Top-Investor findet Stromerzeugung zu dreckig Norwegens Staatsfonds drängt RWE zu Kohleausstieg

Braunkohle-Tagebau im Rheinland: Ein führender RWE-Investor fragt sich, ob der Energieträger ein Geschäftsrisiko für den Versorger darstellt

Braunkohle-Tagebau im Rheinland: Ein führender RWE-Investor fragt sich, ob der Energieträger ein Geschäftsrisiko für den Versorger darstellt

Foto: Oliver Berg/ picture-alliance/ dpa

Im Kampf um die Braunkohle ist RWE  sturmerprobt: Egal ob Umweltschützer, grüne Politiker oder Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Nutzung des klimaschädlichen Energieträgers eindämmen wollen - bisher gelang es dem Essener Stromversorger recht gut, die Angriffe auf eine seiner letzten Gewinn-Bastionen  abzuwehren.

Doch nun wächst der Druck aus den eigenen Reihen, namentlich von einem der wichtigsten Aktionäre. Kein geringerer als der 800 Milliarden Euro schwere norwegische Staatsfonds hat von RWE per Brief eine Erklärung gefordert, wie und wann der Versorger aus der Kohle auszusteigen gedenkt.

Der Grund: Aus Sicht der Norweger könnte der hohe Anteil des kohlendioxidintensiven Energieträgers am RWE-Geschäft die Zukunft des Versorgers gefährden.

Staatsfonds-Chef Yngve Slyngstad: Oslo macht Druck

Staatsfonds-Chef Yngve Slyngstad: Oslo macht Druck

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Der norwegische Staatsfonds verlangt derzeit von den Konzernspitzen der wichtigsten Versorger in seinem Portfolio "strategische Pläne bezüglich des Wandels zu einem weniger emissionsintensiven Energiesystem", wie eine Sprecherin des Fonds gegenüber manager magazin bestätigte. "Speziell erbitten wir die Strategie und den Zeitplan für den Ausstieg aus der Kohle für die Stromerzeugung." Auch Eon  soll sich erklären.

Die Norweger waren zuletzt mit knapp 2 Prozent an RWE beteiligt. Damit ist der Staatsfonds einer der wichtigsten Aktionäre des Versorgers.

Im Portfolio des Fonds wiederum ist RWE unter den zehn größten Versorgern derjenige mit dem höchsten Kohleanteil (61 Prozent), wie aus seinem jüngsten Report mit dem Titel "Verantwortungsvoll investieren"  hervorgeht. Zudem weist RWE den Angaben zufolge den zweitniedrigsten Anteil an erneuerbaren Energien auf (6 Prozent).

Die Norweger sehen die Förderung und Verbrennung von fossilen Energieträgern zunehmend kritisch. Der hohe Ausstoß von Kohlendioxid mache besonders Firmen aus der Kohlebranche angreifbar. Ähnliche Gründe hatten zuletzt den schwedischen Versorger Vattenfall dazu bewogen, das deutsche Braunkohlegeschäft zum Verkauf zu stellen.

Oslo bringt auch eine Konzern-Aufspaltung ins Spiel

Auch weltweit werden Stimmen lauter, die vor Investitionen in fossile Energieträger warnen. Es sei schlicht unmöglich, diese vollständig zu nutzen und gleichzeitig katastrophale Folgen der Erderwärmung zu verhindern. Deshalb würden die Staaten früher oder später drastisch intervenieren. Ein Großteil der Rohstoffe seien deshalb faktisch wertlos. Zuletzt hatte so unter anderem die Bank of England argumentiert .

"Hohe Emissionen können einzelne Unternehmen einem wachsenden Klimarisiko aussetzen", heißt es beim norwegischen Fonds. Sowohl neue Umweltgesetze und internationale Klimaabkommen, aber auch der Durchbruch neuer, sauberer Technologien machten Konzerne aus der traditionellen Energiebranche verletzlich.

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Schaufelradbagger und Geisterdörfer: Wie die Braunkohle das Rheinland prägt

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Dieses Risiko will der Fonds minimieren. Deshalb will er von RWE auch wissen, wie es die Konzernführung mit einer Aufspaltung des Unternehmens im Stil von Eon hält. Die Düsseldorfer haben ihr Geschäft mit Kohle- und Atomkraftwerken in die neue Gesellschaft Uniper ausgelagert.

