Donnerstag, 14. November 2019

Seltsame Energiewende im Nachbarland In Polen droht Windpark-Betreibern Gefängnis

Kohle-Tagebau Belchatow: Warschau hält den Kumpels die Stange

Martin Pacovsky versteht noch immer nicht so ganz, warum er und seine Leute faktisch aus Polen herausgeworfen worden sind. "Der Wind weht gut in Polen", sagt der Leiter des Erneuerbare-Energien-Geschäfts beim tschechischen Großversorger CEZ. "Es ist nicht nachzuvollziehen, dass die Regierung diese Energiequelle nicht nutzen will".

Die Konsequenz: Das Unternehmen, das bisher große Hoffnungen auf Polen setzte, hat weite Teile seiner Offshore-Wind-Aktivitäten nach Hamburg verlagert. Geplante Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Euro bis 2020 fließen an Polen wohl großräumig vorbei.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die wundersame Energiewende, die Polen derzeit vollzieht. Mit zum Teil bizarren Gesetzen legt die rechtspopulistische Regierung den erneuerbaren Energien Steine in den Weg. Gleichzeitig will sie Milliardensubventionen für die sterbende Kohleindustrie locker machen - und legt sich dafür mit dem Rest Europas an.

Kohle ist Energiequelle Nummer eins in Polen

Traditionell ist Polen ein Kohleland. Der Brennstoff ist die Energiequelle Nummer eins. In der Industrie arbeiten noch immer etwa 100.000 Menschen, vor allem in den oberschlesischen Revieren.

Doch der weltweite Preisverfall hat die Förderung extrem unwirtschaftlich gemacht . Die Bergbauuntrenehmen fahren Milliardenverluste ein. Die größte Kohlefirma, Kompania Weglowa (KW), kann im Mai womöglich die Löhne nicht mehr zahlen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters .

Anstatt nun die längst überfällige Wende zu saubereren und inzwischen auch günstigeren erneuerbaren Energien einzuleiten, will die Regierung die Kohle um jeden Preis retten. Premierministerin Beata Szydlo (PIS-Partei), Tochter eines Bergmannes, ist mit diesem Versprechen zur Wahl angetreten.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung