Pipelines in Österreich und Schottland außer Betrieb Die Sorge um Energiepreise ist zurück

Brand nach Explosion in Baumgarten am Dienstagvormittag

Brand nach Explosion in Baumgarten am Dienstagvormittag

Foto: AFP

Auf den ersten Blick haben die zwei Unglücke nichts miteinander zu tun. Ihre Ursachen sind völlig verschieden, aber eine Folge haben sie gemeinsam: Die Preise für Energierohstoffe in Europa steigen spürbar, die Angst vor Versorgungsengpässen zu Beginn des Winters macht sich breit.

  • am Montag schloss der Betreiber Ineos nach einem Riss in der Nähe von Aberdeen die Forties-Pipeline, die wichtigste Lieferstrecke für britisches Öl aus der Nordsee
  • am Dienstag erschütterte eine Explosion die Gasverdichterstation Baumgarten bei Wien, den Knotenpunkt, an dem russisches Erdgas in Richtung Süddeutschland, Italien oder Balkan verteilt wird. Ein Arbeiter starb und 20 wurden verletzt. Italien rief den Energienotstand aus

Ein Toter und Verletzte nach Gasexplosion

Reuters

In beiden Fällen wird berichtet, die Infrastruktur werde für Wochen ausfallen. Zwar handelt es sich um kurzfristige Engpässe, die nach der Reparatur wieder behoben sein dürften, also nicht grundsätzlich die Marktdynamik ändern - das vermochte schließlich nicht einmal Hurrikan Harvey, der im Sommer das Zentrum von Amerikas Ölindustrie traf.

Die in der Reaktion steigenden Energiepreise rufen dennoch in Erinnerung, dass die aus Verbrauchersicht goldenen vergangenen drei Jahre billiger Rohstoffe vielleicht doch nicht von Dauer sein müssen.

Die "Financial Times" zitiert  Massimo di Odoardo von der Energieberatung Wood Mackenzie, Europas Gasmarkt erwische ein "perfekter Sturm". Zugleich musste nämlich noch eine Verbindung zwischen dem niederländischen und dem britischen Netz aus technischen Gründen schließen, und ein großes norwegisches Gasfeld stellte die Produktion ebenfalls vorübergehend ein. Ausweichrouten über andere Pipelines und Flüssiggasimporte sind rar.

Plötzlich bekommen die Lieferanten wieder Macht

"Es gibt noch reichlich Speicher in Europa, um damit fertigzuwerden", versichert Di Odoardo. "Aber wenn das Angebot nicht bald zurückkommt und das kalte Wetter anhält, werden die Preise über den Winter hoch bleiben."

Sowohl in Großbritannien als auch in Italien verteuerte sich Erdgas zur Lieferung in den kommenden Monaten am Dienstag schlagartig um fast die Hälfte, auch anderswo ging es spürbar aufwärts.

Beim Ölpreis ist die Bewegung vergleichsweise moderat, auch weil der Brennstoff leicht über andere Wege zu beschaffen ist - sie fällt jedoch auf, weil die Forties-Pipeline ausgerechnet den Großteil des Öls liefert, das zur Berechnung des europäischen Leitpreises Brent  verwendet wird.

Fotostrecke

Ölriese Saudi Aramco: Sieben verblüffende Zahlen zum größten Öl-Konzern der Welt

Foto: epa Jamal Nasrallah / picture-alliance/ dpa

Erstmals seit 2015 war ein Fass Brent am Dienstag zeitweise teurer als 65 Dollar. Dafür bedurfte es keines plötzlichen Ansprungs im Tagesvergleich, doch ein allmählicher, stetiger Anstieg in den vergangenen Monaten macht sich nun bemerkbar - nachdem der Ölpreis jahrelang um oder unter der Marke von 50 Dollar fixiert schien. Eine Rohstoffkrise haben seit Jahren nur die Lieferanten - mit unterschiedlich schweren Folgen von Norwegen über Saudi-Arabien bis Venezuela.

Ein Grund für den steigenden Preis ist der billigere Dollar . In Euro gerechnet, fällt der Anstieg nicht so stark aus. Ein anderer Grund jedoch ist die Verschiebung der Differenz zwischen Angebot und Nachfrage. Ende November beschlossen die Öl exportierenden Opec-Staaten und Russland, noch bis Ende 2018 bewusst Produktion vom Markt zurückzuhalten. Weil gleichzeitig die nordamerikanischen Öl-Fracker ihre Produktion kaum wieder auf alte Höhen bringen können, sehen Analysten von Morgan Stanley einen Abschied vom bisherigen Überangebot.

Und wenn das Angebot starr bleibt, kann auch eine leicht steigende Nachfrage plötzlich wieder den Ölpreis nach oben treiben.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.