Multi-Milliarden-Investitionen in Öl und Gas Ölschwemme? Egal - diese Multis wagen neue Mega-Projekte

Bald wird wieder gebaut: Raffinerie im kasachischen Ölfeld Tengiz (Archivbild von 2004)

Bald wird wieder gebaut: Raffinerie im kasachischen Ölfeld Tengiz (Archivbild von 2004)

Foto: AP

Der Ölpreis kann kaum als Auslöser für Euphorie gelten. Vom tiefsten Tief zu Jahresbeginn hat er sich zwar wieder erholt, verharrt aber seit Wochen knapp unter der Marke von 50 Dollar je Fass - weit weniger als in den Jahren vor dem Marktkollaps Mitte 2014, und für etliche Produzenten auf defizitärem Niveau.

Und ausgerechnet jetzt soll "eine ausgezeichnete Zeit" sein, um 37 Milliarden Dollar für ein Megaprojekt lockerzumachen, das noch mehr von dem im Überfluss vorhandenen Brennstoff auf den Markt werfen soll? So zitiert jedenfalls das "Wall Street Journal" (€€)  den Chevron-Explorationsmanager Todd Levy.

Chevron  hat in dieser Woche gemeinsam mit Exxon Mobil  und weiteren Partnern beschlossen, das Ölfeld Tengiz in Kasachstan für diese Summe auszubauen. Bereits jetzt wird Tengiz als "Supergiant" eingestuft. Die tägliche Ölproduktion von 260.000 Fass könne "die Nachfrage ganzer Nationen bedienen", heißt es bei Chevron - und soll sich künftig noch verdoppeln.

Dies sei ein "Wendepunkt", orakelt Ölanalyst Jason Gammel von der Investmentbank Jefferies: die erste Investition der Branche von mehr als zehn Milliarden Dollar in diesem Jahr. Seit Mitte 2014 seien Projekte mit einem Volumen von 270 Milliarden Dollar abgesagt oder aufgeschoben worden, die Multis haben ihr Budget um ein Viertel gekürzt und Zehntausende Jobs gestrichen.

Gerade Chevron kann ein Lied davon singen, wie riskant solche langjährigen Großvorhaben sind. Der US-Konzern hat mehrere davon vor der Weltfinanzkrise begonnen, in der Erwartung einer rasch wachsenden Weltwirtschaft und des Energiehungers aufstrebender Schwellenländer wie China.

Doch die größten davon wurden, nach den üblichen Verzögerungen und steigenden Entwicklungskosten, zur Unzeit fertig. Das 54 Milliarden Dollar teure Flüssiggasprojekt Gorgon in Westaustralien beginnt erst seit Mai, die Produktion hochzufahren. Fest eingeplante Einnahmen von hunderten Millionen Dollar bleiben aus - aber das Gas hätte auch zu historischen Tiefpreisen nach Asien verschifft werden müssen.

Öl ist jetzt billig, aber Equipment auch

Die neue Wette auf Tengiz dagegen wirkt antizyklisch. Jetzt ist nicht nur das Öl billig, auch die Ausrüstung für die Bohrungen ist angesichts der flauen Nachfrage günstig zu haben. Und wenn das erste Öl wie geplant 2022 an die Oberfläche sprudelt, sieht der Markt sicher wieder ganz anders aus.

Vor allem steht Tengiz aber für die Art von Projekten, die jetzt besonders gefragt sind: die seltenen Ölfelder, die wie in Saudi-Arabien noch billig zu erschließen sind und Rohstoff in großer Menge und guter Qualität liefern - weniger riskant als teure Bohrungen in Tiefsee und Arktis oder das kleinteilige Fracking unkonventioneller Ölvorräte in den USA. Chevron gibt die Produktionskosten im bereits laufenden Abschnitt von Tengiz mit 6,50 Dollar je Fass an.

Das "Wall Street Journal" nennt noch weitere Beispiele für Ölkonzerne, die wieder Mut fassen: BP hat Anfang Juli ein gewaltiges Gasexportprojekt in Indonesien auf den Weg gebracht, und zuvor ein neues Feld vor der ägyptischen Küste ins Visier genommen, ebenso wie der italienische Multi Eni.

Der ist auch mit kasachischen Verhältnissen vertraut, als Konsortialführer des teuersten Ölinvestments der Geschichte: Kaschagan im Kaspischen Meer. Dort warten die Macher allerdings bis heute auf Früchte ihrer Mühen. In der Branche trägt Kaschagan den Beinamen "Cash all gone".

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