Donnerstag, 23. Mai 2019

Kohle-Investments Norwegens Staatsfonds macht Schluss mit RWE

RWE-Kraftwerk bei Neurath: Der Staatsfonds hatte den Versorger zuletzt gedrängt, aus der Kohle auszusteigen

Der norwegische Pensionsfonds, größter Staatsfonds der Welt, soll sich aus dem Geschäft mit der Kohle zurückziehen. Der Finanzausschuss des Parlaments in Oslo beschloss am Mittwochabend einstimmig, dass der Fonds seine Anteile an Energie- und Bergbauunternehmen verkaufen soll, bei denen das Kohlegeschäft mehr als 30 Prozent am Geschäft ausmacht.

Damit stehen auch die Beteiligungen an den deutschen Versorgern RWE und der geplanten Eon-Abspaltung Uniper endgültig zur Disposition. Der Fonds gehört mit jeweils um die 2 Prozent zu den wichtigsten Investoren der beiden größten deutschen Versorger.

"Investitionen in Kohle können ein Risiko für das Klima und ein zukünftiges finanzielles Risiko bedeuten", erklärte Svein Flatten, Abgeordneter der regierenden Konservativen Partei. Er verwies auf den Kampf gegen die Erderwärmung und eine mögliche Abwertung fossiler Energien.

Die rechtskonservative Regierung, die im Parlament keine Mehrheit hat, hatte bislang dem Druck der Oppositionsparteien widerstanden, Anteile an Unternehmen mit Bezug zu fossilen Energieträgern abzustoßen. Sie wollte stattdessen Unternehmen aus dem Fonds ausschließen, die "in inakzeptabler Menge" Treibhausgase ausstoßen.

Aufgrund der Vorgaben für Investitionen in die klimaschädliche Kohleindustrie müsse man sich nun aus 50 bis 75 Unternehmen zurückziehen, sagte Petter Johnsen, Chef-Anlage-Stratege des weltgrößten Fonds. Die Beteiligungen seien zwischen vier und fünf Milliarden Euro wert.

Zuletzt haben zahlreiche Stiftungen, Fonds und Finanzhäuser erklärt, ihre Investitionen in Unternehmen aus der fossilen Energiewirtschaft zu reduzieren. Dazu zählen die Versicherung Axa, die Stiftung der Rockefeller-Nachfahren und die Universität Stanford.

Die Investoren ziehen ihre Gelder nicht nur aus moralischen, sondern auch aus ökonomischen Erwägungen ab. So hatte die Bank of England erklärt, große Teile der Kohle-, Öl- und Gasvorkommen könnten wertlos werden, wenn sich die Staaten auf harte Klimaschutzmaßnahmen einigen.

Die Norweger hatten den deutschen Versorger RWE Börsen-Chart zeigen zuletzt zu einem Rückzug aus der Kohle aufgefordert. Eon steht etwas weniger im Fokus, weil das Unternehmen Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke in die neue Gesellschaft namens Uniper auslagern will.

Umweltschützer feierten den Beschluss des Ausschusses, dem am 5. Juni das norwegische Parlament zustimmen soll. "Wir haben gewonnen! Norwegen wird verkaufen! Die Politiker schmeißen die Kohle aus dem Ölfonds", erklärte die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf Twitter.

Ein von der Regierung eingesetzter Expertenrat hatte im Dezember noch empfohlen, bei den Investitionen auch den Klimaschutz im Blick zu haben, und die Leitlinien des Fonds entsprechend zu ändern. Investitionen in Kohle-, Öl- und Erdgasfirmen sollen aber nicht grundsätzlich untersagt werden. Vielmehr müsse von Fall zu Fall geprüft werden, inwieweit ein Unternehmen dem Klima schade.

Der norwegische Staatsfonds speist sich aus den Einnahmen der Ölförderung und ist 835 Milliarden Euro schwer. Die Leitlinien des Pensionsfonds verbieten bislang bereits Investition in Unternehmen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, Kinderarbeit ausnutzen, "besonders inhumane" Waffen fertigen oder Tabakprodukte herstellen.

Kritiker dieser Strategie monieren jedoch, dass der Verkauf von Anteilen keine Probleme löse. Schließlich erwerbe ein anderer Investor die Aktien und ermögliche die Fortsetzung der als unmoralisch empfundenen Geschäfte.

Ähnlich argumentieren bisher große deutsche Fondsgesellschaften. "Wir stehen den Versorgern als Aktionäre auf den Füßen", sagt Fondsmanager Thomas Deser von Union Investment, der Investmentgesellschaft der genossenschaftlichen DZ Bank. Von ihren Nachhaltigkeitsfonds schließe die Gesellschaft RWE und Eon allerdings aus.

ts/nis/AFP/rtr

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