Montag, 21. Oktober 2019

Bain und Advent Finanzinvestoren geben sich im Kampf um Osram offenbar geschlagen

Osram-Zentrale in München: Droht dem Konzern nun die Zerschlagung?

Showdown im Bieterkampf um den Lichtkonzern Osram: Nur noch bis heute Abend 24 Uhr können Aktionäre eines der drei vorliegenden Angebote annehmen. Doch offenbar steht der Sieger jetzt schon fest: Die Finanzinvestoren Bain und Advent wollen sich einem Bericht zufolge der zuvor von AMS erhöhten Offerte geschlagen geben. Das neu formierte Investorenduo verzichte demnach auf Gegenmaßnahmen, berichtete die "Börsen-Zeitung" am Dienstag ohne genauere Quellen zu nennen. Die AMS-Aktie legte daraufhin um 4 Prozent zu, Osram-Papiere Börsen-Chart zeigen verloren rund 2,2 Prozent.

Der österreichische Sensorhersteller AMS hatte am Freitag seine Offerte für Osram von 38,50 auf 41 Euro je Aktie erhöht, was einen Gesamtkaufpreis von 4,5 Milliarden Euro (inklusive Schulden) bedeuten würde. Damit reagierte AMS-Chef Alexander Everke auf die Ankündigung von Bain und dessen neuem Kooperationspartner Advent, die Mitte vergangener Woche mitgeteilt hatten, das frühere AMS-Angebot deutlich überbieten zu wollen. Die beiden Finanzinvestoren können aber keinen konkreten Preis nennen, da die Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) rund zwei Wochen dauert - doch die Annahmefrist für die Aktionäre von Osram läuft heute um Mitternacht aus.

Bain und Advent könnten jetzt nur noch mit einem erneut aufgestocktem Angebotspreis und/oder einer Änderung der Annahmeschwelle die Annahmefrist um weitere zwei Wochen verlängern. Dazu sind sie aber offenbar laut der "Börsen-Zeitung" nicht bereit. Das erste Gebot in Höhe von 35 Euro je Aktie, das Bain zusammen mit dem Finanzinvestor Carlyle vorgelegt hat, ist aufgrund des niedrigen Preises ohnehin schon raus.

Ergebnis liegt wohl erst Ende der Woche vor

Das Angebot von AMS stößt allerdings nicht gerade auf großen Anklang bei den Osram-Aktionären. Bis Montagabend - 30 Stunden vor Ablauf der Frist - hatte der Chip- und Sensor-Hersteller AMS erst Zugriff auf 25,1 Prozent an Osram, wie aus einer Pflichtmitteilung vom Dienstag hervorging. Knapp 9,2 Prozent der Papiere seien AMS von Osram-Aktionären angedient worden, weitere gut 15 Prozent haben die Österreicher aktiv zugekauft. Sie müssen bis Dienstag (24 Uhr) auf mindestens 62,5 Prozent an dem Münchner Lichtkonzern kommen, damit die Übernahme klappt.

Die Gewerkschaft IG Metall appellierte am Montag erneut an die Osram-Aktionäre, ihre Papiere zu behalten. AMS würde sich mit der Übernahme des drei Mal so großen Konkurrenten zu stark verschulden, fürchtet Birgit Dietze von der Berliner IG Metall. "Diese Verschuldung würde das gesamte Unternehmen von Beginn an in seiner Existenz gefährden und mit ihm die insgesamt 35.000 Arbeitsplätze von Osram und AMS", warnte sie. Die Gewerkschaft hatte früh klar gemacht, dass sie die Finanzinvestoren als neue Eigentümer von Osram bevorzugen würde, weil sie in die Zusagen von AMS kein Vertrauen hat.

Das Ergebnis des Bieterwettstreits wird wohl erst gegen Ende der Woche vorliegen. Nach dem Ende der Annahmefrist haben die Banken, die die Aktiendepots verwalten, 48 Stunden Zeit, um die Ergebnisse zu übermitteln, wie eine Sprecherin von AMS erklärte. Wegen des bevorstehenden Feiertags am Donnerstag könnte sogar erst am Freitag feststehen, ob AMS sich durchgesetzt hat.


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Scheitert AMS an der 62,5-Prozent-Hürde, könnte das Ringen um Osram von Neuem beginnen. Bain und ihr neuer Partner Advent hätten dann genügend Zeit, die angekündigte Übernahmeofferte vorzubereiten. AMS wäre dagegen auf das Wohlwollen des Osram-Vorstandes angewiesen, um nochmals mitbieten zu dürfen. Denn nach einem gescheiterten Anlauf sind Bieter sonst für zwölf Monate gesperrt.

mg/rei/dpa-afx, rtr

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