Dienstag, 18. Juni 2019

Schutz vor Blackout Stromnetzbetreiber rüsten sich für Orkan "Xaver"

So war's 2007: Orkan "Kyrill" knickte Strommasten in Sachsen-Anhalt um

Orkan Xaver wird dem deutschen Stromnetz stressige Tage bescheren. Betreiber wie Tennet mobilisieren zusätzliches Personal, um einen Blackout zu verhindern. Am Strommarkt gibt es schon jetzt Verwerfungen.

Hamburg - Der Stromnetzbetreiber Tennet bereitet sich mit Sondermaßnahmen auf Orkantief "Xaver" vor. "Wir verstärken den Sicherheitspuffer für die Netze in den betroffenen Gebieten und stocken die Besatzung in den Schaltleiten auf", sagte eine Tennet-Sprecherin gegenüber manager magazin online.

Konkret will Tennet mit zusätzlichem Personalaufwand sicherstellen, dass die Netze den Ausfall von zwei Komponenten wie Umspannwerk, Kraftwerk oder einer Leitung gleichzeitig verkraften. Normalerweise müssen die Netze nur in der Lage sein, den Ausfall einer Komponente wegzustecken.

In den Schaltleiten koordinieren zusätzliche Mitarbeiter den Stromfluss und schalten bei Bedarf Kraftwerke zu oder ab. Zudem stünden Serviceteams bereit, um gegebenenfalls schnell auszurücken, um Stromleitungen zu reparieren, sagt die Unternehmenssprecherin. "Wir sind gut vorbereitet."

Für Donnerstag und Freitag sind in Norddeutschland Orkanböen bis zur Stärke 12 vorhergesagt. Dabei können Bäume auf Stromleitungen fallen oder Masten umknicken, insbesondere wenn sie mit Schneemassen belastet sind. Letzteres war 2005 im Münsterland der Fall.

Reichen Kraftwerkskapazitäten in Süddeutschland?

Zudem stellt die hohe Einspeiseleistung von Windkraftanlagen eine Herausforderung für die Netzbetreiber da. Wenn der Wind zu stark weht, schalten sich die Anlagen plötzlich ab. Sofern dies in weiten Teilen Norddeutschlands passiert, sinkt das Stromangebot in kurzer Zeit um mehrere Gigawatt. Dann müssen Regelkraftwerke einspringen, die mit einigen Gigawatt Leistung betreitstehen.

Schwierigkeiten könnten auch niedrige oder negative Strompreise bereiten. In solchen Fällen nehmen Kunden im Ausland in der Regel massenhaft deutschen Strom ab, der aber aufgrund von Leitungsengpässen zwischen Nord- und Süddeutschland möglicherweise gar nicht geliefert werden kann.

Dann müssen Kraftwerke vor allem in Bayern und Baden-Württemberg hochgefahren werden. Die so genannte Winterreserve in Süddeutschland und Österreich hat Tennet nach Angaben der Sprecherin allerdings nicht angefordert.

In Erwartung eines stark steigenden Angebots an Windenergie in den kommenden Tagen sind die an der Börse gezahlten Strompreise am Mittwoch bereits stark gefallen. Händler verwiesen auf Wetterprognosen, die orkanartige Stürme für Norddeutschland voraussagen.

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