Samstag, 21. September 2019

Solarenergie für einen Monat vor Braunkohle Heißer Juni - Sonnenkraft erstmals deutsche Stromquelle Nr. 1

Hausbesitzer mit Photovoltaik-Dachanlage
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Hausbesitzer mit Photovoltaik-Dachanlage

Als Ökostrom-Nation ist Deutschland schon bekannt. Die Rekordzahlen zum ersten Halbjahr 2019 haben gezeigt, wie die Energiewende weiter voranschreitet - und als einer der wenigen deutschen Beiträge zum Klimaschutz wirklich funktioniert.

Völlig neu dagegen ist, dass nicht die Windenergie den Trend anführt, sondern die Sonnenkraft.

Zumindest gilt das für den Juni: Erstmals haben die Solaranlagen im vergangenen Monat mehr Strom ins deutsche Netz eingespeist (7,17 Terawattstunden oder 19,2 Prozent der gesamten Nettoleistung) als Braunkohle (18,7 Prozent), Wind (18,0 Prozent) und alle anderen Energieträger. Das berichtet das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE.

Freilich handelt es sich nur um einen einzelnen Monatswert, der von der besonders starken Sonneneinstrahlung im außergewöhnlich heißen Juni geprägt ist. Im Januar trug die Solarenergie nur 2 Prozent zur deutschen Stromerzeugung bei. Auch tageszeitlich ist die Leistung naturgemäß beschränkt - nachts fällt sie auch im Sommer auf Null. Das Maximum war laut ISE am 29. Juni um 13 Uhr, als die Solaranlagen 33,4 Gigawatt ins Netz speisten und damit mehr als die Hälfte des gesamten Stroms.

Dennoch sind die Rekordzahlen bemerkenswert. Das Muster der Sommer-Peaks in der Solarstromproduktion ist zwar regelmäßig. Doch im ebenfalls außergewöhnlich heißen Sommer 2018 lieferten die Braunkohlekraftwerke immer noch fast doppelt so viel Strom wie die Solaranlagen des Landes.

Die Statistik zeigt daher, dass Sonne ebenso wie Wind zu einer der relevanten Größen im deutschen Netz aufsteigt. Dabei dienen die üppigen Umlagen von den Stromkunden, die in den 2000er Jahren Deutschland zur führenden Solarnation machten, kaum noch als Anreiz. Seit Jahresbeginn ist die Neufassung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes in Kraft, die den Zubau neuer geförderter Solaranlagen mit einer strikten Obergrenze (einem "atmenden Deckel") kappt.

Zugleich jedoch sorgen mehrere andere Faktoren für einen Boom im Anlagenbau:

Die Kehrseite der Entwicklung: Je mehr die Stromversorgung von schwankenden Quellen abhängt, desto stärker steigt der Aufwand, um die Spannung im Netz stabil zu halten. Immerhin ist die Sonnenstrahlung relativ planbar - und Sonne und Wind ergänzen sich laut Fraunhofer ISE.

Industriepolitisch ist der Solar-Boom ein Reinfall. Die großen Modulproduzenten mussten gegenüber der billigen Konkurrenz aus Asien reihenweise aufgeben. Die einst sechsstellige Zahl von Arbeitsplätzen in der Industrie sank bis 2016 auf 32.000 - und wird vom Branchenverband BSW im Kurzprofil inzwischen gar nicht mehr genannt.

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