Fallender Ölpreis Wie die Macht der Opec langsam zerbröselt

Voll beladene Tanker fahren ziellos auf den Ozeanen herum, Förderprojekte werden unrentabel: Der fallende Ölpreis bringt die Rohstoffwelt durcheinander. Vor allem die einst so mächtige Opec kämpft um ihre Rolle als Energie-Supermacht.
Ölförderung in den USA: Die Opec gibt nicht mehr den Ton an

Ölförderung in den USA: Die Opec gibt nicht mehr den Ton an

Foto: A2800 epa Larry W. Smith/ dpa

Hamburg - Die Welt des Erdöls gerät derzeit aus den Fugen: In den USA pumpen Förderunternehmen eine stetig wachsende Menge des Rohstoffs aus dem Boden - der Fracking-Technik, bei der Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein aufsprengen, sei dank.

Zugleich sinkt der Ölverbrauch in den OECD-Ländern, nicht zuletzt in den USA. Und das zuletzt arg ölhungrige Asien nimmt weniger ab, als erwartet. Das riesige Überangebot führt dazu, dass voll beladene Tanker ziellos auf den Weltmeeren dümpeln .

Die Folge: Der Ölpreis befindet sich im freien Fall. Daran ändern auch die zahlreichen Krisenherde auf der Welt nicht viel, und viele Experten gehen davon aus, dass der Ölpreis eher noch billiger wird, als wieder anzieht.

Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent  kostet derzeit mit rund 91 Dollar so wenig wie zuletzt im Juni 2012. Der Preis für ein Fass des US-Öls WTI liegt mit gut 87 Dollar auf dem tiefsten Stand seit anderthalb Jahren. Damit haben beide Sorten im Vergleich zu ihren Höchstständen vom Juni etwa 20 Prozent eingebüßt.

Das energiepolitische Machtgefüge gerät ins Wanken

Damit gerät das energiepolitische Machtgefüge ins Wanken. Auf der Gewinnerseite sind zunächst die Großverbraucher China, Europa und die USA. Sie alle müssen weniger für die Importe bezahlen, was Wirtschaft und Handelsbilanz stärkt.

Die USA profitieren auch, weil sie dank der neuen Schieferölproduktion weniger importieren müssen - die Schmerzen des Preisverfalls halten sich demgegenüber deshalb in Grenzen.

Immer deutlicher wird, wer die Verlierer in dieser weithin unerwarteten Lage sind: Da wären die Ölkonzerne wir Exxon und Shell, deren Einnahmen unter Druck geraten, und deren aufwendige Förderprojekte unwirtschaftlich zu werden drohen. Und da ist Großexporteur Russland, dessen gesamte Wirtschaftskraft stark auf einen hohen Ölpreis angewiesen ist.

Doch auch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) geht mit der Krise nicht so souverän um wie gewohnt. Hatten sich die Mitglieder in früheren Zeiten schnell auf eine Absenkung der Förderquote verständigt, wirkt das Kartell derzeit wie gelähmt.

Offener Streit lähmt das Kartell

Anstatt weniger Öl auf den Weltmarkt zu werfen, hat Saudi-Arabien unlängst die Preise gesenkt - um seinen Marktanteil zu halten. Die einst bedeutenden Treffen der Organisation brauche der Westen nicht mehr so stark zu fürchten wie in früheren Jahrzehnten, stellte zuletzt das Wall Street Journal heraus . Was immer in Wien besprochen werde, so berichtet das Blatt unter Berufung auf Insider - am Ende mache jeder Staat dann doch was er wolle.

Während das wichtigste Opec-Mitglied Saudi-Arabien sich dieses Vorgehen offenbar gut leisten kann, werden andere Staaten nervös. So will Venezuela die Talfahrt des Ölpreises unbedingt stoppen.

Das südamerikanische Land werde sich in der Opec dafür einsetzen, dass der Preis nicht weiter fällt, sagte Außenminister Rafael Ramírez am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Moskau.

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Erstmals hatte es vor drei Jahren heftigen Streit in der Opec über das gemeinsame Vorgehen gegeben. Damals ging es allerdings um eine höhere Förderquote angesichts der Aufstände in der arabischen Welt - das Vorhaben platzte. Saudi-Arabiens Ölminister Ali al-Naimi stürmte aus dem Raum, um den wartenden Reportern von der "schlimmsten Sitzung aller Zeiten" zu berichten.

Fehlende Disziplin ist jedoch nicht die einzige Erklärung für die momentane Untätigkeit der Opec. Die Financial Times  legt das Verhalten des Kartells anders aus: Saudi-Arabien und seine Verbündeten hielten aus der Not absichtlich die Füße still, um unangreifbar zu wirken.

Eine echte Strategie der Stärke sieht allerdings anders aus, wie die Reaktion aus Venezuela zeigt. Sicher scheint derzeit nur: Die alte Opec, wie wir sie kannten, gibt es nicht mehr.

mit rtr und dpa-afx
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