Montag, 17. Juni 2019

Shell-Finanzchef Peak Oil steht kurz bevor - aber anders, als wir immer dachten

Ölfeld in Oklahoma

Wenn sich Ölkonzerne zur Zukunft des Öls äußern, klingt das normalerweise so: Die Nachfrage wird in den kommenden Jahrzehnten immer weiter steigen, ein Ende ist nicht absehbar. Schließlich wächst der Wohlstand weltweit, auch die Menschen in Schwellenländern wollen fliegen und Auto fahren. Wer wollte es ihnen verdenken?

Jedes Jahr produzieren Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen, BP und Co. aufwändige Studien, um diese fürs Weltklima eher ernüchternde Botschaft zu verbreiten. Doch nun schert erstmals ein Ölmulti aus der Reihe. Bereits im Jahr 2021 könnte die Ölnachfrage weltweit aufhören zu wachsen, erwartet der niederländische Shell-Konzern.

"Wir sind schon länger der Meinung, dass die Ölnachfrage vor dem Ölangebot ihren Höhepunkt erreichen wird", sagte Shells Finanzchef Simon Henry Anfang November. "Und dieser Nachfrage-Höhepunkt könnte in fünf bis 15 Jahren erreicht sein."

Damit rechnet Shell faktisch mit einem baldigen globalen Ölfördermaximum, im Fachjargon auch Peak Oil genannt. Doch mit dem düsteren Szenario, das Wissenschaftler spätestens seit den 70er-Jahren mit diesem Begriff verbanden, hat Shells Prognose wenig gemein.

Damals warnten Fachleute, der Weltwirtschaft werde das Öl angesichts schwindender Ressourcen nach und nach schlicht ausgehen. Dieses Szenario erscheint dank Fracking und anderer unkonventioneller Fördermethoden zunehmend unrealistisch. Nun geht Shell - wie zuvor schon unabhängige Fachleute (€) - davon aus, dass die Welt all das vorhandene Öl gar nicht mehr haben will. Aus Peak Oil wird Peak Demand.

Doch warum wächst der globale Öldurst laut Shell-Manager Henry schon bald nicht mehr? Die Antwort ist naheliegend - und kommt dennoch einem Paradigmen-Wechsel für die Weltwirtschaft gleich: Der effizientere Einsatz von Öl sowie dessen Ersatz durch andere Energieträger wirken schon bald erstmals stärker auf den Verbrauch als das Wirtschaftswachstum.

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In vielen hoch industrialisierten Ländern ist diese Entkoppelung von ökonomischer Entwicklung und Ressourcenverbrauch schon länger zu beobachten. Neu ist, dass sie weltweit in greifbare Nähe rückt. Das zeigt sich auch daran, dass der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid seit drei Jahren kaum noch steigt, während die Weltwirtschaft deutlich wächst.

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