Dutzende Megaschiffe praktisch nutzlos Ölriesen verlieren Tankerwette

Öltanker in Rotterdam: Die Ölschwemme nützt den Eignern wenig. Tanks an Land sind dagegen gefragt.

Öltanker in Rotterdam: Die Ölschwemme nützt den Eignern wenig. Tanks an Land sind dagegen gefragt.

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Hamburg - Die Idee war so simpel wie einleuchtend. Angesichts niedriger Ölpreise haben Rohstoffhändler Anfang des Jahres Dutzende Megatanker gechartert. In rauen Mengen sollten Ölfirmen das schwarze Gold darauf bunkern und zu höheren Preisen wieder abstoßen.

Doch wie die "Financial Times" berichtet , haben die Ölhändler die Preiswette offenbar verloren. Der Haken an der Sache ist, dass die Ölpreise von ihrem niedrigem Niveau etwas gestiegen sind, nun herumdümpeln und nicht annähernd so volatil sind wie erhofft. Die US-Sorte WTI pendelt seit Wochen um die 50 Dollar pro Fass, die Nordseesorte Brent  um die 60.

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Vor allem aber liegt der Preis für kurzfristig gehandeltes Öl kaum noch unter dem Preis für Öl zur Lieferung in einem Jahr. Die teure Zwischenlagerung auf See ist damit nicht mehr lukrativ, die Preise für Charter und Versicherung übersteigen die Einnahmen aus Kursgewinnen.

Vitol, Glencore, Trafigura und Co. suchen Ersatzbeschäftigung für Schiffe

Nun suchen Händler wie Vitol, Glencore und Trafigura händeringend nach einer Ersatzbeschäftigung für die weitgehend leeren Schiffe. Eine Notlösung ist offenbar, die Tanker tageweise für den "normalen" Öltransport weiter zu vermieten.

Vitol hatte mit der "TI Oceania" einen der größten Supertanker überhaupt gebucht. Er hat ein Fassungsvermögen von drei Millionen Barrel, das sind fast eine halbe Milliarde Liter. Trafigura hatte sich mit der "Nave Synergy" ebenfalls einen Megatanker gesichert, und Shell buchte mit der "Xin Run Yang" und der "Xin Tong Yang" gleich zwei solcher Schiffe.

Generell ist der Speicherbedarf für Öl derweil weiter hoch. Derzeit übersteige das Angebot die Nachfrage um etwa 1,5 Millionen Fass am Tag, zitiert die "FT" Analysten. Der weltweite Tagesverbrauch liegt bei etwa 92,5 Millionen Fass.

Vor allem in den USA stößt die Speicherkapazität bereits an ihre Grenzen. Im Juni, warnt die Internationale Energie-Agentur, könne das Öl weltweit "an die Decke der Tanks stoßen".