Sparappelle verhallen Ölverbrauch trotz Preisschock bei Heizöl und Sprit gestiegen

Kraftstoffe und Heizöl waren im Frühjahr so teuer wie seit Langem nicht mehr. Dennoch haben die Deutschen dieses Jahr mehr Öl verbraucht als in den beiden Vorjahren. Noch ist der Bedarf nicht auf das Vor-Corona-Niveau zurückgekehrt, aber die Tendenz zeigt nach oben.
Auftanken: Deutschland hat dieses Jahr trotz der rekordhohen Spritpreise insgesamt wieder mehr Öl verbraucht als in den vergangenen beiden Jahren

Auftanken: Deutschland hat dieses Jahr trotz der rekordhohen Spritpreise insgesamt wieder mehr Öl verbraucht als in den vergangenen beiden Jahren

Foto: Rolf Poss / IMAGO

Der Ölverbrauch in Deutschland hat nach einem Einbruch in der Corona-Zeit in diesem Jahr wieder zugelegt – trotz des Ukraine-Kriegs und aller Sparappelle. Dies zeigt eine Auswertung des Energieexperten Steffen Bukold (61) im Auftrag von Greenpeace, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Werte liegen zwar unter dem Niveau vor der Pandemie, doch die Kurve zeigt nach oben.

Dabei waren die Ölpreise auf dem Weltmarkt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zeitweise stark gestiegen, was auch die Kosten für Sprit und Heizöl in die Höhe trieb. Zugleich hat die EU für den 5. Dezember ein Ölembargo gegen Russland angekündigt, das das Angebot für Europa verknappt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (53) hatte vor allem im Frühjahr dringend auch zum Ölsparen aufgerufen.

Zusätzlich zum Ölembargo hat sich die EU mit den G7-Staaten auf einen Preisdeckel für russisches Öl verständigt. Beide Sanktionen sollen von 5. Dezember an greifen. Vieles spricht dafür, dass der Ölpreis dann wieder kräftig ansteigt. In den vergangenen Wochen war er vor allem wegen einer geringeren Nachfrage aus China gefallen.

Greenpeace: Zu wenige Anreize zum Sparen

Bukolds Analyse beruht auf Daten der Internationalen Energieagentur (IEA). Demnach ging der deutsche Verbrauch im ersten Quartal noch zurück und stieg danach. Zwischen April und September hat Deutschland 7,1 Prozent weniger verbraucht als im gleichen Zeitraum vor der Pandemie. 2020 und 2021 hatte das Minus bei 11,1 Prozent gelegen.

Allerdings war Deutschland in diesem Jahr sparsamer als im Durchschnitt der OECD-Länder in Europa. Dieser lag im selben Zeitraum um 4,8 Prozent niedriger als zu Vor-Pandemie-Zeiten.

Greenpeace kritisierte die Entwicklung. "Die Bundesregierung hat mit enormen Einsatz neue Öl-Dealer gesucht, aber sie hat bislang viel zu wenig unternommen, um die Abhängigkeit vom Öl insgesamt zu senken", sagte Sprecher Manfred Santen. "Vom Tempolimit über das Streichen von Inlandsflügen bis zu einer verlängerten Homeoffice-Pflicht liegen schnell umsetzbare Maßnahmen seit Monaten auf dem Tisch. Die Ampel sollte sie endlich ergreifen."

dri/dpa-afxp
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