Russische Gaslieferungen Nord Stream 1 soll nach Wartung wieder in Betrieb gehen

Am kommenden Donnerstag soll die Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 beendet sein – und offenbar will Russland seine Gaslieferungen nach Deutschland dann wirklich wieder aufnehmen. Die EU bereitet sich dennoch auf alle möglichen Szenarien vor.
Strömt ab Donnerstag wieder russisches Gas durch die Pipeline Nord Stream 1? Die EU-Kommission ist da skeptisch

Strömt ab Donnerstag wieder russisches Gas durch die Pipeline Nord Stream 1? Die EU-Kommission ist da skeptisch

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JOHN MACDOUGALL / AFP

Russland will Insidern zufolge seine Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 am Donnerstag nach einer Wartungsunterbrechung wieder aufnehmen – wenn auch in reduziertem Umfang. Die Pipeline solle ihren Dienst wieder beginnen, werde dies aber nicht in voller Auslastung tun, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Der deutsche Leitindex Dax legte daraufhin kräftig zu. Gazprom und die Betreiber der Pipeline wollten sich zunächst nicht äußern.

Der russische Staatskonzern Gazprom hatte die Kapazität der Lieferungen durch Nord Stream 1 im vergangenen Monat auf 40 Prozent reduziert und dies auf die Wartung einer Verdichterturbine zurückgeführt. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte technische Gründe für die Drosselung als vorgeschoben bezeichnet und Russland vorgeworfen, Gaslieferungen als politische Waffe einzusetzen.

Am 11. Juli war der Gasstrom durch die Pipeline dann für eine planmäßige Wartung unterbrochen worden, deren Ende für den Donnerstag erwartet wird. "Gazprom werde zu dem vor dem 11. Juli gesehenen Niveau zurückkehren", sagte nun einer der Insider.

EU könnte im Notfall verbindliche Einsparziele für Gas vorgeben

Angesichts eines drohenden Gasnotstands könnten in der EU verbindliche Einsparziele ausgegeben werden. Das geht aus einem Entwurf für einen Notfallplan hervor, den die EU-Kommission an diesem Mittwoch in Brüssel vorstellen will und der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatten mehrere internationale Medien und die «Welt» darüber berichtet. Konkret soll es demnach um den Fall gehen, in dem freiwillige Maßnahmen nicht mehr ausreichen, um in allen EU-Staaten eine Versorgung von privaten Haushalten und anderen besonders zu schützenden Konsumenten wie etwa Krankenhäusern sicherzustellen.

Eine Voraussetzung für die Einführung von verpflichtenden Einsparzielen könnte laut dem Entwurf sein, dass mindestens zwei EU-Staaten wegen einer Unterversorgung mit Gas akute Notsituationen befürchten. Wie stark die EU-Staaten ihren Gasverbrauch reduzieren müssten, ließen die Autoren zunächst offen, im Gespräch waren zuletzt allerdings Zahlen von 5 bis 15 Prozent. Im Entwurf beschrieben wird lediglich, dass als Basiswert für eine prozentuale Einsparung der Durchschnittsgasverbrauch in den Jahren 2016 bis 2021 dienen könnte.

Die EU-Kommission wollte sich am Dienstag nicht zu den noch laufenden Arbeiten an den Notfallplänen äußern. Ein Sprecher verwies allerdings darauf, dass vom «schlimmstmöglichen Szenario» ausgegangen werde. Zugleich machte er deutlich, dass es nicht möglich sei vorherzusagen, ob durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach einer geplanten Wartung weiter Gas fließen werde.

Im EU-Parlament wird die Arbeit der Kommission aufmerksam verfolgt: Es sei richtig, dass die Kommission die Mitgliedstaaten zum weiteren Energiesparen aufruft, betonte etwa der SPD-Europaabgeordnete Jens Geier. Sein CSU-Amtskollege Markus Ferber erklärte, ganz ohne Einschnitte werde es vermutlich nicht gehen, nur mit Einschnitten aber auch nicht. Der Grünen-Abgeordnete Michael Bloss kritisierte einen mangelnden Sozialausgleich: "Die Vorschläge der Kommission auf eine nie da gewesene Energiekrise"

Durch die Pipeline Nord Stream 1 wurden vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas von Russland nach Deutschland transportiert. Die Reduktion der Lieferungen aus Russland hatten dann unter anderem auch den größten deutschen Gasimporteur Uniper in eine Schieflage gebracht. Der Düsseldorfer Konzern muss wegen der Lieferkürzungen Russlands Gas am teuren Spotmarkt kaufen, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen – und fährt damit hohe Verluste ein. Die Tochter des finnischen Energie-Riesen Fortum hatte die Bundesregierung um Hilfe gebeten. Die Gespräche um eine Rettung laufen. Uniper-Aktien  legten nach der Meldung zu den russischen Gaslieferungen daher kräftig zu und notierten mit einem Plus von mehr als 10 Prozent bei 10,40 Euro

sio/mg/Reuters
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