Sonntag, 17. November 2019

Fallender Ölpreis Wie die Macht der Opec langsam zerbröselt

Ölförderung in den USA: Die Opec gibt nicht mehr den Ton an

Voll beladene Tanker fahren ziellos auf den Ozeanen herum, Förderprojekte werden unrentabel: Der fallende Ölpreis bringt die Rohstoffwelt durcheinander. Vor allem die einst so mächtige Opec kämpft um ihre Rolle als Energie-Supermacht.

Hamburg - Die Welt des Erdöls gerät derzeit aus den Fugen: In den USA pumpen Förderunternehmen eine stetig wachsende Menge des Rohstoffs aus dem Boden - der Fracking-Technik, bei der Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein aufsprengen, sei dank.

Zugleich sinkt der Ölverbrauch in den OECD-Ländern, nicht zuletzt in den USA. Und das zuletzt arg ölhungrige Asien nimmt weniger ab, als erwartet. Das riesige Überangebot führt dazu, dass voll beladene Tanker ziellos auf den Weltmeeren dümpeln.

Die Folge: Der Ölpreis befindet sich im freien Fall. Daran ändern auch die zahlreichen Krisenherde auf der Welt nicht viel, und viele Experten gehen davon aus, dass der Ölpreis eher noch billiger wird, als wieder anzieht.

Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent Börsen-Chart zeigen kostet derzeit mit rund 91 Dollar so wenig wie zuletzt im Juni 2012. Der Preis für ein Fass des US-Öls WTI liegt mit gut 87 Dollar auf dem tiefsten Stand seit anderthalb Jahren. Damit haben beide Sorten im Vergleich zu ihren Höchstständen vom Juni etwa 20 Prozent eingebüßt.

Das energiepolitische Machtgefüge gerät ins Wanken

Damit gerät das energiepolitische Machtgefüge ins Wanken. Auf der Gewinnerseite sind zunächst die Großverbraucher China, Europa und die USA. Sie alle müssen weniger für die Importe bezahlen, was Wirtschaft und Handelsbilanz stärkt.

Die USA profitieren auch, weil sie dank der neuen Schieferölproduktion weniger importieren müssen - die Schmerzen des Preisverfalls halten sich demgegenüber deshalb in Grenzen.

Immer deutlicher wird, wer die Verlierer in dieser weithin unerwarteten Lage sind: Da wären die Ölkonzerne wir Exxon und Shell, deren Einnahmen unter Druck geraten, und deren aufwendige Förderprojekte unwirtschaftlich zu werden drohen. Und da ist Großexporteur Russland, dessen gesamte Wirtschaftskraft stark auf einen hohen Ölpreis angewiesen ist.

Doch auch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) geht mit der Krise nicht so souverän um wie gewohnt. Hatten sich die Mitglieder in früheren Zeiten schnell auf eine Absenkung der Förderquote verständigt, wirkt das Kartell derzeit wie gelähmt.

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