Donnerstag, 20. Juni 2019

Ölpreis schmiert ab Statoil rutscht erstmals seit Börsengang vor 13 Jahren in die roten Zahlen

Ölplattform vor der norwegischen Küste: Staatskonzern Statoil leidet unter dem niedrigen Preis für den Rohstoff

Der sinkende Ölpreis setzt die Fördergiganten mächtig unter Druck. Bei Total und BP sinkt der Gewinn, Norwegens Staatskonzern Statoil meldet sogar einen historischen Verlust. Was die Lage noch verschärft: Die Kosten für die Rohstoffgewinnung steigen in immer höhere Sphären.

Stavanger - So etwas haben die erfolgsverwöhnten Skandinavier lange nicht erlebt. Sinkende Öl- und Gaspreise sowie hohe Abschreibungen haben Norwegens größten Ölkonzern Statoil Börsen-Chart zeigen im dritten Quartal in die roten Zahlen gedrückt. Das hat es seit dem Börsengang des Unternehmens im Jahr 2001 noch nicht gegeben.

Der Verlust lag bei 4,7 Milliarden Kronen (rund 560 Millionen Euro), nach einem Gewinn von 14,3 Milliarden Kronen ein Jahr zuvor, wie das staatlich kontrollierte Unternehmen am Mittwoch in Stavanger mitteilte. Analysten hatten für die vergangenen drei Monate mit einem Gewinn von 1,1 Milliarden Euro gerechnet, nachdem im Jahr zuvor ein Plus von 1,6 Milliarden Euro erzielt worden war.

Damit reihen sich die Norweger in die illustre Riege von Ölkonzernen ein, die dieser Tage schwache Zwischenberichte vorlegen. Sie leiden allesamt unter dem Preisverfall beim Öl. Er ist von 115 Dollar pro Fass im Juni auf mittlerweile 87 Dollar abgeschmiert.

Total und BP mit sinkenden Gewinnen

Das französische Unternehmen Total Börsen-Chart zeigen meldete am Dienstag einen Gewinnrückgang von 6 Prozent auf 2,75 Milliarden Euro. Schlimmer trat es BP. Bei den Briten brach der Quartalsertrag um zwei Drittel auf eine Milliarde Euro ein. Die britische BG Group meldete 29 Prozent weniger Profit. Die Aktienkurse vieler Firmen aus der Branche sind in den vergangenen Wochen stark gesunken.

Bei Statoil stehen auch die hohen Abschreibungen in einem mittelbaren Zusammenhang mit dem gefallenen Ölpreis. Von den insgesamt 1,6 Milliarden Euro entfallen 960 Millionen Euro auf Teersandprojekte in Kanada, die sich für Statoil derzeit nicht rechnen und deshalb verschoben werden.

Der neue Statoil-Chef Eldar Sætre machte "quartalsspezifische Sondereffekte" für den Verlust verantwortlich. Operativ habe das Unternehmen gute Ergebnisse geliefert.

Doch auch operativ lief es bei Statoil wegen sinkender Ölpreise nicht rund. Der Gewinn ging um ein Viertel auf 9,1 Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro) zurück. Damit verfehlte der Konzern die Erwartungen der Experten. Der Umsatz sei um 11 Prozent auf 146,6 Milliarden Kronen (17,3 Milliarden Euro) gesunken. Auch der Gaspreise hatten daran einen Anteil - er sank für europäische Kunden im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent.

Ölförderung in der Tiefsee und der Arktis lässt Kosten steigen

Für das Gesamtjahr rechnet Statoil mit einem um ein Viertel niedrigeren bereinigten operativen Ergebnis von 3,67 Milliarden Euro. Trotz der roten Zahlen hielt das Unternehmen weiter an seinen bereits im Frühjahr nach unten korrigierten Produktions- und Ausgabeplänen fest.

Statoil hat für dieses Jahr Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Dollar eingeplant und will die Fördermenge um 2 Prozent steigern. Der Konzern hat bereits Beteiligungen verkauft, um Kosten zu senken.

Diese sind branchenweit in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In Norwegen verdient ein Ölarbeiter beispielsweise etwa 179.000 Dollar im Jahr, weil der Job auf See hart ist und Fachkräfte knapp sind. Zudem werden die Fördervorhaben angesichts schwindender Ressource aufwendiger. Bohrungen in der Arktis und der Tiefsee, aber auch der Abbau von Ölschiefer erfordern einen hohen Einsatz von Material und Arbeitskräften.

nis/dpa/rtr

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung