Freitag, 21. Juni 2019

mm-Grafik am Mittag Dieses Diagramm zeigt, welcher Strom aus deutschen Steckdosen kommt - das Ergebnis hätte vor fünf Jahren niemand für möglich gehalten


Hamburg - Der Kuchen in der deutschen Energiewirtschaft wird neu verteilt, das ist spätestens seit dem beschleunigten Atomausstieg von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Jahr 2011 klar. Doch die wenigsten hätten damit gerechnet, dass die stark geförderten erneuerbaren Energien schon kurze Zeit später die Spitzenposition im deutschen Strommix einnehmen.

Zusammengenommen kamen Windräder, Solaranlagen, Biomasse- und Wasserkraftwerke im ersten Halbjahr 2014 auf 81,1 Terawattstunden, wie die Grafik von Statistazeigt. Damit verdrängt der Ökostrom die Braunkohle von Rang eins.

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung liegt nach dieser Rechnung bei knapp 29 Prozent. Noch vor sechs Jahren hatte die Bundesregierung die Marke von 30 Prozent als Zielwert ausgegeben - allerdings für das Jahr 2030.

Üppige Förderung ermöglichte den Ökostrom-Boom

Hintergrund des Booms ist die umfangreiche Förderung mithilfe des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Es gewährt Betreibern von Ökostrom-Anlagen 20 Jahre lang feste Vergütungssätze für jede eingespeiste Kilowattstunde Strom und schreibt den Vorrang für Strom aus emissionsfreier Erzeugung im Netz vor.

Weil Solaranlagen und Windräder sich zuletzt drastisch verbilligt haben und der Staat zu spät mit der Senkung der Fördergelder reagierte, konnten sich die Betreiber immer wieder üppige Renditen sichern. Das beschleunigte den Ausbau. Jährlich kassieren Ökostrom-Betreiber etwa 17 Milliarden Euro Fördergelder von den Stromverbrauchern, die zu diesem Zweck 6,24 Cent pro Kilowattstunde zahlen.

Trotz der rasanten Entwicklung ist Deutschland allerdings keinesfalls weltweit führend beim Einsatz erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung. In Spanien trug im vergangenen Jahr allein die Windenergie soviel zum Strommix bei wie keine andere Energiequelle. Und bei den jährlichen Zubauraten haben Länder wie China, die USA und Japan Deutschland längst überholt.


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