Auch politisch will Oslo offenbar ein Zeichen setzen. Parlamentarier und Umweltschützer erhöhen seit einigen Jahren den Druck auf die Staatsfonds-Führung um Chef Yngve Slyngstad. Sie soll Geld aus Firmen abziehen, die ihr Geld mit Kohle, Öl und Gas verdienen.

Zumindest im Fall von Öl und Gas entbehrt dies nicht einer gewissen Ironie, haben diese Rohstoffe die Skandinavier doch reich gemacht. Die mit ihnen erzielten Gewinne bilden den finanziellen Grundstock des Fonds.

RWE kommentiert den Brief nicht

Auch deshalb schießt sich der Fonds nun zunächst auf die Kohle ein. Im vergangenen Jahr ist er nach eigenen Angaben bereits bei 14 Firmen ausgestiegen, die Kohle zur Stromerzeugung fördern. Mit diesem Szenario drohen die Norweger nun implizit RWE.

Der Versorger war nicht in der Lage, den Brief gegenüber manager magazin zu kommentieren. In der Investor Relations Abteilung liege er nicht vor, teilte eine Sprecherin mit. Der Staatsfonds stellte daraufhin klar, er habe das Schreiben an die Aufsichtsratsvorsitzenden der Versorger gerichtet.

Die RWE-Sprecherin verwies jedoch auf das Unternehmensziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 auf 0,62 Tonnen pro Megawattstunde von zuletzt 0,76 zu senken. "Das kennen auch unsere Investoren (auch Norge)."

Union Investment sieht die Kohle auch als Problem

Bei einem anderen Großaktionär stoßen die Forderungen aus Norwegen auf Verständnis. "Die Position ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar", sagt Fondsmanager Thomas Deser von Union Investment gegenüber manager magazin. "Die Politik versucht den CO2-Preis hochzuschleusen. RWE hat da also ein Problem."

Dass der Staatsfonds ausgerechnet die Kohle attackiert, habe allerdings auch einen Beigeschmack, so Deser. "Für Norwegens Versorgungssicherheit spielt die Kohle kaum eine Rolle."

Die Investmentgesellschaft der genossenschaftlichen DZ Bank schließe RWE und Eon von ihren Nachhaltigkeitsfonds aus. "In den anderen Fällen stehen wir den Versorgern als Aktionäre auf den Füßen." So dringe das Fondshaus darauf, dass RWE seinen CO2-Ausstoß durch technische Verbesserungen senke. Der Versorger müsse aber mehr tun, sagt Deser. "Vollgas gibt RWE nicht."

RWE betreibt mehrere Braunkohle-Tagebaue in Nordrhein-Westfalen, die bis 2045 genehmigt sind. Förderbänder transportieren den Rohstoff in nahegelegene Kraftwerke, wo er verbrannt wird.

Trotz des zuletzt stark gesunkenen Börsenpreises für Strom gelten die Anlagen als Ertragsperlen von RWE. Diese Art der Stromerzeugung ist billig, so dass die Kraftwerke zu über 90 Prozent ausgelastet sind und einen erheblichen Anteil am deutschen CO2-Ausstoß haben. Ermöglicht wird dies auch durch den weiterhin niedrigen Preis für Emissionszertifikate, die Versorger für den Ausstoß von CO2 nachweisen müssen.

Kohlendioxidausstoß senken - aber wie?

Zuletzt hatte Bundeswirtschaftsminister Gabriel einen Plan für eine Art Braunkohle-Strafsteuer vorgelegt. Mit seiner Hilfe sollte der CO2-Ausstoß der ältesten und ineffizientesten Kraftwerke gedrosselt und so die deutschen Klimaziele erreicht werden. Deutschland hat sich gegenüber der Staatengemeinschaft verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Bisher sind erst 27 Prozent erreicht.

Gabriel hatte den Plan später allerdings aufgeweicht, und inzwischen sucht die Bundesregierung offenbar nach alternativen Sparmöglichkeiten. Doch das Thema ist für RWE damit offenbar noch lange nicht erledigt.

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