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Nordsee-Ölfeld Brent: Ein Stück Wirtschaftsgeschichte wird abgewrackt

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Preisverfall macht Nordseequellen unwirtschaftlich Europas Ölfeldern droht der Domino-Effekt

Die Nordsee ist für Europa ein echter Wirtschaftsfaktor: Tourismus-, Schifffahrts- und Fischfang-Branche leben von ihr, zunehmend auch die Windkraftindustrie. Doch ihr wichtigster Beitrag zum Sozialprodukt sind wohl immer noch die Öl- und Gasvorkommen.

In den 1960er-Jahren wurde erstmals Öl unter dem Meeresgrund entdeckt. Seit der Ölkrise Anfang der 70-er Jahre beuten Förderunternehmen die Vorkommen aus - und haben die Eigenversorgung des Kontinents deutlich ausgebaut. So stammen 29 Prozent der deutschen Ölimporte aus Nordsee-Anrainerstaaten, eine Plattform (Mittelplate) liegt in Deutschland selbst.

Damit könnte allerdings weit schneller Schluss sein als erhofft. Großbritannien, Norwegen und andere Anrainer produzieren seit Jahren ohnehin weniger Öl, doch der anhaltend niedrige Ölpreis könnte das schleichende Ende der Nordseeöl-Förderung beschleunigen.

"Ernsthaftes und unmittelbares Risiko" für die Ölförderung

Es gebe ein "ernsthaftes und unmittelbares Risiko", dass zusätzliche Ölfelder aufgegeben würden, sagte der Chef der britischen Öl- und Gasbehörde, Andy Samuel, der "Financial Times". Die in der Nordsee tätigen Firmen müssten deutlich effizienter arbeiten und besser kooperieren als bisher, sonst könnten viele nicht überleben.

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Ende der 90er-Jahre holten die Förderunternehmen noch 250 Millionen Tonnen Öl pro Jahr aus der Tiefe. Inzwischen ist es nur noch die Hälfte. Noch vor zwei Jahren hatte die Industrie Investitionen in Höhe von 120 Milliarden Euro für das Nordseegebiet angekündigt. Doch angesichts des Preisverfalls liegt ein Großteil davon nun auf Eis.

Seit Sommer vergangenen Jahres ist der Ölpreis um mehr als 50 Prozent gesunken. Er liegt derzeit bei knapp 50 Dollar pro Fass der Sorte Brent .

Samuel warnt vor einem Dominoeffekt: Sobald die erste Firma aufgibt, müssten die verbleibenden die Kosten für gemeinsame Infrastruktur wie Pipelines oder Verarbeitungsplattformen schultern. Einige Firmen wie Shell  und Total  haben bereits mitgeteilt, dass sie sich von Ölfeldern trennen wollen.

Zugleich schließen Ölmultis wie geplant große Förderstätten, darunter die "Mutter aller Nordseeölfelder", das Vorkommen Brent. Mit Milliardenaufwand wird dazu schweres Gerät abgebaut und entsorgt.

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