) befürchtet für 2023 sogar einen Einbruch der Konjunktur um 1,75 Prozent, nach 1,25 Prozent Wachstum in diesem Jahr. "Alles deutet darauf hin, dass Deutschland unkontrolliert in eine Rezession schlittert", sagte IW-Direktor Michael Hüther (60). Der Staat müsste jetzt massiv gegensteuern. Neben den Verbrauchern müssten auch die Unternehmen entlastet und notfalls die Schuldenbremse erneut ausgesetzt werden.

Die Bundesbank rechnet damit, dass die Wirtschaft im zu Ende gehenden Sommer-Quartal etwas schrumpft, dann Ende 2022 und Anfang 2023 sogar merklich Fahrt verliert.

Exporterwartungen sinken weiter

In den Chefetagen der Firmen ist die Stimmung derzeit so schlecht wie seit den Anfängen der Corona-Pandemie nicht mehr. Die Energiekrise drückt das Barometer für die deutsche Konjunktur, den Ifo-Geschäftsklimaindex, im September auf den tiefsten Stand seit Mai 2020. "Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession", hatte Ifo-Präsident Clemens Fuest (54) dazu erklärt.

Die Exporterwartungen der deutschen Wirtschaft sind laut Ifo-Institut auf den niedrigsten Wert seit Mai 2020 gefallen. Der Index sank im September auf minus 6,0 Punkte, nach minus 2,8 Punkten im August. Auch mittelfristig sei aufgrund der Kühlungden Weltkonjunktur kaum eine größere Dynamik zu erwarten.

In den meisten Industriebranchen seien die Exporterwartungen negativ. Die Automobilbranche rechnet zwar damit, im vierten Quartal mehr zu exportieren. Auch die Getränkehersteller seien nach dem Zwischentief im August wieder optimistischer. Aber die chemische Industrie geht von einem deutlichen Rückgang aus, ebenso die Möbelhersteller. Auch "die Metallindustrie sieht erheblich pessimistischer auf die Auslandsgeschäfte in den kommenden drei Monaten".

sio/Reuters
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